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Schweizer Aktienmarkt: Für ihre Einflussnahme gefürchtete Finanzinvestoren bringen sich in Stellung

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Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse. Diese Woche: Finanzinvestoren kaufen gezielt Aktien zu. Wird es für Tecan, DocMorris und SIG nun ungemütlich? Und: Londoner Analyst verteidigt die UBS-Aktie.

aktualisiert um 12:00
Von cash Insider
Firmen-Fahnen beim Hauptsitz von Sonova in Stäfa.

Firmen-Fahnen beim Hauptsitz von Sonova in Stäfa. Auch der Hörgerätehersteller könnte zum Ziel von Finanzinvestoren werden.

Quelle: zVg

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

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Eigentlich sah es auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt nach einem «schwarzen Montag» aus. Im frühen Handel fiel der Swiss Performance Index (SPI) kurzerhand auf unter 16'850 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit November. Allerdings setzte noch selbentags eine Gegenbewegung nach oben ein. Dank Anschlusskäufen steuert das breit gefasste Börsenbarometer – Stand Freitagmittag – nun sogar auf ein sattes Wochenplus von etwas mehr als zwei Prozent zu.

Doch auch sonst blicken wir in vielerlei Hinsicht auf eine bewegte Handelswoche zurück. Man könnte schon beinahe von einer «Handelswoche für die Geschichtsbücher» sprechen. So kaufte sich der bekannte Industrielle Thomas Schmidheiny etwa über sein Investment-Vehikel SEO mit gut drei Prozent beim Laborausrüster Tecan ein. Verhält es sich nach dem üblichen Drehbuch, dann dürfte er sein Paket innerhalb kürzester Zeit auf fünf Prozent ausbauen. Die Trittbrettfahrer brachten sich in den vergangenen Tagen jedenfalls schon mal in Stellung.

Und bei DocMorris reicht es der Aktionärsgruppe um die polnische Pelion. Sie will den langjährigen Verwaltungsratspräsidenten und Firmenmitgründer Walter Oberhänsli absetzen und das Verwaltungsratsgremium mit eigenen Vertretern bestücken. Kurz zuvor war man bei der Versandapotheke mit Plänen über eine strategische Zusammenarbeit abgeblitzt.

Ob die angezettelte Palastrevolution von Erfolg gekrönt sein wird und welche Rolle Nicolas Mathys dabei spielt, bleibt abzuwarten. Der frühere Calida-Verwaltungsrat hat sich über Aktien und Derivate mit gut drei Prozent bei DocMorris eingekauft. Mathys und das Unternehmen haben übrigens eine gemeinsame Vergangenheit, als die Versandapotheke noch unter Zur Rose firmierte.

Für die Tecan-Aktien ging es diese Woche steil nach oben (Quelle: www.cash.ch)

Noch sitzen die Leerverkäufer – sie wetten mit rund 34 Prozent aller ausstehenden Aktien auf rückläufige Kurse - jedenfalls fest im Sattel. Ganz so einfach lassen sie sich wohl nicht abwerfen, machen Analysten wie Jan Koch von der Deutschen Bank oder Sebastian Vogel von der UBS mit Blick aufs kommende Jahr doch einen erneuten Kapitalhunger aus.

Apropos UBS: Keine 24 Stunden, nachdem der für die Grossbank tätige Analyst Joern Iffert die Aktien der SIG Group mit einem Zwölf-Monats-Kursziel von 15 (zuvor 12,50) Franken von «Neutral» auf «Buy» heraufstufte, wird bekannt, dass Cevian Capital die Beteiligung am Verpackungsmaschinenhersteller nahezu verdoppelt hat. Neuerdings ist der schwedische Finanzinvestor beim Unternehmen Herr über 5,6 Prozent der Stimmen. Die Skandinavier hatten sich erst im vergangenen Dezember mit gut drei Prozent bei der SIG Group eingenistet.

Im Wissen, dass dem neuen Zwölf-Monats-Kursziel des UBS-Analysten nur leicht höhere Gewinnschätzungen zugrunde liegen, frage ich mich doch, ob er den Beteiligungsausbau durch Cevian Capital nicht antizipiert hat? Völlig überraschend kommt dieser nämlich nicht, halten sich die Skandinavier damit doch an ihr herkömmliches Drehbuch.

Es ist ermutigend zu sehen, dass für ihre aktive Einflussnahme bei Unternehmen gefürchtete Finanzinvestoren vom Schlag von Cevian Capital oder SEO die Börsenschwäche der letzten Wochen nutzen, um neue Beteiligungen auf- oder bestehende Beteiligungen auszubauen. Meines Erachtens geht davon ein starkes Signal aus – selbst wenn die genannten Finanzinvestoren sehr gezielt zukaufen...

...ein nächstes mögliches Ziel für eine Beteiligungsnahme könnte übrigens Sonova sein. Die Aktien des Hörgeräteherstellers aus Stäfa sind so günstig zu haben wie seit dem pandemiebedingten Rücksetzer vom März 2020 nicht mehr. Dem erst vor wenigen Tagen kommunizierten Ziel eines Jahresumsatzes von 6 Milliarden Franken bis in fünf Jahren wird momentan – selbst wenn dies auch mir ziemlich ambitioniert erscheint – so gar keine Rechnung getragen. Die Schätzungen der Analysten liegen weit dahinter zurück. Und auch bei anderen mittelgrossen Schweizer Unternehmen wie Alcon oder Temenos könnte sich jederzeit ein Finanzinvestor einnisten.

Es ist momentan so etwas wie ein Fest für Trittbrettfahrer unterschiedlichster Couleur. Wie lange dieses Fest andauert und ob dieses für die Trittbrettfahrer nicht doch in Tränen endet, wird sich zeigen müssen. Längst nicht jedes Engagement eines Finanzinvestors dürfte unter einem so guten Stern stehen wie jenes von SEO beim Halbleiterhersteller U-blox.

Kommen wir an dieser Stelle noch auf Skan und Inficon zu sprechen. Die Aktien dieser beiden Unternehmen wurden für die überraschend zurückhaltenden Finanzziele für das laufende Jahr mit prozentual zweistelligen Kursverlusten abgestraft. Während die Valoren des kleinen Medizinaltechnikunternehmens die Scharte noch am selben Tag auswetzen konnten, machten jene des Halbleiterausrüsters trotz einer Heraufstufung von «Halten» auf «Kaufen» bei einem Kursziel von 118 (zuvor 135) Franken durch den Nebenwertespezialisten Research Partners nur einen Teil dieser Verluste wieder wett.

Man kann den beiden Unternehmen keinen Vorwurf machen, wenn sie angesichts des launischen Umfelds «den Ball flachhalten». Ich begrüsse das sehr, setzt man damit doch die eigene Glaubwürdigkeit nicht grobfahrlässig aufs Spiel.

Ein Dauerthema bleibt in hiesigen Börsenkreisen die UBS und ihr künftiger Eigenmittelbedarf. Diese Woche meldete sich der für die Bank of America tätige Analyst Antonio Reale zu Wort. Mit Blick auf die strengeren Eigenmittelvorschriften geht er von einem Entgegenkommen der Politik in Bern aus und glaubt, dass die Grossbank ihre Auslandtöchter kapitalmässig zur Hälfte mit AT1-Pflichtwandelanleihen unterlegen darf. Dadurch verringere sich der zusätzliche Eigenkapitalbedarf von knapp 11 auf etwas mehr als 6 Milliarden Dollar, wie Reale vorrechnet.

Die Aktien der UBS gehören zu den SMI-Schlusslichtern in diesem Jahr (Quelle: www.cash.ch)

Dass er seine Gewinnschätzungen dennoch unter negativen Vorzeichen überarbeitet und das Kursziel auf 46 (zuvor 48) Franken trimmt, dürfte vor allem dem schwierigeren Finanzmarktumfeld geschuldet sein. An seiner Kaufempfehlung hält der Analyst indes fest. Ganz uneigennützig ist das nicht, zählen die UBS-Aktien doch zu den «25 Stocks for 2026» der Bank of America. Ausserdem sind sie bei der amerikanischen Grossbank fester Bestandteil der «Europe 1 List».

Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, wäre es für die UBS ein Leichtes, das leidige Thema «strengere Eigenmittelvorschriften» mit den im Raum stehenden Forderungen im Zusammenhang mit AT1-Pflichtwandelanleihen der Credit Suisse zu verknüpfen. Ein Kompromiss könnte etwa so aussehen: Die Politik in Bern kommt der UBS beim strengeren Eigenmittelregime entgegen, die Grossbank nimmt im Gegenzug einen Teil der AT1-Pflichtwandelanleihen der Credit Suisse wieder in die Bücher – wobei dieser Teil den zusätzlich benötigten Eigenmitteln zur Unterlegung der Auslandtöchter angerechnet wird.

Ausserdem darf in der ganzen Diskussion um die AT1-Pflichtwandelanleihen der Credit Suisse nicht vergessen gehen, dass diese unmittelbar vor der Finma-Verfügung vom März 2023 für nicht mal mehr 30 Cents je Dollar an Nominalwert gehandelt wurden. Dadurch liegt der tatsächliche finanzielle Schaden, welche die Gläubiger gegenüber der Eidgenossenschaft oder wem auch immer geltend machen können, weit unter den in hiesigen Medien regelmässig herumgereichten 17 Milliarden Dollar...

Immer mehr in einen Kaufrausch verfällt Novartis-Chef «Vas» Narasimhan. Gerade einmal eine Woche ist es her, dass man den von Synnovation Therapeutics entwickelten Wirkstoff SNV4818 einlizenziert hat. Das liessen sich die Basler 2 Milliarden Dollar sowie erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen von bis zu einer weiteren Milliarde Dollar kosten. Nun legen sie mit einer Übernahme der amerikanischen Excellergy für bis zu 2 Milliarden Dollar nach und verstärken damit das eigene Immunologie-Geschäft.

Neugierig wie ich bin, habe ich mich mal kurz schlau gemacht: Es ist bereits die sechste Firmenübernahme oder Produkteinlizenzierung alleine in diesem Jahr, darunter der 12 Milliarden Dollar schwere Kauf von Avidity Biosciences.

In Analystenkreisen stiess diese Abfolge von Firmenübernahmen und Produkteinlizenzierungen bisher stets auf positive Resonanz. Angesichts der zuletzt hohen Taktfrequenz an neuen Transaktionen frage ich mich allerdings, ob nicht irgendwann kritischere Stimmen laut werden. Jede Firmenübernahme und jede Einlizenzierung ist nämlich auch eine Wette. Und längst nicht jede dürfte unter einem guten Stern stehen.

Ich bin neugierig, ob Novartis kommende Woche mit weiteren Transaktionen nachlegt. Falls ja, dann mehr dazu am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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