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Es ist schon etwas deprimierend: Während die New Yorker Börse ein Rekordhoch nach dem nächsten feiert, weist der Schweizer Aktienmarkt nach sechs Wochen eine eher verhaltene Zwischenbilanz auf. Nicht nur der Swiss Market Index (SMI), auch der breiter gefasste Swiss Performance Index (SPI) notiert nur unwesentlich über dem Stand von Ende Dezember. In Dollar betrachtet, wird aus der leicht positiven sogar eine negative Zwischenbilanz – hat der Franken in den letzten Wochen gegenüber dem Greenback doch etwas nachgelassen.

Zugegeben: Die hiesigen Gewinner des noch jungen Börsenjahres können es locker mit den Überfliegern aus New York aufnehmen. Die Aktien von Kinarus haben sich gegenüber Ende Dezember im Kurs verzehnfacht und jene von Spexis immerhin knapp versechsfacht. Und mit den Valoren von Newron liess sich der Einsatz immerhin fast verdoppeln.

Unter den besten Schweizer Aktien in diesem Jahr finden sich vorwiegend sogenannte "Penny Stocks" mit Kursen im Rappenbereich. Erst auf Platz neun stösst man mit Lonza (+27 Prozent) auf das erste SMI-Unternehmen, gefolgt von Richemont (+13 Prozent) deutlich dahinter.

Sowieso gestaltet sich das Börsengeschehen ungewohnt launisch. Noch selten lagen Erfolg und Misserfolg so nahe beieinander wie in den letzten Wochen. Unter die Räder gerieten insbesondere Aktien von Unternehmen mit einem latenten Eigenkapitalbedarf – ich denke da etwa an jene von Meyer Burger (-41 Prozent) oder Idorsia (-30 Prozent). Doch auch einstige Überflieger wie Sensirion (-21 Prozent) oder Komax (-18 Prozent) hatten schmerzhafte Kursverluste zu beklagen.

Dass sich die Börse von ihrer launischen Seite zeigt, hat auch mit der Jahresberichterstattung zu tun. Der starke Franken hinterliess im Schlussquartal letzten Jahres bei ach so manchem Unternehmen tiefe Spuren in der Umsatz- und Gewinnentwicklung. Es ist die Frankenstärke, welche sich wie ein rotes Band durch die Unternehmensabschlüsse zieht.

Nach Roche und Novartis in der Woche zuvor, gehörte die Bühne diese Woche ganz der UBS. Wenig überraschend schloss die grösste Schweizer Bank das vierte Quartal mit einem Verlust ab. Mit 751 Millionen Dollar vor Steuern fiel dieser deutlich höher als erwartet aus. Zum Vergleich: Analysten gingen durchschnittlich von einem Vorsteuerverlust in Höhe von 177 Millionen Dollar aus.

Während insbesondere das Personal & Corporate Banking erfreulich abschnitt, lässt sich das vom Global Wealth Management nicht behaupten. In diesem wichtigen Geschäftszweig verfehlte die Grossbank aufgrund stark gestiegener Kosten selbst die pessimistischsten Erwartungen.

Kursentwicklung der UBS-Aktien rund um die Ergebnisveröffentlichung (Quelle: www.cash.ch)

Und obschon man die Börse mit einer grosszügigen Erhöhung der Jahresdividende von 55 auf 70 Cents je Aktie und der Aussicht auf Aktienrückkäufe in der zweiten Jahreshälfte gnädig zu stimmen versuchte, fiel deren Reaktion ziemlich harsch aus. Nachdem Firmenchef Sergio Ermotti und sein Finanzchef Todd Tuckner an der Telefonkonferenz nur mässig überzeugen konnten, gingen die Aktien alleine am Berichtstag um fast fünf Prozent tiefer aus dem Handel.

Doch wo Schatten ist, da ist auch Licht – wie ich finde. So kommt die Integration der Credit Suisse weiterhin gut voran. Ausserdem scheint das Sparpotenzial grösser als ursprünglich gedacht zu sein. Ich traue dem "dynamischen Duo" Ermotti und Tuckner durchaus zu, dieses auch vollends auszuschöpfen.

Dass sich die Grossbank in Sachen Aktienrückkaufprogramm noch ziert, überrascht mich hingegen nicht. Die Credit-Suisse-Übernahme bleibt bis heute ein Politikum und zu frühe und zu üppige Rückkäufe würde falsche Signale nach Bundesbern senden. Doch wie heisst es bekanntlich doch so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Kommen wir auf SoftwareOne zu sprechen. Beim Anbieter von Cloud-Lösungen zeichnet sich nichts Geringeres als eine Aktionärsrevolte ab. Die Gründeraktionäre – gemeinsam halten sie gut 29 Prozent am Unternehmen – wollen die kürzlich erfolgte Absage des Verwaltungsrates an das Übernahmeangebot der amerikanischen Bain Capital nicht einfach so hinnehmen.

Mitte Januar lag das besagte Angebot noch bei 18,80 Franken je Aktie und damit knapp 10 Prozent über den zuletzt bezahlten Kursen. Da überrascht es nicht, dass die Gründeraktionäre in Opposition gehen – zumal sie sich im Frühsommer letzten Jahres ja bekanntlich mit dem interessierten Finanzinvestor zu einer Aktionärsgruppe zusammengeschlossen haben. Da liegt es doch geradezu auf der Hand, dass es zumindest zwischen den Gründeraktionären und den Amerikanern noch Kontakte gibt.

Die Aktionärsrevolte sieht vor, den Verwaltungsrat auszuwechseln und Mitgründer Daniel von Stockar an die Spitze des Gremiums zu wählen. Dazu bedarf es einer einfachen Mehrheit.

Am Dienstag schrieb ich wie folgt:

Mal schauen, ob kommende Woche aufschlussreiche Beteiligungsmeldungen bei der SIX Swiss Exchange eingehen. Ich wäre jedenfalls nicht überrascht, wenn sich die "üblichen Verdächtigen" unter den britischen und amerikanischen Hedgefonds einnisten würden.

Roche baut im Pharmageschäft hunderte von Stellen ab. Das bestätigt heute Freitag ein Unternehmenssprecher gegenüber Medien. Dass ausgerechnet in der klinischen Entwicklung von Medikamenten Arbeitsplätze verloren gehen, lässt aufhorchen. Es werden nämlich vermehrt Stimmen laut, wonach die Basler in der Forschung und Entwicklung an Innovationskraft eingebüsst hätten.

Ob ein Stellenabbau da wirklich der richtige "Therapieansatz" ist, bleibe mal so dahingestellt. Gerade im Wissen, dass Firmenchef Thomas Schinecker in den vergangenen Monaten gut 10 Milliarden Dollar für den Zukauf neuer Wirkstoffe aufgeworfen hat, mutet die Streichung hunderter von Stellen aber seltsam an.

Seit gut zwei Jahren zeigt die Kursentwicklung bei den Bons von Roche nach unten (Quelle: www.cash.ch)

An der Börse scheint man meine Einschätzung wohl zu teilen, fällt der Kurs der "Bons" heute Freitag doch in die Nähe von 223 Franken und damit auf den tiefsten Stand seit dem Frühsommer 2018. Grosse ausserbörsliche Umsätze lassen erahnen, dass hier grosse und mächtige Verkäufer am Werk sind. Eindeutiger könnte das Urteil kaum ausfallen...

Ich habe den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung in den letzten eineinhalb Jahren immer wieder in Schutz genommen. Langsam werde ich müde. Denn mit dem Zukauf neuer Wirkstoffe für zig Milliarden alleine ist es nicht getan. Für mich bedarf es grundlegenderen Massnahmen – etwa eine Abkehr von der völlig veralteten Kapitalstruktur.

Ich wage sogar zu behaupten, dass der Kurs nicht dort stünde wo er steht, wenn die Besitzverhältnisse bei Roche andere wären. Ein Titel, ein Stimmrecht – so stelle ich mir Aktionärsdemokratie am Rheinknie eigentlich vor...

Eher beiläufig bin ich darüber gestolpert, dass Baloise im Videospiel "Grand Theft Auto 5" prominent vertreten ist – und zwar sowohl mit einem geradezu imposanten Firmensitz als auch mit dem Schriftzug auf den Geldautomaten. Keine Ahnung, was das den hiesigen Erstversicherer gekostet hat.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Fondstochter der UBS zuletzt wieder Aktien zugekauft hat und mehr als fünf Prozent an Baloise hält. Vermutlich steckt mehr dahinter, als dass sich unter den Fonds-Managern der Grossbank ein paar Videospiel-Enthusiasten befinden.

Kommende Woche werden mit Schindler, Sika und Swiss Re drei weitere Grossunternehmen aus der Schweiz ihre Jahresergebnisse vorlegen. Mehr dazu am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

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