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Der Schweizer Aktienmarkt konnte in den vergangenen Tagen - am breit gefassten Swiss Performance Index (SPI) gemessen - an die Rekorde vor Vorwoche anknüpfen. Und auch der Swiss Market Index (SMI) schrieb Geschichte und stieg erstmals überhaupt auf über 14'000 Punkte.
Diese Kursstärke dürfte den einen oder anderen Grossinvestor an den Rand der Verzweiflung treiben. Denn noch immer sind nicht eben wenige bei den drei SMI-Schwergewichten chronisch unterinvestiert. Vorbei sind die Jahre, in denen sich die hiesigen Aktienindizes schlagen liessen, indem man einen möglichst grossen Bogen um die Valoren von Nestlé, Roche und Novartis machte und diese im Portefeuille durch jene mittelgrosser Unternehmen wie Richemont, ABB oder Logitech ersetzte. Allerdings liefert dieses «Erfolgs-Rezept» nicht mehr die gewünschten Resultate.
Gerade die Valoren von Roche und Novartis sind bereits gut gelaufen. Mit 374 Franken kosten die Genussscheine von Roche fast 45 Prozent mehr als noch im November. Bis zum Rekordhoch vom Frühling 2022 scheint es bloss noch ein Katzensprung. Damals wurden in der Spitze Kurse von etwas mehr als 400 Franken bezahlt. Noch beeindruckender ist die Aktienkursbilanz bei Novartis. Seit dem Hochsommer vergangenen Jahres reiht sich beim Pharmaunternehmen aus Basel ein Rekord an den nächsten. Alleine in den letzten Wochen wurde ein Kursziel nach dem anderen nach oben durchschritten. Die Analysten kommen mit Erhöhungen nicht mehr länger hinterher.
Der Kurs der Novartis-Aktien steigt und steigt (Quelle: www.cash.ch)
Interessant erscheint mir in diesem Zusammenhang ein Kommentar aus der Feder des Londoner Pharmaanalysten Sachin Jain von der Bank of America. Er macht darin kein Geheimnis, dass er die Neubewertung von Unternehmen wie AstraZeneca, Roche und Novartis für weit gediehen hält. Seines Erachtens müssen alle diese Pharmahersteller schon mit erfreulichen Nachrichten aus der Forschung und Entwicklung aufwarten, um überhaupt nochmals in den Genuss höherer Kurse zu kommen.
Weiterhin Mühe bekunden hingegen die Aktien der Partners Group. Dank der tiefen Zinsen und des dadurch immensen Anlagebedarfs ist die Vergabe von Risikokapital zu einem eigenen Wirtschaftszweig herangewachsen. Diesen Wirtschaftszweig wusste das Vorzeigeunternehmen aus Baar gekonnt zu bespielen.
Seit wenigen Wochen häufen sich nun aber die Hiobsbotschaften für die Branche. Erst traten Ängste, wonach die rasanten Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz nicht eben wenige Softwareunternehmen obsolet machen könnten, eine Kurslawine los. Dann warfen Probleme des Risikokapitalspezialist Blue Owl mit einem Vermögensvehikel für private Kredite medial hohe Wellen. Es sei bloss eine Frage der Zeit, bis auch andere Risikokapitalspezialisten wie die Partners Group diese Verwerfungen zu spüren bekämen, so die Befürchtungen.
Vor wenigen Tagen setzte die renommierte Financial Times dem Ganzen dann noch mit einem Artikel zu Breitling die Krone auf. Darin schreiben die Autoren, dass der Uhrenhersteller im Zuge rückläufiger Umsätze und Gewinne gleich mehrere Milliarden an Unternehmenswert eingebüsst habe.
Zur Erinnerung: Im Jahr 2022 erwarb die Partners Group auf Rechnung ihrer Kundschaft gemeinsam mit dem Gegenspieler CVC Capital Partners eine Mehrheitsbeteiligung an Breitling. Dieser Transaktion lag ein Unternehmenswert von rund 4,5 Milliarden Dollar für den Uhrenhersteller zugrunde.
Kommt es nur mir so vor, oder wird hier seitens der angelsächsischen Medien ganz bewusst Öl ins Feuer gegossen?
Klare Worte findet der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst Daniel Regli. Er glaubt, dass die Aktien der Partners Group in den letzten Wochen ungerechtfertigterweise für die Probleme anderer Anbieter in Sippenhaft genommen wurden, obwohl das Unternehmen bei Beteiligungen an Softwarefirmen und bei privaten Krediten deutlich weniger Kundenvermögen im Feuer stehen hat. Seines Erachtens scheinen die Anleger nicht wirklich zwischen den einzelnen Risikokapitalspezialisten zu differenzieren. Folglich hält der Analyst den Kursrückgang für übertrieben und sieht in diesem eine Einstiegschance. Am «Übergewichten» lautenden Anlageurteil sowie am rechnerischen fairen Wert von 1300 Franken hält er deshalb fest.
Ebenfalls mit einer Durchhalteparole wartet sein Berufskollege Roger Degen von der Bank Julius Bär auf. Auch er hält die jüngsten Kursverluste für übertrieben und verleiht seiner Kaufempfehlung sowie dem Kursziel von 1400 Franken bei dieser Gelegenheit nochmals Nachdruck.
Am vergangenen Freitag berichtete ich, dass sich kurz zuvor auch schon Vontobel-Analyst Andreas Venditti zu Wort gemeldet und den Aktien des Risikokapitalspezialien mit «Buy» und einem Kursziel zur Seite gestanden hatte. Auch diese Durchhalteparole stiess damals an der Börse nicht gerade auf offene Ohren.
Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, ist es vermutlich mehr als bloss ein Sturm im Wasserglas, der sich da in Sachen Risikokapitalanlagen für sämtliche Beteiligten zusammenbraut. Ich bleibe jedenfalls am Thema dran und erhoffe mir spätestens am 10. März wertvolle Anhaltspunkte. An diesem Tag wartet die Partners Group nämlich mit dem Zahlenkranz fürs vergangene Jahr auf – in der Hoffnung, dass Firmenchef David Layton am anschliessenden Investorenanlass aus dem Nähkästchen plaudert.
Es ist vermutlich kein Zufall, dass mit den Valoren von UBS (-13 Prozent) und Partners Group (-11 Prozent) gleich zwei beliebte Finanzwerte unter den drei diesjährigen SMI-Schlusslichtern zu finden sind. Noch will ich den Teufel nicht an die Wand malen und von einer Neuauflage der Finanzkrise sprechen. Dennoch scheint ganz offensichtlich «irgendetwas morsch im Gebälk» zu sein.
Apropos UBS: Die Grossbank stellt sich beim Börsenüberflieger Belimo - zumindest gefühlt – gegen den Rest der Finanzwelt. Chefanalyst Sebastian Vogel nimmt die konservativen Margenvorgaben des Automationsspezialisten vom Montag zum Anlass und kürzt sein Zwölf-Monats-Kursziel auf 500 (zuvor 525) Franken.
Für die Aktien von Belimo ging es diese Woche nach unten (Quelle: www.cash.ch)
Interessant erscheint mir, dass den Berechnungen des UBS-Analysten ein langfristiges Umsatzwachstum von gerade einmal 2,5 Prozent im Jahr zugrunde liegt. Da ist es eigentlich unnötig zu erwähnen, dass die Aktien bei der grössten Schweizer Bank wie bis anhin mit «Sell» eingestuft werden – und das schon seit dem Sommer 2018, als die Titel noch für weniger als 260 Franken zu haben waren.
Andere Berufskollegen sind deutlich zuversichtlicher. Patrick Laager von der Berenberg Bank sieht im Rückschlag eine günstige Kaufgelegenheit, der für Kepler Cheuvreux tätige Martin Flückiger ebenfalls und Vontobel-Analyst Mark Diethelm stuft die Belimo-Aktien sogar mit einem Kursziel von 985 (zuvor 925) Franken von «Hold» auf «Buy» herauf.
Ich selber bleibe letzterem Lager treu und wähne das Vorzeigeunternehmen aus Hinwil vor weiteren wachstumsstarken Jahren. Und was die eher etwas enttäuschenden Margenvorgaben für 2026 anbetrifft, könnte ich mir gut vorstellen, dass sich diese im Laufe des Jahres als konservativ erweisen.
Ein rabenschwarzer Tag erwischten gestern Donnerstag die Aktionärinnen und Aktionäre von Medmix. Um knapp 15 Prozent tiefer gingen die Valoren der einstigen Medizinaltechniktochter von Sulzer aus dem Handel. Dies war weniger dem Zahlenkranz fürs vergangene Jahr als der einschneidenden Dividendenkürzung geschuldet.
Dass die Ausschüttung um 80 Prozent auf 10 Rappen je Aktie zusammengestrichen wird, hatte nun wirklich niemand auf dem Zettel. In Analystenkreisen war man im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung von einer Dividende auf Vorjahreshöhe ausgegangen.
Und auch von der diesjährigen Umsatzentwicklung dürfte man sich wohl mehr erhofft haben. So sind nicht eben wenige Analysten gezwungen, bei ihren Umsatz- und Dividendenschätzungen den dicken Rotstift anzusetzen. Für gewöhnlich gehen solche Anpassungen mit rückläufigen Kursen einher. Lassen wir uns doch mal überraschen, in welchem Umfang diesen Schätzungsreduktionen mit dem jüngsten Kursdebakel bereits Rechnung getragen wurde.
Auch Firmenchef René Willi dürfte bei seinem Amtsantritt im Juni 2024 klar gewesen sein, dass er bei Medmix ein schwieriges Erbe antritt. Gerade die einschneidende Dividendenkürzung zeigt, dass nach wie vor viel Arbeit auf ihn wartet...
An dieser Stelle verabschiede ich mich für eine Woche auf die Bettmeralp. Während meiner Abwesenheit erscheint weder das Insider Briefing noch die Kolumne zur Mittagszeit. Die nächste Kolumne erscheint am Montag, den 9. März 2026. Dann verrate ich, wie meine Jahresfavoriten im Februar abgeschnitten haben.
Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern eine erfolgreiche nächste Woche.
Herzlichst, der cash Insider
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