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Die Aktionärinnen und Aktionäre von Nestlé dürften sich den vergangenen Donnerstag dick in ihrer Agenda angestrichen haben. An diesem Tag wartete der Nahrungsmittelmulti aus Vevey nämlich mit dem letztjährigen Zahlenkranz und den Finanzzielen für das laufende Jahr auf. Und als ob das nicht schon genug wäre, stellte der neue Firmenchef Philipp Navratil der Weltöffentlichkeit auch noch seine Pläne für das Unternehmen vor.
Jefferies-Analyst David Hayes begegnet der geballten Ladung an Neuigkeiten mit einer Erhöhung seines Kursziels auf 77 (zuvor 76) Franken – wobei er seine Gewinnschätzungen sogar um bis zu fünf Prozent nach unten nimmt. An dieser Stelle eigentlich unnötig zu erwähnen, dass Hayes die Aktien wie bis anhin bloss mit «Hold» einstuft.
Für den Analysten reichen die Massnahmen nicht weit genug, wie aus dem mir zugespielten Kommentar hervorgeht. Insbesondere der Aussage Navratils, wonach es keine strukturelle Gezeitenwende im Geschäft gebe und man die Margen wieder auf das einstige Niveau bringen werde, begegnet Hayes mit Kopfschütteln. Wie er weiter schreibt, habe der amerikanische Konsumgüterhersteller Procter & Gamble selbentags auf bemerkenswerte Veränderungen im Umfeld hingewiesen – etwa was die Auswirkungen der Medienfragmentierung, die Teuerung und den Einzelhandel anbetrifft.
Und selbst wenn der Jefferies-Analyst es nicht in genau diesen Worten schreibt, unterstellt er dem neuen Nestlé-Chef zumindest unterschwellig so etwas wie Realitäts-Verweigerung.
Längerfristig ist die Kursbilanz der Nestlé-Aktien noch immer dürftig (Quelle: www.cash.ch)
Kritik in einer ganz anderen Sache übt seine für Morgan Stanley tätige Berufskollegin Sarah Simon. In ihrem Kommentar dreht sich alles um die Definition des freien Cashflows. Denn während der Nahrungsmittelmulti fürs vergangene Jahr einen freien Cashflow von rund neun Milliarden Franken ausweist, kommt sie selbst «bloss» auf 7,7 Milliarden Franken. Der Grund: Anders als das Unternehmen bringt die Analystin bei ihren Berechnungen auch die Leasingkosten sowie die Dividenden für Minderheitsbeteiligungen in Abzug.
Mit 75 (zuvor 74) Franken kommt Simon nur auf ein unwesentlich tieferes Kursziel als der Jefferies-Analyst. Anders als letzterer stuft sie die Nestlé-Aktien mit «Underweight» ein. Hierbei handelt es sich um eine relative Verkaufsempfehlung – sprich: Bei Morgan Stanley gibt man anderen europäischen Nahrungsmittelherstellern den Vorzug.
Selber höre ich aus Vevey eigentlich nur Gutes über Philipp Navratil. Der neue Firmenchef sei genau der Richtige, um Nestlé wieder auf Erfolg zu trimmen. Immerhin übertrifft der Nahrungsmittelmulti nun schon seit drei Quartalen in Folge die Erwartungen der Analysten. Geben wir Navratil deshalb doch die Zeit die er braucht, um seinem Arbeitgeber den persönlichen Stempel aufzudrücken...
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Die Aktionärinnen und Aktionäre von Sandoz dürfen erleichtert aufatmen. Die Angst einiger Analysten, wonach das Unternehmen den Ball mit Blick aufs laufende Jahr eher flach halten könnte, erweist sich rückblickend als völlig unbegründet.
Während sich die Umsatzvorgaben mit einem Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich im Rahmen der Erwartungen bewegen, fallen die Gewinnvorgaben tendenziell sogar etwas höher aus. Der Hersteller von Nachahmermedikamenten strebt nämlich eine Verbesserung der operativen Kerngewinnmarge (EBITDA) um rund 100 Basispunkten an.
Für die Sandoz-Aktien geht es am Mittwoch nochmals kräftig nach oben (Quelle: www.cash.ch)
Nicht zuletzt auch dank der höheren Ausgangslage aus dem vergangenen Geschäftsjahr – Sandoz steigerte die operative Kerngewinnmarge 2025 um 160 Basispunkte und damit deutlicher als gedacht – werden nun viele Analysten ihre künftigen Gewinnerwartungen und vermutlich auch die Aktienkursziele unter positiven Vorzeichen überdenken müssen.
Da erscheint es mir kein Wunder, wenn mir aus hiesigen Börsenkreisen davon berichtet wird, dass die Leerverkäufer in heller Aufruhr sind.
Ich bleibe jedenfalls bei meiner Aussage vom Montag, wonach der Börsengang von Sandoz eine Erfolgsgeschichte ist, die hierzulande ihresgleichen sucht. Das freut auch mich, sind die Aktien doch schon seit Januar 2024, als noch Kurse um die 28 Franken bezahlt wurden, ein fester Bestandteil meiner Schweizer Jahresfavoriten.
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