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Wir blicken auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt auf eine weitere erfreuliche Börsenwoche zurück. Der viel beachtete Swiss Performance Index (SPI) notiert erstmals überhaupt bei mehr als 19'000 Punkten.
Die mediale Bühne gehörte diese Woche zweifelsohne Nestlé und damit einem der hiesigen Indexschwergewichte. Auch am frühen Donnerstagmorgen wartete der Nahrungsmittelmulti aus Vevey wieder mit einem erfreulichen Zahlenkranz auf. Allen Unkenrufen zum Trotz beschleunigte sich das organische Umsatzwachstum im Schlussquartal auf 4 Prozent. Analysten waren im Vorfeld durchschnittlich von einem organischen Wachstum von 3,5 Prozent ausgegangen. Gut kam in hiesigen Börsenkreisen insbesondere die Belebung beim Volumenabsatz an.
Wer nun denkt, dass sich Firmenchef Philipp Navratil diese Belebung mit tieferen Margen erkauft habe, der irrt. So konnte gestiegenen Marketingausgaben mit Kosteneinsparungen begegnet werden.
Erleichtert aufatmen dürfen die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionärinnen und Aktionäre vor allem aber mit Blick auf die diesjährigen Finanzziele. Nachdem zuerst Kraft Heinz und kurz danach auch das amerikanische Partnerunternehmen General Mills vorsichtige Ausblicke abgegeben hatten, wurde auch Nestlé an der Börse hinter vorgehaltener Hand ein vorsichtiger Ausblick nachgesagt – zumal bei den Westschweizern ja zudem noch mögliche Folgen des unrühmlichen Rückrufs von Säuglingsnahrung im Raum stehen.
Dennoch strebt der Nahrungsmittelmulti in diesem Jahr ein organisches Umsatzwachstum zwischen 3 und 4 Prozent sowie Verbesserungen bei der operativen Gewinnmarge (2025: 16,1 Prozent) an. Analysten gingen bisher durchschnittlich von einem organischen Wachstum von 3,3 Prozent und einer operativen Gewinnmarge von 16,3 Prozent aus.
Um die Zahlenveröffentlichungen herum kommt es bei den Aktien von Nestlé immer wieder zu einem Aufbäumen (Quelle: www.cash.ch)
Gestern Donnerstag gingen die Nestlé-Aktien denn auch um knapp vier Prozent höher aus dem Handel. Verhält es sich wie bei den letzten beiden zahlenbedingten Kursfeuerwerken, bleibt es bei einem blossen Aufbäumen. Und so überrascht es mich nicht, wenn die Valoren keine 24 Stunden später bereits wieder den Kopf hängen lassen - ein Déjà-Vu welches sich Firmenchef Philipp Navratil da bietet. Was bleibt ist die Hoffnung, dass der Funke irgendwann dauerhaft auf die Aktienkursentwicklung überspringt.
Selbst die Nachricht, wonach die Strategen der Deutschen Bank die europäischen Nahrungsmittelaktien von «Cautious» auf «Neutral» heraufstufen, bleibt vorerst ungehört. Die Strategen begründen diesen Schritt übrigens damit, dass der Druck auf die Gewinnentwicklung in diesem Wirtschaftszweig ganz offensichtlich nachlässt und die Bewertung im Vergleich zum Gesamtmarkt in unmittelbarer Nähe zu den langjährigen Tiefständen liegt...
Kommen wir auf die UBS zu sprechen. Der norwegische Staatsfonds hält neuerdings weniger als drei Prozent an der grössten Schweizer Bank. Das geht aus einer Meldung an die SIX Swiss Exchange hervor - ebenso wie der Hinweis, dass dem Unterschreiten dieses Schwellenwerts ein Verkauf von Aktien vorausgegangen ist.
Erstmals gaben sich die Skandinavier im Dezember 2014 als bedeutende Aktionäre der Grossbank zu erkennen. Etwas mehr als drei Jahre später reduzierten sie ihren Stimmenanteil dann auf unter drei Prozent – nur um ab Sommer 2019 wieder in den Olymp der bedeutenden Anteilseigner aufzusteigen. Rund um die Rettung der Credit Suisse herum baute der Grossaktionär aus dem hohen Norden sein Paket dann sogar von drei auf fünf Prozent aus.
Keine Frage – der norwegische Staatsfonds zählte bis dahin auch bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken zu den bedeutenderen Aktionären. Da die Anlegerinnen und Anleger bei der Credit Suisse im Zuge der Rettung bloss mit einem «Butterbrot» abgegolten wurden, liegt die Vermutung nahe, dass die Skandinavier damals im grossen Stil UBS-Aktien zugekauft haben müssen.
Von diesem Teilpaket hat man sich nun wieder getrennt – und weil es gerade so schön läuft auch gleich noch von ein paar zusätzlichen Aktien. Die Reduktion der UBS-Beteiligung reiht sich nahtlos in eine Abfolge weiterer Beteiligungsreduktionen ein. Kurz zuvor hatte sich der norwegische Staatsfonds schon beim Pharmazulieferer Lonza, bei der einstigen Holcim-Tochter Amrize, beim Stromzählerhersteller Landis+Gyr, beim Laborausrüster Tecan sowie beim Bauchemiehersteller Sika von Aktien getrennt.
Ich begegnete diesen Beteiligungsreduktionen mit folgenden Worten:
...und weiter...
Wie mir ein geschätzter Leser meiner Kolumne richtigerweise schreibt, dürfte auch der starke Franken dazu beigetragen haben, dass sich der norwegische Staatsfonds bei seinen Aktienanlagen im Zuge eines sogenannten «Rebalancing» von Schweizer Aktienbeständen trennen musste.
Mit Blick auf das jüngste Aktienkursfeuerwerk bei Amrize dürften die Skandinavier ihren Entscheid wohl bitterlich bereuen. Alleine am Mittwoch ging es für die Valoren um satte 13 Prozent nach oben. Stand Freitagmittag zeichnet sich ab, dass der Baumaterialhersteller hierzulande sogar als Gewinner aus der Börsenwoche hervorgehen könnte. Es bleibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Molecular Partners und Medartis.
Zugegeben: Mit einem operativen Jahresgewinn (EBITDA) von gut 3,01 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 11,8 Milliarden Dollar schrammte das Unternehmen im vergangenen Jahr zwar haarscharf an den von Analysten erwarteten 3,02 Milliarden Dollar beziehungsweise 11,9 Milliarden Dollar vorbei.
Punkten kann die einstige Holcim-Tochter jedoch mit den diesjährigen Finanzzielen. Den Aktionärinnen und Aktionären wird ein operativer Gewinn zwischen 3,25 und 3,34 Milliarden Dollar bei einem Jahresumsatz zwischen 12,29 und 12,52 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Darauf abgestützt werden die Analysten ihre Schätzungen vermutlich etwas nach oben nehmen müssen.
Die Amrize-Aktien springen endlich nach oben (Quelle: www.cash.ch)
Mein persönlicher Lichtblick ist die überaus grosszügige Ausschüttungspolitik. Denn obwohl Firmenpatron Jan Jenisch nach dem Kauf der texanischen PB Materials mit weiteren Ergänzungsübernahmen nachlegen dürfte, erhalten die Anteilseigner für 2025 nebst einer regulären Dividende von 0,44 Dollar je Aktie eine einmalige Sonderdividende in selbiger Höhe. Darüber hinaus will das Unternehmen über die nächsten 12 Monate für eine Milliarde Dollar eigene Aktien zurückkaufen.
Amrize bleibt auch weiterhin ein fester Bestandteil meiner Jahresfavoriten für 2026. Nach dem starken Lauf der Aktien der letzten Tage würde ich bei Kursen über 50 Franken vorderhand nicht mehr zukaufen.
Während der Schweizer Aktienmarkt neue Rekorde feiert, befinden sich die Valoren der Partners Group in einem hartnäckigen Stimmungstief. Zugegeben: Die Hiobsbotschaften für Risikokapitalinvestoren wollen momentan schlichtweg nicht abreissen.
Zuerst mal wäre da die Kurslawine in der Softwareindustrie, losgetreten durch Ängste, wonach die rasanten Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz nicht eben wenige dieser Unternehmen obsolet machen könnten. In kaum einem anderen Wirtschaftszweig tummeln sich die Risikokapitalgeber seit Jahren so sehr wie in der Softwareindustrie. Die vergleichsweise geringe Kapitalbindung dieser Unternehmen zog viele Anlagegelder an. Nun drohen Verluste.
Hellhörig machen auch die Probleme des Risikokapitalspezialisten Blue Owl mit einem 1,7 Milliarden-Dollar Vermögensgefäss. Dieses richtet sich an Privatanleger und investiert in private Kredite. Bis auf weiteres sind keine Kapitalrückzüge aus diesem Vermögensgefäss mehr möglich. Folglich geht an der Börse die Angst vor weiteren Verwerfungen im Markt für private Kredite um. Solche Verwerfungen bekämen früher oder später wohl auch andere Risikokapitalspezialisten wie die Partners Group zu spüren.
Am vergangenen Freitag versuchte der für Vontobel tätige Analyst Andreas Venditti die Wogen rund um das Kursdebakel in der Softwareindustrie und mögliche Folgen für den Risikokapitalgeber aus dem steuergünstigen Baar zu glätten. Er bekräftigte dabei sowohl seine Kaufempfehlung als auch das Kursziel von 1300 Franken.
Es ist vermutlich mehr als bloss ein Sturm im Wasserglas, der sich da in Sachen Risikokapitalanlagen für sämtliche Beteiligten zusammenbraut. Ich bleibe jedenfalls am Thema dran. Wer weiss – vielleicht legt sich der Staub bis Freitag ja etwas, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.
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