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Was sich an der New Yorker Börse abspielt, ist schon ziemlich beeindruckend. Gerade einmal elf Handelstage benötigte der breit gefasste S&P 500 Index, um die schmerzhaften Verluste der vorangegangenen Wochen wieder wettzumachen. In den letzten Tagen feierte der Leitindex sogar neue Rekorde. Mittlerweile trennen ihn ziemlich genau zwölf Prozent vom Stand von Ende März – als ob es die Eskalation im Nahen Osten nie gegeben hätte.
Noch beeindruckender ist die jüngste Abfolge neuer Rekorde beim Nasdaq Composite Index. Bis und mit Freitag vergangener Woche wies das besagte Börsenbarometer an 13 aufeinanderfolgenden Handelstagen positive Vorzeichen auf. Für gewöhnlich ist die «Zahl 13» - sofern sie denn auf einen Freitag fällt – kein gutes Omen. Erhebungen der Deutschen Bank zufolge ist dies allerdings die längste Erfolgssträhne seit Anfang 1992 mit einem beachtlichen Plus von knapp 18 Prozent. In der mittlerweile 55-jährigen Geschichte des Nasdaq Composite Index gab es nur gerade bei drei anderen Gelegenheiten noch längere Erfolgssträhnen – nämlich 1985 (16 Tage), 1979 (19 Tage) und 1977 (15 Tage), wie die Ökonomen der deutschen Grossbank vorrechnen.
Anders als die New Yorker Börse konnten die europäischen Aktienmärkte noch nicht wieder zu ihren bisherigen Bestmarken aufschliessen. Den breit gefassten Stoxx Europe 600 Index trennen noch immer gut zwei Prozent vom Rekordhoch von Ende Februar bei 636 Punkten. Beim Swiss Performance Index (SPI) sind es sogar etwas mehr als drei Prozent.
Mit seiner Erfolgsserie schreibt der Nasdaq Composite Index Geschichte (Quelle: www.cash.ch)
Dennoch mahnten die Aktienstrategen der UBS in London um ihren Chefdenker Gerry Fowler erst vor wenigen Tagen an, dass die Aktienkurse zu schnell und zu stark gestiegen seien. Sie sehen den Stoxx Europe 600 Index Ende Dezember bei 630 Punkten stehen.
Am vergangenen Freitag schrieb ich wie folgt zum Thema:
...und weiter...
Klare Worte finden auch Chefstratege Sebastian Rädler und seine Abteilungskollegen von der Bank of America. Sie glauben, dass die Situation im Nahen Osten jederzeit wieder eskalieren kann und die Energiepreise noch eine ganze Weile hoch bleiben dürften – selbst wenn sich Washington mit Teheran einigen sollte. Nicht zuletzt auch deshalb werde die Kaufkraft der Konsumentinnen und Konsumenten weiter nachgeben. Zudem sei vermehrt mit Kreditausfällen zu rechnen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Londoner Strategen der amerikanischen Investmentbank gehen beim Stoxx Europe 600 Index von einem Rücksetzer um mehr als 15 Prozent aus. Die Aktien von konjunkturabhängigen Unternehmen sehen sie sogar noch stärker unter die Räder geraten.
Der Stoxx Europe 600 Index will nicht so, wie die Bank of America gerne hätte (Quelle: www.cash.ch)
An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Strategen der Bank of America – und das nicht nur gefühlt – schon seit Jahren vor einem schmerzhaften Rücksetzer bei europäischen Aktien warnen. Sofern ich mich richtig erinnere, geht eine der ersten Warnungen auf Mitte Oktober 2021 zurück. Damals lag der Stoxx Europe 600 Index gerade einmal bei 475 Punkten und damit weit unter dem momentanen Stand.
In all den Jahren hätten Rädler und seine Abteilungskollegen gleich mehrmals die Gelegenheit gehabt, ihre negative Haltung nach Börsenrücksetzern zu überdenken. Erstmals in der zweiten Hälfte 2022, als Zinsängste die Aktienkurse nach unten zogen, und letztmals erst vor wenigen Wochen, als die Eskalation im Nahen Osten die Kurse purzeln liess.
Noch will ich den Teufel nicht an die Wand malen. Doch auch mir geht die Erholung der vergangenen Wochen etwas zu weit. Mit Blick auf einen möglichen Teuerungsschub und die künftige Unternehmensgewinnentwicklung scheint mir der Raum für Enttäuschungen nicht unerheblich. Vor diesem Hintergrund überrascht mich schon sehr, dass die Risikoprämie für europäische Aktien wieder am unteren Ende der langjährigen Bandbreite angekommen ist. Denn eigentlich müsste die Risikoprämie um einiges höher stehen...
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