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Verrückter Freitag: Eine Umstufungswelle erfasst den Schweizer Aktienmarkt

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Diese Woche: Roche, Zurich und Nestlé im Zentrum von Umstufungen, auf der Suche nach den Gründen für die ABB-Schwäche - Und: Tabubruch eines Analysten beim Überflieger Comet.

23.10.2026   12:02
Von cash Insider
Niederlassung von Zurich Insurance in Frankfurt.

Niederlassung von Zurich Insurance in Frankfurt.

Quelle: cash.ch

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

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Auch in den letzten Tagen stand das Geschehen bei uns am Schweizer Aktienmarkt ganz im Zeichen der Quartalsabschlüsse – wobei hierzulande wie etwa beim Stellenvermittler Adecco selbst die Zahlenkränze ausländischer Branchennachbarn für viel Bewegung sorgten.

Uns Wirtschaftsjournalisten und Börsenkolumnisten hielt insbesondere die Zahlenflut vom Donnerstag ganz schön auf Trab. Denn neben den beiden Schwergewichten Roche und Nestlé warteten an diesem Morgen weitere Grossunternehmen wie Galderma, Kühne+Nagel oder Schindler mit Informationen zur Geschäftsentwicklung auf. Aus der zweiten und dritten Reihe meldeten sich zudem Bystronic, Ems-Chemie und Galenica zu Wort.

Gerade die Neunmonatsumsatzzahlen von Nestlé wurden in hiesigen Börsenkreisen mit Spannung erwartet – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Aktien des Nahrungsmittelmultis aus Vevey in den vergangenen Wochen einen ziemlich guten Lauf hatten.

Und tatsächlich kann sich die Umsatzentwicklung durchaus sehen lassen. Das organische Wachstum beschleunigte sich in den Monaten Juli bis September auf 4 Prozent und übertraf die bei 3,4 Prozent liegenden Erwartungen der Analysten klar. Mein persönlicher Lichtblick ist das Mengenwachstum. Dieses belebte sich auf zuletzt 2,8 Prozent nach 1,5 Prozent in der ersten Hälfte dieses Jahres.

Dass die Nestlé-Aktien ihre frühen Kursgewinne gestern, Donnerstag, nicht weiter ausbauen konnten und teilweise sogar wieder abgeben mussten, hat meines Erachtens gleich zwei Gründe: Zum einen wäre da – wie bereits erwähnt – die starke Kursbilanz unmittelbar vor der Umsatzveröffentlichung. Und zum anderen war das besser als erwartet ausgefallene Mengenwachstum zumindest teilweise ausgerechnet dem Wassergeschäft geschuldet – dem heissen Sommer sei Dank. Dieser Geschäftszweig soll ja bekanntlich in ein Joint-Venture mit dem Finanzinvestor Platinum Equity eingebracht werden.

Kursentwicklung der Nestlé-Aktien in den letzten Wochen (Quelle: www.cash.ch)

Die Wachstumsbelebung, ausgehend von einem beschleunigten Mengenabsatz, trägt zweifelsohne die Handschrift von Firmenchef Philipp Navratil. Dass man sich in Vevey trotz des starken dritten Quartals nicht auf ein organisches Wachstum am oberen Ende der diesjährigen Zielbandbreite von 3 bis 4 Prozent festlegen will, zeugt von Weitsicht. Wenn ich in meinen gut drei Jahrzehnten an der Börse nämlich eines gelernt habe, dann dass die Glaubwürdigkeit eines Firmenchefs ein nicht zu unterschätzendes Aktivum darstellt.

Navratil macht übrigens auch bei der Kommunikation vieles besser als seine eher glücklosen Vorgänger. Ich bin mir deshalb ziemlich sicher, dass das früher oder später auch an der Börse entsprechend gewürdigt und mit steigenden Aktienkursen belohnt wird.

In den Büroräumen der Bank of America in London klingt das allerdings anders, stuft der für die Grossbank tätige Analyst Nicolas Ceron die Valoren doch mit einem Kursziel von 88 (zuvor 94) Franken von «Buy» auf «Neutral» herunter. Seines Erachtens dürfte es dem Nahrungsmittelmulti künftig schwerer fallen, Preiserhöhungen durchsetzen zu können. Zudem verweist er auf die künftig hohe Vergleichsbasis aus dem Vorjahr im amerikanischen Geschäft mit Tiernahrung. Ceron stösst sich vor allem aber am Bewertungsaufschlag von 25 Prozent von Nestlé gegenüber Danone, obwohl die französische Erzrivalin über ein besseres Wachstumsprofil verfügt.

Es ist eine von mehreren Umstufungen, welche am heutigen Freitag über den Schweizer Aktienmarkt hereinbrechen. Für Gesprächsstoff sorgt in hiesigen Börsenkreisen insbesondere die Heraufstufung der Partizipationsscheine von Roche von «Hold» auf «Buy» durch die Deutsche Bank. Pharmaanalyst Emmanuel Papadakis will es wissen und veranschlagt neuerdings ein Kursziel von nicht weniger als 500 (zuvor 340) Franken. Es ist die mit Abstand höchste mir bekannte Kursprognose eines Analysten für diese Papiere.

Papadakis räumt ein, dass der Zeitpunkt der Heraufstufung alles andere als ideal sei und er bei der Pharma- und Diagnostikgruppe aus Basel eher spät auf den Zug aufspringt. Dennoch sieht er im kommerziellen Potenzial des Brustkrebsmittels Giredestrant und in den eher verhaltenen Erwartungen an den MS-Wirkstoff Fenebrutinib zwei mögliche Kurstreiber.

Diese späte Erkenntnis des Analysten könnte erklären, weshalb der Kurs der Partizipationsscheine von Roche trotz Kaufempfehlung heute, Freitag, nachgibt.

Gleich zwei Heraufstufungen treffen aus den Büroräumen der UBS ein. Beim Automationsspezialisten Belimo passt Chefanalyst Sebastian Vogel sein Anlageurteil von «Neutral» auf «Buy» an und verleiht seiner neu gewonnenen Zuversicht mit einer Erhöhung des Zwölf-Monats-Kursziels auf 900 (zuvor 827) Franken Nachdruck. In Erwartung eines stark wachsenden Zuliefergeschäfts für Datencenter liegen die überarbeiteten Gewinnschätzungen Vogels um mehr als zehn Prozent über den durchschnittlichen Annahmen seiner Berufskollegen bei anderen Banken.

Der Londoner UBS-Analyst Will Hardcastle kassiert seinerseits die Verkaufsempfehlung für die dividendenstarken Aktien von Zurich Insurance. Er stuft diese im Zuge einer Wiederabdeckung mit «Neutral» und einem Zwölf-Monats-Kursziel von 620 (zuvor 520) Franken ein.

Die Verkaufsempfehlung geht übrigens auf Mitte Dezember 2024 zurück, als noch Kurse um die 538 Franken bezahlt wurden. Mittlerweile kosten diese fast 100 Franken mehr, die Dividendenabgänge noch nicht mit aufgerechnet. Hardcastle will verstanden wissen, dass sein Anlageurteil relativer Natur ist. Sprich: Er gab und gibt anderen europäischen Versicherungsvaloren den Vorzug.

Es gibt noch weitere Umstufungen zu verzeichnen, etwa jene von «Marktgewichten» auf «Untergewichten» bei einem Kursziel von 725 (zuvor 675) Franken durch Analyst Hans Peter Schmidlin von der Basler Kantonalbank. Wie so oft während der Unternehmensberichterstattung ist ganz schön was los. More to come, würden unsere amerikanischen Freunde im Hinblick auf die kommende Woche da wohl erwidern.

Eine rabenschwarze Woche erwischten die Aktionärinnen und Aktionäre von ABB. Trotz einem ansprechenden Zahlenkranz für das dritte Quartal und randvollen Auftragsbüchern führen die Valoren des schweizerisch-schwedischen Industrie-Urgesteins bei den Grossunternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) die Liste der Wochenverlierer an.

Schlimmer noch: Mit einem Kursplus von nurmehr 21 Prozent seit Januar stiegen sie auf der diesjährigen SMI-Rangliste vom ersten auf den dritten Platz ab – ganz zur Freude von Sandoz (+36 Prozent) und Givaudan (+26 Prozent). Von unten lauern nun Roche (+19 Prozent) und Lonza (+16 Prozent).

Die Gründe für den kursseitigen Durchhänger bei ABB sind vielschichtig. So lag etwa der operative Gewinn (EBITA) im dritten Quartal mit 2,03 Milliarden Dollar nur unwesentlich über den durchschnittlich von Analysten erwarteten 2 Milliarden Dollar, obwohl das Industrie-Urgestein die Markterwartungen in den vorangegangenen Quartalen jeweils deutlicher zu übertreffen wusste. Ausserdem wurde die Erhöhung der diesjährigen Finanzziele in Analystenkreisen bereits antizipiert und in den Schätzungen berücksichtigt.

Die Aktien von ABB fallen auf der SMI-Rangliste zurück (Quelle: www.cash.ch)

Es gibt aber auch Gründe, welche nicht direkt mit dem Unternehmen selber zu tun haben. Dazu zählt etwa ein kritischer Kommentar aus der Feder des Barclays-Analysten George Featherstone zu den hiesigen Profiteuren des Datencenter-Booms. Er sieht in der jüngeren Vereinbarung zwischen Anthropic und Nscale einen möglichen «Game-Changer» und befürchtet, dass die goldenen Zeiten für die Zulieferer bald der Vergangenheit angehören könnten.

Für eine weitere kalte Dusche sorgte von Mittwoch auf Donnerstag Lam Research. Der amerikanische Halbleiterausrüster räumte ein, dass er mit Lieferproblemen zu kämpfen habe. In der Folge gerieten die Aktien von Branchennachbarn erneut unter Verkaufsdruck – darunter auch jene von ABB.

Im Wissen, dass das Industrie-Urgestein Aufträge im Umfang von mehr als 16 Milliarden Dollar in den Büchern hält, brauchen sich die Aktionärinnen und Aktionäre mit Blick auf die beiden kommenden Jahre keine schlaflosen Nächte zu machen.

Kommen wir an dieser Stelle noch auf Comet zu sprechen. Seit Dienstag wissen wir, dass der Aufschwung in der Halbleiterindustrie im dritten Quartal endlich beim Flamatter Unternehmen angekommen ist. Alleine zwischen Anfang Juli und Ende September gingen Aufträge im Umfang von nicht weniger als 276 Millionen Franken bei ihm ein. Bei einem Quartalsumsatz von 156 Millionen Franken ist das eine ganze Menge.

Da überrascht es mich nicht, wenn die diesjährigen Finanzziele nach oben angepasst werden. Neuerdings strebt der Halbleiterausrüster eine operative Gewinnmarge (EBITDA) zwischen 17 und 19 Prozent (zuvor 14 bis 17 Prozent) bei einem Jahresumsatz zwischen 570 und 590 Millionen Franken (zuvor 540 bis 570 Millionen Franken) an.

Aus Analystenkreisen liessen die Kurszielerhöhungen denn auch nicht lange auf sich warten. Die Bank of America etwa erhöhte ihr Kursziel auf 568 (zuvor 536) Franken mit «Buy», die UBS auf 510 (zuvor 490) Franken ebenfalls mit «Buy» und Oddo sogar auf 640 (zuvor 600) Franken mit «Outperform».

Nur gerade der für Research Partners tätige Analyst Reto Huber überarbeitete sein Kursziel unter negativen Vorzeichen. Er stuft die Valoren mit «Halten» und einem Kursziel von 334 (zuvor 384) Franken ein. Dem neuen Kursziel liegen zwar um bis zu 26 Prozent höhere Gewinnerwartungen zugrunde. Allerdings stützt sich Huber künftig auf ein reines Discounted-Cashflow-Modell ab.

Diese Umstellung ergibt für mich durchaus Sinn. Denn obschon sich die Halbleiterindustrie in einem Super-Zyklus befindet, gibt es nicht auch nur ansatzweise einen launischeren Wirtschaftszweig. Sprich: Es wäre deshalb verwegen, das zuletzt hohe Wachstumstempo einfach so mir-nichts-dir-nichts in die Zukunft zu extrapolieren. Und der Discounted-Cashflow-Ansatz des Research-Partners-Analysten trägt eben diesem Umstand Rechnung.

Nächste Woche nimmt die Quartalsberichterstattung erst richtig Fahrt auf. Ich zähle nicht weniger als 20 Abschlüsse, darunter so hochkarätige wie jene von Novartis, der UBS, Sandoz und Amrize. Es verspricht also spannend zu werden. Mehr zum einen oder anderen Zahlenkranz am kommenden Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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