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Kürzlich berichtete ich davon, dass der Börsenwert von Meyer Burger auf weniger als eine Milliarde Dollar geschmolzen ist. Dasselbe Schicksal ereilt nun auch AMS Osram. Zur Erinnerung: Keine vier Jahren ist es her, dass sich der Sensorenhersteller aus dem österreichischen Unterpremstätten die ungleich grössere Osram anlachte. Umgerechnet etwas mehr als 4 Milliarden Dollar blätterte man damals unter Firmenchef Alexander Everke für die ehemalige Siemens-Tochter hin. Nein, Aktionärswerte hat man mit der Übernahme rückblickend wirklich nicht geschaffen...

Gerade bei amerikanischen Grossinvestoren gilt die Eine-Milliarde-Dollar-Marke als eine feste Grösse. Nicht eben wenigen unter ihnen ist es gar nicht erlaubt, in Aktien von Unternehmen zu investieren, welche an der Börse weniger als eine Milliarde Dollar auf die Waage bringen. Und fällt der Börsenwert eines Unternehmens unter diese Marke, müssen sich besagte Grossinvestoren zwingend von dessen Valoren trennen – was den betroffenen Valoren meist einen weiteren Kursrutsch beschert.

Ob sich das kurze Gastspiel der Deutschen Bank im Grossaktionariat von AMS Osram mit dieser Gepflogenheit erklären lässt, ist nicht bekannt. Vor etwas mehr als einer Woche gab sich die Grossbank gegenüber der SIX Swiss Exchange wieder als bedeutende Aktionärin mit gut fünf Prozent der Stimmen zu erkennen.

Was man damals noch niemand ahnte: Seit den letzten Freitag ist bekannt, dass die Beteiligung auf unter drei Prozent ausgedünnt wurde.

Interessant ist, dass die Deutsche Bank indirekt über die Fondstochter DWS am Sensorenhersteller beteiligt war. Dieser Hinweis in der Offenlegungsmeldung spricht eher gegen meinen ersten Eindruck, wonach die Grossbank das Aktienpaket von einem Kunden übernommen haben könnte, um dieses anschliessend interessewahrend am Markt zu platzieren.

Kurszerfall bei den Aktien von AMS Osram seit Januar (Quelle: www.cash.ch)

Langjährige Leserinnen und Leser meiner Kolumne werden sich erinnern, dass ich der milliardenschweren Osram-Übernahme stets skeptisch gegenübergestanden habe. Ich vermutete dahinter einst sogar eine "Verzweiflungstat" des damaligen Firmenchefs Alexander Everke im Hinblick auf wegfallendes Auftragsvolumen beim Grosskunden Apple. Rückblickend lag ich damit wohl gar nicht mal so falsch. Die Zeche zahlen nun die Aktionärinnen und Aktionäre – in Form der gefühlt x-ten Kapitalerhöhung.

Auf dem Weg zur geplanten Kapitalerhöhung wird der Sensorenhersteller morgen Dienstag den Zahlenkranz für das dritte Quartal sowie einen Ausblick fürs Schlussquartal kommunizieren. Analysten gehen fürs zurückliegende Quartal von einem Umsatzeinbruch um 27 Prozent auf 890 Millionen Euro aus. Um einmalige Faktoren bereinigt sollte unter dem Strich ein operativer Gewinn von 60 Millionen Euro beim Unternehmen hängengeblieben sein. Damit bewegen sich diese Schätzungen im Rahmen der firmeneigenen Quartalsvorgaben.

Wichtiger als der Blick in den Rückspiegel dürften an diesem Tag jedoch die Aussagen zum Schlussquartal sein. Entsprechende Analystenschätzungen liegen bei einem operativen Gewinn (EBIT) von 62 Millionen Euro bei einem Umsatz von 921 Millionen Euro.

Vorsichtige Aussagen anderer Rivalen wie etwa STMicroelectronics lassen aufhorchen. Ich wäre jedenfalls nicht überrascht, wenn es bei den Aktien von AMS Osram zahlenbedingt zu grösseren Kursbewegungen kommen würde. Auch die geplante Kapitalerhöhung sowie die üppigen Wetten der Leerverkäufer bieten solchen einen geradezu idealen Nährboden...

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War die Credit Suisse vergangenen Mittwoch am Schweizer Aktienmarkt noch mit vier taktischen Kaufempfehlungen im Rennen, sind es neuerdings nur noch deren drei. Bei den Aktien der einstigen ABB-Tochter Accelleron wurde die Grossbank rückblickend etwas unglücklich auf ihrer Empfehlung ausgestoppt. Nachdem die Valoren des gefeierten Börsendebütanten bei 22,50 Franken unter den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gefallen waren, löste dies eine kleinere Kurslawine los. Und schon wars passiert.

Kursentwicklung der Aktien von Accelleron über die letzten vier Wochen (Quelle: www.cash.ch)

Bei der Credit-Suisse-Mutter UBS preist der hauseigene Analyst Sebastian Vogel die Aktien von Accelleron allerdings wie bis anhin mit einem 12-Monats-Kursziel von 28 Franken zum Kauf an.

Bleibt mir nichts weiter als zu hoffen, dass der Credit Suisse die verbleibenden taktischen Kaufempfehlungen für die Valoren von ABB, Richemont und der VAT Group mehr Erfolg bescheren.

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