Lonza, Sika und Co. - Diese sieben Schweizer Aktien sind nicht zu bremsen

Der cash Insider sagt, welche sieben Aktien aus dem Swiss Leaders Index schon seit Wochen von einem Kursrekord zum nächsten eilen und nennt die Gründe für die beispiellose Rekordjagd.
18.10.2017 12:30
cash Insider
Diese sieben Schweizer Aktien sind nicht zu bremsen
Bild: fotolia.com

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"Die Flut hebt alle Boote", so lautet eine gängige Börsenweisheit. Allerdings ist das Handelsgeschehen am Schweizer Aktienmarkt im achten Jahr der Aufwärtsbewegung spürbar selektiver geworden.

Aus dem Swiss Market Index (SMI) schrieben in den letzten Tagen gerade mal noch vier der 20 Indexkomponenten neue Kursrekorde.

Hinter den Aktien von Givaudan erweist sich noch immer das überraschend starke Abschneiden im dritten Quartal als treibende Kraft. Wie gestern vor einer Woche bekannt wurde, legte der Aromen- und Riechstoffhersteller aus Genf bei der organischen Umsatzentwicklung wieder einen Zacken zu - zur Freude seiner Aktionäre.

Die Givaudan-Aktien schrieben im Zuge starker Quartalszahlen neue Kursrekorde (Quelle: www.cash.ch).

Als trendverstärkend erweisen sich zudem Spekulationen, wonach die Bill & Melinda Gates Stiftung, mit 14 Prozent der Stimmen ihres Zeichens bedeutendster Investor, das an Givaudan gehaltene Paket weiter auszubauen gedenke.

Bei Julius Bär rief der Höhenflug jüngst sogar die Analysten der Citigroup auf den Plan. Obschon sie mit einem weiteren Zufluss an Kundengelder rechnen, trauen sie den Aktien der Traditionsbank aus Zürich bestenfalls noch einen Vorstoss auf 62 Franken zu. Zu einer Kaufempfehlung können sich die Analysten deshalb nicht mehr durchringen.

Für die Lonza Group zahlte sich die Öffentlichkeitsarbeit aus. Während mehreren Wochen präsentierten die Firmenvertreter sich und ihr Unternehmen interessierten Investoren.

Die milliardenschwere Übernahme von Capsugel gilt rückblickend als günstige Fügung. Verstummt ist die Kritik, der Auftragsfertiger aus Basel habe sich bloss für viel Geld Umsätze zugekauft.

Dass in der Medikamentenherstellung immer öfter auch mächtige Technologiekonzerne wie Samsung oder Google mitmischen - und das erst noch erfolgreich - scheint die Anleger nicht weiter zu beunruhigen (siehe Kolumne vom 11. Oktober).

Dasselbe gilt für die gestrige Gewinnwarnung seitens des Rivalen Sartorius. Die Abnehmer würden vermehrt von ihren Lagerbeständen zehren, so liess der Auftragsfertiger seine Aktionäre wissen.

Auf einer Einbahnstrasse nach oben befinden sich auch die Aktien von Sika. Im Hinblick auf die Quartalsergebnispräsentation vom Donnerstag in einer Woche wird dem Baustoffhersteller in Analystenkreisen ein starker Zahlenkranz nachgesagt. Bei Kepler Cheuvreux traut man Sika nächste Woche sogar eine Erhöhung der diesjährigen Wachstumsvorgaben zu.

Bei den im Swiss Leaders Index (SLI) vertretenen Valoren - 30 an deren Zahl - befinden sich drei weitere auf Rekordkurs.

Keine Anlegerwünsche offen lässt insbesondere die Partners Group. Dank dem Renditedruck institutioneller Investoren kalbert dem Spezialisten für Risikokapitalanlagen auf gut Berndeutsch der "Schyterstock".

Ob es gesund ist, wenn Analysten das Ertragswachstum der letzten Jahre linear in die Zukunft projizieren, darüber lässt sich im Guten streiten. Dass bei der Partners Group in der Vergangenheit vieles richtig gemacht wurde, bleibt indes unbestritten.

Der Hörgerätehersteller Sonova lud gestern zum diesjährigen Investorentag ein. Tags zuvor erklommen die Aktien des Weltmarktführers neue Bestmarken.

Wer im Dezember Aktien von Sonova kaufte, konnte viel Geld verdienen (Quelle: www.cash.ch).

Mit Arnd Kaldowski tritt ein ehemaliger Danaher-Mann die Nachfolge von Konzernchef Lukas Braunschweiler an. Vermutlich werden gerade deshalb immer wieder Spekulationen wach, wonach sich der amerikanische Mischkonzern nach dem Dentalimplantatehersteller Nobel Biocare auch Sonova einverleiben könnte (siehe Kolumne vom 5. September).

Auf den Produktzyklus abgestützt ist beim Weltmarktführer vermutlich erst in gut einem Jahr wieder mit einem Wachstumsschub zu rechnen. Man muss deshalb schon von etwas gar frühen Vorschusslorbeeren sprechen.

Als Dritter im Bunde der SLI-Vertreter schreibt Schindler seit Wochen wieder Kursrekorde. Der Zentralschweizer Hersteller von Aufzügen und Rolltreppen werde bei den Margen früher oder später zur Konkurrenz aufschliessen, so lautet der Tenor.

Erste Anhaltspunkte versprechen diesbezüglich die für nächsten Dienstag angekündigten Quartalszahlen. Nach mehreren - wenn auch nur leichten - Ergebnisenttäuschungen muss Schindler dringend liefern. Ansonsten drohen Gewinnmitnahmen.

Etwas haben die genannten "Gipfelstürmer" übrigens gemeinsam: Sie alle durchlebten in den letzten Jahren eine grundlegende Neubeurteilung und -bewertung. Bei sämtlichen sieben Unternehmen liegt die Aktienbewertung auf dem höchsten Stand in der traditionsreichen Firmengeschichte. Ob zu recht oder zu unrecht, das werden die kommenden Wochen und Monate zeigen...

Fakt ist: Auch bei Qualitätsunternehmen ist die Börse selten eine Einbahnstrasse nach oben. Vermutlich werden die sieben Aktien irgendwann wieder günstiger zu haben sein.
 

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