Wie bei UBS, Straumann & Co. - Wo bedeutende Aktionäre als nächstes Kasse machen könnten

In den vergangenen Tagen trennten sich bei Straumann, UBS und Temenos grosse Anteilseigner von Aktien. Der cash Insider verrät, welchen Unternehmen aus der Schweiz dasselbe Schicksal drohen könnte.
22.05.2017 12:30
cash Insider
Wo bedeutende Aktionäre als nächstes Kasse machen könnten
Bild: fotolia.com

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Einst hatten hiesige Pensionskassen und Versicherungen am Schweizer Aktienmarkt das Sagen. Doch das war einmal. Heute entscheiden ausländische Grossinvestoren, ob der Kurs einer Aktie nun steigt oder fällt. Leider sind diese mächtigen Marktakteure ihren Widersachern aus der Schweiz einen entscheidenden Schritt voraus. Nicht selten kennen London oder New York unser Zürich besser als es sich selbst.

Zu erkennen geben müssen sich ausländische Grossinvestoren nur, wenn ihre Firmenbeteiligung einen der gesetzlich festgelegten Schwellenwerte verletzt. Denn dann ist das jeweilige Unternehmen zu einer Offenlegungsmeldung an die Börsenbetreiberin SIX gezwungen. Nicht selten verstreichen bis zu sieben Tage, bis die Öffentlichkeit davon Kenntnis hat. Besser spät als nie, so lautet hier die Devise.

Während der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) in den letzten Wochen von einem Rekordhoch zum nächsten eilte, verabschiedeten sich bei uns namhafte ausländische Grossinvestoren durch die Hintertür. Ganz so still und leise ging es allerdings nicht. Dass die beiden mächtigen Staatsfonds Temasek und GIC ihre am Detailhandelskonzern Dufry gehaltenen Aktienpakete dem chinesischen Mischkonzern HNA weiterverkauften, warf in der hiesigen Presse hohe Wellen. Dasselbe gilt für die überraschende Beteiligungsnahme durch den Genfer Luxusgüterkonzern Richemont (siehe Artikel vom Freitag).

Vergangene Woche wurde GIC zum Wiederholungstäter, als der Singapurer Staatsfonds seine Beteiligung an der Grossbank UBS über ein beschleunigtes Buchbildungsverfahren reduzierte und beim Dentalimplantatehersteller Straumann gar ganz ausstieg (siehe Artikel vom 17. Mai).

Kaum für Gesprächsstoff sorgte hingegen der Rückzug von George Loening beim traditionsreichen Marktentwickler DKSH sowie bei der Genfer Softwareschmiede Temenos. Mit einem Stimmenanteil von weniger als 3 Prozent bewegt sich der amerikanische Vermögensverwalter nun in beiden Fällen unter der Radargrenze der Öffentlichkeit.

Diese Häufung von Beteiligungsreduktionen macht stutzig, dürfte es sich hierbei doch um mehr als einen blossen Zufall handeln. Es gibt bei uns in der Schweiz zahlreiche Unternehmen mit bekannten Finanzinvestoren im Aktionariat. Gut möglich, dass das eine oder andere dieser Unternehmen dasselbe Schicksal ereilt wie die UBS oder Straumann.

Da wäre einmal Panalpina. Der Luftfrachtspezialisten aus Basel befindet sich in einem Turnaroundprozess - und das schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Seit Jahren reiht sich eine Ergebnisenttäuschung an die nächste. Das brachte ihm den Ruf der "ewigwährenden Baustelle" ein.

Erhielten zuletzt Vorschusslorbeeren: die Aktien von Panalpina (Quelle: www.cash.ch)

Mit Cevian Capital, die Skandinavier halten 12,3 Prozent der Stimmen, und den mit gut 10 Prozent beteiligten Artisan Partners sitzen zwei bekannte Risikokapitalgeber im Aktionariat von Panalpina. Die Frage ist, wie lange diese beiden Grossaktionäre dem Trauerspiel am Rheinknie noch tatenlos zusehen. Gut möglich, dass einem von beiden irgendwann der Geduldsfaden reisst und er sich von seinem Aktienpaket trennt.

Auch die Credit Suisse stellt die Aktionäre schon seit Jahren auf eine harte Probe. In den nächsten Tagen klopft die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken einmal mehr für frisches Geld an. Der ursprüngliche Plan eines teilweisen Börsengangs der Universalbank Schweiz musste einer 4 Milliarden Franken schweren Bezugsrechtsemission weichen.

Ein Ausstieg der beiden Schlüsselaktionäre Olayan und Katar gilt zwar als unwahrscheinlich, halten beide doch Teile der Beteiligung über grosszügig verzinsten Pflichtwandelanleihen (siehe Kolumne vom 16. Mai). Der kürzliche Rückzug des bekannten Substanzinvestors Dodge & Cox zeigt allerdings, dass auch im Aktionariat der Credit Suisse nichts in Stein gemeisselt ist.

Von einem beeindruckenden Börsendebüt darf bei der SFS Group gesprochen werden. Im Mai 2014 zu 64 Franken im Publikum platziert, gelten die Aktien des Herstellers von Präzisionsformteilen heute fast das Doppelte. Für die aus den Gründerfamilien Huber und Stadler/Tschan zusammengesetzte Aktionärsgruppe - sie hält rund 55 Prozent der Stimmen - ist inzwischen die Verlockung gross, sich von weiteren Teilen des Aktienpakets zu trennen.

Noch besser gelaufen sind die Aktien des Überfliegers AMS. Alleine seit Jahresbeginn hat sich der Börsenwert des Sensorenherstellers aus Unterpremstätten mehr als verdoppelt. Das freut vermutlich auch die Altaktionäre des im letzten Jahr übernommenen Rivalen Heptagon. Im Zuge des Unternehmensverkaufs an AMS sind Granite Global Ventures und Temasek mit 19,7 Prozent zum wichtigsten Anteilseigner aufgestiegen. Pikant: Erst vor wenigen Wochen verkaufte Temasek das am Detailhandelskonzern Dufry gehaltene Aktienpaket an den chinesischen Mischkonzern HNA. Vor wenigen Tagen hiess es dann, die chinesische Tsinghua Unigroup könnte die ehemaligen Heptagon-Aktionäre auskaufen (siehe Artikel vom 16. Mai).

Die AMS-Aktien bieten sich nach dem jüngsten Höhenflug geradezu für eine Beteiligungsreduktion an (Quelle: www.cash.ch)

Mit seinem Ausstieg bei Mobilezone sorgte Martin Ebner kürzlich für erstaunte Gesichter. Über die Beteiligungsgesellschaft Patinex und die BZ Bank ist der früher als "der Mann mit Fliege" bekannte Financier auch bei Temenos eine grosse Nummer. Nachdem sich der Aktienkurs der Genfer Softwareschmiede in den vergangenen fünf Jahren fast verneunfacht hat, könnte Ebner versucht sein, seine Beteiligung zu reduzieren. Als Verkäufer müsste er sich gemäss Börsengesetz erst unter dem nächsten meldepflichtigen Schwellenwert von 10 Prozent zu erkennen geben.

Der Financier gilt als treibende Kraft hinter der kürzlich vollzogenen Aufspaltung des Berner Gesundheitskonzerns Galenica in Vifor Pharma und Galenica Santé. Neben Ebner - er hält knapp 20,4 Prozent an Vifor - ist auch der Immobilier Remo Stoffel mit 8,5 Prozent namhaft am Pharmahersteller beteiligt.

Die Aufspaltung mittels eines Börsengangs von Galenica Santé erwies sich für die beiden Galenica-Aktionäre nicht im erhofften Ausmass als wertvermehrend. Händler schliessen deshalb einen Verkauf der an Vifor Pharma gehaltenen Aktienpakete ins Ausland nicht aus - sofern der Preis stimmt.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass es in den kommenden Wochen und Monaten bei einigen der genannten Unternehmen zu Rochaden im Aktionariat kommt. Ob der Aktienkursentwicklung förderlich wie bei Dufry (HNA löst Temasek und GIC ab und kauft weiter zu) oder doch eher hinderlich wie bei UBS und Straumann (Aktien werden zu tieferen Kursen im Publikum platziert), das wird sich zeigen müssen.

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