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Graben Mega-IPO wie SpaceX oder OpenAI auch dem Schweizer Aktienmarkt das Wasser ab?

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Unter den Jahresfavoriten des cash Insider findet sich nur noch ein Sorgenkind. Und: Die IPO von SpaceX, Anthropic und OpenAI könnten zu einer Verschiebung tektonischen Ausmasses führen.

aktualisiert um 12:00
Von cash Insider
ChatGPT ist der Prototyp eines Chatbots der Firma Open AI.

ChatGPT ist der Prototyp eines Chatbots der Firma Open AI.

Quelle: imago images / NurPhoto

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

+++

Vor gut vier Wochen zeigte ich mich sichtlich beeindruckt von der Rekordjagd an der New Yorker Börse. Ich schrieb, dass der April in diesem Jahr in vielerlei Hinsicht als ein «Börsenmonat der Superlativen» in die Geschichtsbücher eingehen werde – wobei sich diese Superlative leider auf die New Yorker Börse beschränkten.

Kurz zuvor hatte der dortige Leitindex S&P 500 gerade einmal elf Handelstage gebraucht, um die schmerzhaften Verluste der vorangegangenen Wochen wieder wettzumachen. Sogar noch beeindruckender war die Abfolge neuer Rekorde beim Nasdaq Composite Index. An nicht weniger als 13 aufeinanderfolgenden Handelstagen wies das Technologiebarometer damals positive Vorzeichen auf.

Erhebungen der Deutschen Bank zufolge ist dies die längste Erfolgssträhne seit Anfang 1992 mit einem beachtlichen Plus von knapp 18 Prozent. In der mittlerweile 55-jährigen Geschichte des Nasdaq Composite Index gab es nur bei drei anderen Gelegenheiten noch längere Erfolgssträhnen – nämlich 1985 mit 16 positiven Tagen, 1979 mit 19 Tagen und 1977 mit immerhin noch positiven 15 Tagen in Folge.

Treibende Kraft hinter der Erfolgsserie von vor vier Wochen waren übrigens die Halbleiteraktien, reihten sich beim Philadelphia Semiconductor Index doch sogar 17 aufeinanderfolgende Handelstage mit positivem Vorzeichen aneinander. Das wiederum stellt selbst die Erfolgssträhne von 2014 in den Schatten, als das Branchenbarometer an 15 aufeinanderfolgenden Handelstagen Gewinne verbuchen konnte.

Während meiner zweiwöchigen Ferien auf Zypern konnte die New Yorker Börse nahtlos an diese Rekorde anknüpfen. Von den Jahrestiefstständen von Ende März aus betrachtet konnte der S&P 500 Index um genau 20 Prozent und der Nasdaq Composite Index sogar um mehr als 30 Prozent zulegen.

Bilanz der Aktienfavoriten der letzten Jahre

Jahr Aktienfavoriten** SPI
2013 +40,1 Prozent +23,9 Prozent
2014 +11,4 Prozent +15,2 Prozent
2015 +  4,1 Prozent +  2,4 Prozent
2016 -   3,7 Prozent -   1,7 Prozent
2017 +23,6 Prozent +20,1 Prozent
2018 - 19,1 Prozent -   8,8 Prozent
2019 +25,4 Prozent +30,6 Prozent
2020 +  9,8 Prozent +  3,1 Prozent
2021 +10,0 Prozent +23,4 Prozent
2022 - 17,2 Prozent - 16,5 Prozent
2023 +  3,9 Prozent +  6,0 Prozent
2024 +  7,6 Prozent +  7,6 Prozent
2025 +22,8 Prozent +17,8 Prozent
2026* +  2,9 Prozent +  5,2 Prozent

* Schlusskurse vom 29. Mai 2026
** Entwicklung vor anfallenden Kosten und unter zeitnaher Wiederanlage der Nettodividende

Zeigte ich mich vor vier Wochen noch beeindruckt, bin ich zusehends besorgt. So werden die jüngsten Rekorde beim S&P 500 Index gerade noch von 21 Einzelaktien getragen. Das sind in etwa gleich wenige wie kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase, was nicht eben ein Zeichen der Stärke ist.

Ausserdem nimmt es selten ein gutes Ende, wenn die Aktienkurse – wie zuletzt etwa bei Micron Technologies oder Marvell Technology – exponentiell nach oben schiessen. Gestern Dienstag reichten bei Marvell alleine schon Worte von Nvidia-Chef Jensen Huang aus, um ein Kursfeuerwerk zu zünden. Die Aktien gingen um mehr als 30 Prozent höher aus dem Handel. Das wiederum zeigt, wie aufgeheizt die Stimmung unter den Marktakteuren mittlerweile ist.

Eine Bewährungsprobe steht den Aktienmärkten auch mit Blick auf die vielen namhaften Börsengänge an. Als nächstes will sich das Raumfahrtunternehmen SpaceX dem Publikum öffnen. In einem ersten Schritt sollen Aktien im Umfang von 75 bis 80 Milliarden Dollar bei Investoren platziert werden.

Im Vorfeld des vermutlich grössten Börsengangs in der Geschichte – die Rede ist von einer Bewertung des Raumfahrtunternehmens von bis zu 2000 Milliarden Dollar – wurden gleich mehrere Vorschriften gelockert, um eine rasche Indexaufnahme zu ermöglichen. So etwa die Vorschrift, dass eine Aktie erst dann in den Leitindex S&P 500 aufgenommen wird, wenn sie zuvor mindestens während 12 Monaten an der Börse gehandelt wurde und die Firma seit dem Jahr 2002 auf Basis der GAAP-Buchführungsvorschriften während mindestens vier Quartalen schwarze Zahlen schrieb. Sprich: Man biegt sich die Voraussetzungen schön zurecht.

Schätzungen zufolge werden alleine schon die indexorientierten Marktteilnehmer mehr als 40 Prozent der angebotenen SpaceX-Aktien aufkaufen müssen. Sprich: Es wird eine künstliche Nachfrage geschaffen.

Sollte der Börsengang von SpaceX ein Erfolg werden, stehen die nächsten Kandidaten für eine Publikumsöffnung schon ungeduldig an. OpenAI drängt für die zweite Jahreshälfte an die Börse, der Gegenspieler Anthropic vermutlich sogar noch früher. OpenAI könnte gemäss Experten mit bis zu 1000 Milliarden Dollar und Anthropic immerhin mit bis zu 900 Milliarden Dollar bewertet werden.

Man braucht kein alteingesessener Börsenprofi zu sein, um erahnen zu können, dass indexorientierte Marktakteure sich von anderen Aktienpositionen trennen müssen, um sich bei eben diesen Unternehmen einzukaufen. Lange Rede, kurzer Sinn: Die anstehenden Mamut-Börsengänge könnten kurzerhand anderen Aktien das Wasser abgraben und für fallende Kurse sorgen.

Dieses Risiko wird in Bankenkreisen ziemlich heruntergespielt. So weist man etwa bei der Deutschen Bank in einem Kommentar auf ein gewisses Risiko hin. Das Aktienemissionsvolumen steige seit 2023 kontinuierlich an. In den nächsten Monaten werde sich dieses Tempo aufgrund der geplanten Börsengänge deutlich beschleunigen. Allerdings gingen solche Emissionswellen wie die jetzige für gewöhnlich mit starken Aktienmarktrenditen einher, wie der mir nicht namentlich bekannte Autor schreibt. Ausserdem sei die Nachfrage nach Aktien momentan robust und auch die hohe Aktienrückkauftätigkeit helfe, das drohende Überangebot zu absorbieren.

Andere Banken schätzen die Situation ähnlich ein. Interessant erscheint mir, dass neuerdings sogar Technologiegiganten wie Alphabet neue Aktien ausgeben, um die hohen Investitionen in die künstliche Intelligenz schultern zu können. Erst am Montag kündigte die Google-Mutter eine Kapitalerhöhung im Umfang von nicht weniger als 80 Milliarden Dollar an.

Die Kapitalerhöhung bei Alphabet und die Publikumsöffnung von SpaceX stehen somit bloss am Anfang einer Emissionswelle, welche zu nichts Geringerem als einer weiteren Verschiebung tektonischen Ausmasses in Richtung der New Yorker Börse führen. Denn schon heute bringt letztere beim viel beachteten MSCI Equities World Index ein Gewicht von mehr als 72 Prozent auf die Waage. Und im Zuge der anstehenden Mamut-IPOs dürfte nochmals viel Geld nach Übersee fliessen. Die Folgen für Europa und die Schweiz werden wohl erst dann abschätzbar, wenn sich der Staub langsam wieder legt.

Kommen wir an dieser Stelle nun aber auf meine Schweizer Aktienfavoriten für 2026 zu sprechen. Für die Zeitspanne von Anfang Januar bis Ende Mai errechnet sich über sämtliche dieser Titel hinweg und unter Wiederanlage der Nettodividende ein Plus von 2,85 Prozent. Dem steht ein um 5,15 Prozent höherer Swiss Performance Index (SPI) gegenüber. Somit konnte der Rückstand gegenüber dem Vergleichsindex im Mai zumindest etwas reduziert werden – wenn auch nur in einem sehr überblickbaren Umfang.

Zusammensetzung der Aktienfavoriten für 2026 per 29. Mai

Titel Anzahl Stand Ende 2025 Stand aktuell akt. Wert* G/V
Barmittel                   6'882  
Amrize N       294       43,57       42,11           12'380 -   3,4 Prozent
Lonza N         30     537,80     500,40           15'012 -   7,0 Prozent
Nestlé N       199       78,74       79,44           15'809 +  0,9 Prozent
Partners Group N         15     982,40     827,20           12'408 - 15,8 Prozent
Sandoz N       206       57,84       65,60           13'514 +13,4 Prozent
SGS N       153       90,86       88,88           13'599 -   2,2 Prozent
Sika N         58     162,60     153,30             8'891 -   5,7 Prozent
Belimo N         10     781,00     827,00             8'270 +  5,9 Prozent
Dätwyler I         45     163,00     158,60             7'137 -   2,7 Prozent
Julius Bär N       112       62,40       64,02             7'170 +  2,6 Prozent
R&S Group N       313       15,82       26,30             8'232 +66,2 Prozent
Skan N       150       52,80       49,60            7'440 -   6,1 Prozent
           
Total               136'744 -   0,6 Prozent

* Schlusskurse vom 29. Mai 2026

Anders als noch vor wenigen Wochen gibt es eigentlich nur noch ein Sorgenkind unter meinen Jahresfavoriten – dafür aber ein gewichtiges: Die Aktien der Partners Group. Selbst wenn man den Dividendenabgang von Ende Mai aufrechnet, wird dem Risikokapitalspezialisten die undankbare Rolle des diesjährigen SMI-Schlusslichts zuteil.

Trotz Rekordjagd an der New Yorker Börse ist das Umfeld für die Partners Group in den vergangenen Wochen und Monaten nicht eben weniger anspruchsvoll geworden. Dazu passt eine Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg von heute Mittwoch, wonach das Unternehmen die Rücknahmemöglichkeiten für seinen Global Value Fund eingeschränkt habe. Meldungen wie diese sind nicht eben vertrauensbildend. Und obwohl kein firmenspezifisches Phänomen, geraten die Partners-Group-Aktien an der Börse regelrecht unter die Räder. Sie verlieren zeitweise mehr als 16 Prozent (!!!).

Das dürfte insbesondere Grizzly Research freuen. Die Amerikaner haben sich auf die Valoren des Unternehmens aus Baar eingeschossen. Erst kürzlich kündigte man rechtliche Schritte gegen den Leerverkäufer an. Mal schauen, ob und was von den hervorgebrachten Vorwürfen übrigbleibt, wenn sich der Staub gelegt hat.

Eine Kursflaute verspüren momentan auch die Aktien von Sandoz. Ende Februar berichtete ich von einer eher halbherzigen Verkaufsempfehlung durch AlphaValue. Damals erhöhte der Londoner Analyst Abhishek Raval sein Kursziel zeitnah auf 73,20 Franken, hielt gleichzeitig jedoch am «Reduce» lautenden Anlageurteil fest.

Schon Ende Februar schrieb Raval wortwörtlich, dass die Wachstumsaussichten des Unternehmens selbst manch grossen und innovativen Pharmahersteller eifersüchtig machen dürften. Wurden damals in der Spitze noch Kurse von knapp 73 Franken bezahlt, sind die Valoren des Herstellers von Nachahmermedikamenten mittlerweile gut 10 Kursfranken tiefer zu haben.

Der AlphaValue-Analyst nutzt nun die Gunst der Stunde und erhöht sein Anlageurteil von «Reduce» auf «Add». Neuerdings kommt er sogar auf ein Kursziel von 74,30 Franken. Seine Schlüsselbotschaft: Trotz einer Kursverdoppelung seit dem Börsendebüt gehören die Aktien von Sandoz schlichtweg ins Portefeuille. Eine Einschätzung, welche ich voll und ganz teile...

Transaktionen Aktienfavoriten 2026

Datum Titel   Anzahl Kurs   Total
30.12.2025 UBS N (neue Favoriten) Verkauf    328   36,96 Franken 12'123+
30.12.2025 Dätwyler I (neue Favoriten) Verkauf      33 163,00 Franken   5'379+
30.12.2025 VAT Group N (neue Favoriten) Verkauf      20 385,90 Franken   7'718+
30.12.2025 Comet N (neue Favoriten) Verkauf      23 225,00 Franken   5'175+
30.12.2025 R&S Group N (neue Favoriten) Kauf    420   15,82 Franken   6'644-
30.12.2025 Nestlé N (neue Favoriten) Kauf      15   78,74 Franken   1'181-
30.12.2025 Roche GS (neue Favoriten) Verkauf      33 328,20 Franken 10'831+
30.12.2025 Sandoz N (neue Favoriten) Verkauf      24   57,84 Franken   1'388+
30.12.2025 Sika N (neue Favoriten) Kauf        3 162,80 Franken      488-
30.12.2025 Adecco N (neue Favoriten) Verkauf    254   23,12 Franken   5'872+
30.12.2025 Julius Bär N (neue Favoriten) Verkauf      20   62,40 Franken   1'248+
30.12.2025 Medmix N (neue Favoriten) Verkauf    531   11,24 Franken   5'966+
30.12.2025 Oerlikon N (neue Favoriten) Verkauf 2'141     3,23 Franken   6'915+
30.12.2025 Amrize N (neue Favoriten) Kauf      90   43,57 Franken   3'921-
30.12.2025 Lonza N (neue Favoriten) Kauf      14 537,80 Franken   7'520-
30.12.2025 SGS N (neue Favoriten) Kauf    146   90,86 Franken 13'266-
30.12.2025 Partners Group N (neue Favoriten) Kauf      14 982,40 Franken 13'754-
30.12.2025 Belimo N (neue Favoriten) Kauf        9 781,00 Franken   7'029-
30.12.2025 Skan N (neue Favoriten) Kauf    126   52,80 Franken   6'653-
25.03.2026 Dätwyler I (Wiederanlage Dividende) Kauf        1 142,20 Franken      142-
26.03.2026 Sika N (Wiederanlage Dividende) Kauf        1 132,00 Franken      132-
01.04.2026 Nestlé N (Rabalancing) Verkauf        9   79,10 Franken      712+
01.04.2026 Partners Group N (Rabalancing) Kauf        1 877,00 Franken      877-
01.04.2026 SGS N (Rabalancing) Kauf        4   85,60 Franken      342-
01.04.2026 Sika N (Rabalancing) Kauf        8 134,50 Franken   1'076-
01.04.2026 Belimo N (Rabalancing) Kauf        1 665,00 Franken      665-
01.04.2026 Dätwyler I (Rabalancing) Kauf        3 147,00 Franken      441-
01.04.2026 Skan N (Rabalancing) Kauf      24   43,41 Franken   1'041-
01.04.2026 Amrize N (Rabalancing) Verkauf      14   45,25 Franken      634-
01.04.2026 Sandoz N (Rabalancing) Verkauf      25   64,42 Franken   1'611+
01.04.2026 R&S Group N (Rabalancing) Verkauf     111   21,64 Franken   2'402+
01.04.2026 Julius Bär N (Rabalancing) Kauf        2   60,00 Franken      120-
13.04.2026 Sandoz N (Wiederanlage Dividende) Kauf        1   64,15 Franken        64-
13.04.2026 Julius Bär N (Wiederanlage Dividende) Kauf        3   59,68 Franken      179-
20.04.2026 Nestlé N (Wiederanlage Dividende) Kauf        5   76,06 Franken      380-
24.04.2026 Amrize N (Wiederanlage Dividende) Kauf        3   44,44 Franken      133-     
11.05.2026 R&S Group N (Wiederanlage Dividende) Kauf        4   27,48 Franken      110-

Schauen Sie sich doch auch das Tracker Zertifikat auf die Schweizer Aktienfavoriten des cash Insider an. Mit diesem setzen Sie einfach und bequem auf die von ihm favorisierten Aktien. Die Nettodividenden werden dabei jeweils zeitnah reinvestiert.
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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