Die stockenden Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs halten zum Wochenanfang die europäischen Börsen weiter in Schach, wenn auch nicht mehr so sehr wie zu Handelsbeginn am Montag. Nach anfänglichen Verlusten zieht der Schweizer Aktienmarkt gemessen am Swiss Market Index (SMI) legt 0,15 Prozent zu.
Das wichtigste deutsche Aktienbarometer, der Dax, zog am Montag leicht um 0,6 Prozent auf 24'285 Punkte an; der EuroStoxx50 legte 0,4 Prozent auf 5905 Zähler zu. «Die Märkte bleiben in einer Hängepartie zwischen Hoffnung auf Deeskalation und der Realität eines weiter schwelenden Konflikts», sagte Timo Emden von Emden Research.
«Hinter den Kulissen ist weiterhin Bewegung in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran», konstatierte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. Allerdings werde immer klarer, dass diese Verhandlungen sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. «Die Hoffnung auf Frieden ist weiterhin da.» Einem Medienbericht zufolge hat der Iran einen neuen Vorschlag zur Öffnung der Strasse von Hormus und zur Beendigung des Krieges gemacht. Der Plan sei bereits über pakistanische Vermittler übermittelt worden, berichtete das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter und zwei weitere Insider.
Öl weiter teuer
«Nach der Erfahrung vor etwa zwei Wochen, als schon einmal ähnliche Hoffnungen aufkamen, diese aber binnen 24 Stunden wieder zerstört wurden, dürfte sich die Euphorie des Marktes dieses Mal wohl deutlich in Grenzen halten», kommentierte Thu Lan Nguyen, Analystin bei der Commerzbank. Die Ölpreise kletterten weiter. Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee und US-Leichtöl WTI verteuerten sich jeweils um rund drei Prozent auf bis zu 108,50 Dollar und 97,10 Dollar je Barrel. In der vergangenen Woche hatten die Preise für Brent und WTI mit einem Plus von fast 17 beziehungsweise 13 Prozent die grössten wöchentlichen Zuwächse seit Kriegsbeginn verzeichnet.
Die Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Friedensbemühungen hatte am Wochenende einen Dämpfer erhalten. US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, der Iran könne anrufen, wenn er über ein Ende des zweimonatigen Krieges verhandeln wolle. Zudem sagte er eine geplante Reise seiner Gesandten nach Islamabad ab. Der iranische Aussenminister Abbas Aragtschi reiste unterdessen zu Vermittlern in Pakistan und im Oman, bevor er nach Russland flog. «Die diplomatische Pattsituation bedeutet, dass jeden Tag zehn bis 13 Millionen Barrel Öl nicht auf den internationalen Markt gelangen, was die ohnehin schon angespannte Ölversorgungslage weiter verschärft», sagte Analyst Tamas Varga von PVM Oil Associates. «Daher gibt es für die Ölpreise nur eine Richtung.»
Commerzbank-Aktie gefragt
Bei den Einzelwerten rückte die Commerzbank ins Rampenlicht. Die Titel des im Visier der italienischen Grossbank UniCredit stehenden Geldhauses zogen um gut zwei Prozent an, nachdem die Bank of America die Aktie auf «Buy» von zuvor «Neutral» hochgestuft hatte. Die Finanzaufsicht BaFin hatte UniCredit zudem am Freitag Anti-Commerzbank-Werbung untersagt. Die Bundesregierung habe bei europäischen Kreditinstituten das Interesse sondiert, die Commerzbank gegen das Übernahmeangebot der UniCredit zu verteidigen, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Einen Satz um bis zu 15 Prozent an die Spitze des MDax machten die Aktien von Nordex. Der Windkraftanlagenbauer übertraf im ersten Quartal die Erwartungen beim Kernergebnis und Umsatz. «Guter Start ins Jahr, Profitabilität über den Erwartungen», kommentierte die US-Bank Citi. Die wachsende Stromnachfrage durch KI, E-Mobilität und Wärmepumpen spiele Unternehmen wie Nordex in die Hände, hiess es von Metzler.
Ein Rekordlauf beim Marathon in London beflügelte zudem die Aktien von Adidas. Die Titel des Nike-Rivalen zogen um zwei Prozent an, nachdem der Kenianer Sabastian Sawe als erster Mensch einen Marathon in einem offiziellen Rennen in unter zwei Stunden absolvierte und dabei das neue Laufschuh-Modell der Marke mit den drei Streifen trug.
(Reuters)

