Nach dem freundlichen Wochenauftakt sorgen nun sinkende Ölpreise für Kauflaune an den europäischen Aktienmärkten. Anleger setzten auf eine mögliche Annäherung zwischen den USA und ‌dem Iran ⁠am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Mehreren Insidern zufolge will Saudi-Arabien zudem den Betrieb seiner Ost-West-Pipeline wieder aufnehmen. Nach zunächst nervösem Handel lag der Dax am Dienstagnachmittag ein halbes Prozent ⁠im Plus bei 25.700 Punkten. Der EuroStoxx50 zog ähnlich stark auf 6340 Zähler. Der Swiss Market Index (SMI) verbessert sich derweil um 0,26 Prozent.

Die Ölpreise drehten nach anfänglichen Zuwächsen erneut ins Minus. Brent-Rohöl verbilligte sich in der Spitze um knapp drei Prozent auf 97,43 Dollar je Barrel; ‌US-Leichtöl WTI verlor bis zu 3,5 Prozent auf 92,40 Dollar. Saudi-Arabien nimmt Insidern zufolge seine nach Drohnenangriffen beschädigte wichtige Pipeline wieder in ‌Betrieb. Die Ölexporte über den Hafen Janbu am Roten Meer könnten noch im Tagesverlauf wieder ​aufgenommen werden, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Saudi-Arabien hatte die Pipeline nach Drohnenangriffen durch die Huthi-Miliz aus dem Jemen am 13. September abgeschaltet.

Die Stimmung der Anleger wurde zudem durch die Aussage eines hochrangigen iranischen Beamten gegenüber Reuters gestärkt, dass der Iran die Strasse von Hormus innerhalb von sieben Tagen wieder öffnen könne, wenn die Vereinigten Staaten den militärischen Druck verringern und ihre Blockade der iranischen Häfen aufheben. Für Entspannung sorgten auch Spekulationen auf eine diplomatische Annäherung zwischen den USA und dem Iran sowie Daten, die auf ‌zunehmende Öltransporte durch die Strasse von Hormus hindeuteten.

KI-Optimismus

Nach den Warnungen zu KI-Sicherheitsrisiken hob die Popularität des KI-Assistenten Meta Muse von Meta die Stimmung und belebte den Technologiesektor. Dem US-Technologieindex Nasdaq bescherte die neu entfachte Euphorie rund um Künstliche Intelligenz am Montag ein frisches Rekordhoch. Am Dienstag gehörten Halbleiteraktien auch in Europa zu den grössten Gewinnern. «Sollte Muse eine breite Akzeptanz finden, könnte dies die Nachfrage ​nach anderen KI-Tools steigern und dem KI-Sektor nach einigen schwierigen Monaten neuen Aufschwung verleihen», kommentierte Kathleen Brooks vom Broker XTB. Beim Dax komme ​die neue KI-Euphorie jedoch nur in Teilen an, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. «Das liegt wieder ​einmal daran, dass die erneut gehypten Tech-Aktien im Dax nur ein geringes Gewicht haben.»

Bei den Einzelwerten kletterten Evonik-Aktien in der Spitze um 4,8 Prozent und waren damit auf Kurs zum grössten Tagesplus seit gut drei Monaten. Anleger ‌trieben mögliche Gespräche mit BASF um. Mehrere Online-Medien bezogen sich auf den Informationsdienst Dealreporter, demzufolge BASF in diesem Jahr Gespräche über eine mögliche Transaktion mit Evonik geführt habe. Auch der M&A-Informationsdienst Mergermarket habe über Übernahmegerüchte berichtet, sagte ein Analyst. BASF und Evonik wollten die Berichte auf Anfrage von Reuters nicht kommentieren. Ankeraktionär von Evonik ist die Essener RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent der Anteile ​hält. Sie will aber ​ihre Abhängigkeit von der Chemieindustrie verringern und den Anteil perspektivisch auf 25,1 Prozent abschmelzen.

Kingfisher ⁠punktete unterdessen mit einer nach oben geschraubten Jahresprognose bei Anlegern. Die Titel der britischen Baumarktkette stiegen in London ​um mehr als zehn Prozent und setzten sich ⁠damit an die Spitze des FTSE-100-Index. Der Konzern profitierte im ersten Halbjahr von Einsparungen und einer Rückerstattung von Gewerbesteuer. In Grossbritannien, Polen und Spanien seien zudem Marktanteile gewonnen worden. In Frankreich ‌sei das Geschäft dagegen durch Hitzewellen beeinträchtigt worden.

(Reuters)