Ein Comeback von Technologieaktien und die anhaltende Bilanzsaison könnten den Aktienmarkt in der neuen Woche weiter antreiben. Während die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und die hohen Ölpreise die Stimmung seit Monaten trüben, brachten starke Zahlen von Tech-Konzernen wie Microsoft den Investoren das Vertrauen in die KI-Investitionsstory zuletzt zurück.
Der technologielastige Nasdaq 100 ging 0,60 Prozent höher bei 28'274,20 Punkten ins Ziel, nachdem er früh bis zu 1,8 Prozent gewonnen hatte. Andere US-Indizes schlugen im Tagesverlauf weniger stark aus, folgten aber der Nasdaq nach oben. Der Dow Jones Industrial legte um 0,53 Prozent auf 52'485,03 Punkte zu. Der marktbreite S&P 500 stieg um 0,70 Prozent auf 7489,72 Zähler.
Auf Wochensicht ergaben sich für die drei Leitindizes Gewinne von bis zu einem Prozent. Zu Ende ging am Freitag auch der Juli, dies aber mit einem getrübten Bild an der Nasdaq. Während der Dow den Monat 0,3 Prozent höher beendete, bleibt für den Nasdaq 100 trotz der jüngsten Erholung ein deutlicher Abschlag von 6,6 Prozent in den Büchern. Er war zuletzt schwer gezeichnet von Sorgen um den KI-Megatrend.
Der Swiss Market Index (SMI) wiederum schloss am Freitag mit einem Verlust von 0,3 Prozent bei 14'346,14 Punkten. Der Leitindex gab damit einen Teil seiner frühen Gewinne wieder ab, nachdem er in der Eröffnungsphase noch deutlich im Plus notiert hatte.
«Im Fokus stehen nun der US-Arbeitsmarkt, die weitere Entwicklung im Nahen Osten und die Frage, ob Technologieaktien ihre jüngste Erholung fortsetzen können», sagt Daniela Hathorn, Marktanalystin bei capital.com. Die Berichtssaison zeige, dass Anleger Unternehmen belohnen, die KI-Investitionen in greifbares Wachstum umwandeln können. «Gleichzeitig bleiben sie bei steigenden Investitionsausgaben ohne klar erkennbare Rendite skeptisch.»
In der ersten Augustwoche stehen mit Palantir Technologies, AMD und Super Micro Computer weitere US-Techbilanzen auf dem Prüfstand.
Öl mit grösstem Monatsplus seit März
Das Zünglein an der Waage für die Aktienmärkte könnten erneut die Bewegungen an den Rohstoffbörsen sein. Denn nach wie vor ächzen Verbraucher und Unternehmen unter den hohen Energiepreisen. Die Nahost-Krise hat die Preise für Rohöl im Juli um rund 20 Prozent nach oben getrieben - der stärkste Monatszuwachs seit März.
Die Strasse von Hormus, durch die normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Lieferungen von Rohöl und Flüssigerdgas transportiert wird, ist nach wie vor weitgehend blockiert. Saudi-Arabien strebt nun die Führung einer Koalition mehrerer Länder an, um die militärische Zusammenarbeit in der Meerenge von Bab al-Mandab, im Roten Meer und im Golf von Aden zu stärken – allesamt wichtige Routen für die Energieversorgung.
Angesichts der unübersichtlichen Lage und fehlender klarer Deeskalationssignale dürfte der Ölpreis vorerst hoch bleiben, sagen die Strategen der Commerzbank. «Die letzten Wochen haben jedoch gezeigt, dass bereits eine sich abzeichnende Entspannung den Preis deutlich unter Druck setzen kann.»
US-Arbeitsmarkt könnte Zinssignale senden
Ein Damoklesschwert für die Konjunktur im Euroraum und in Deutschland seien die hohen Energiepreise, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. «Sie können den positiven Wachstumstrend sehr schnell wieder abwürgen.»
Wie die anhaltende Inflation sich auf die Stimmung in der Wirtschaft auswirkt, dürften die Daten zu den europäischen und deutschen Einkaufsmanagerumfragen für Juli am Montag und Mittwoch zeigen. Auch die deutschen Produktionszahlen und Auftragseingänge sollten signalisieren, ob sich eine Belebung der Industrie in den Zahlen niederschlägt. In Asien richtet sich die Aufmerksamkeit auf China, wo die Einkaufsmanagerindizes für Juli veröffentlicht werden. Am Freitag folgt die Handelsbilanz.
In den USA stehen neben den ISM-Indizes die Arbeitsmarktdaten am Freitag im Fokus. Am Mittwoch dürfte der Bericht des privaten Arbeitsmarktdienstleisters ADP einen Vorgeschmack liefern.
«Äusserst schwache Arbeitsmarktzahlen stünden einem möglichen Leitzinserhöhungsschritt tendenziell entgegen», heisst es bei der LBBW. Die jüngste Fed-Sitzung lasse sich durchaus so interpretieren, dass sich die Stimmung bei den US-Währungshütern hin zu einer weiteren Straffung drehe, sagt Carsten Klude von MM Warburg. Dagegen spreche aber, dass Notenbank-Chef Kevin Warsh bewusst kein Zeichen in diese Richtung gesetzt habe.
Der Fed-Chef könnte folglich für die Rückführung der Inflation auf zwei Prozent zusätzliche Zinserhöhungen derzeit nicht für erforderlich halten. «Ohne das Sicherheitsnetz einer klaren Notenbankkommunikation wird die Volatilität an den Aktienmärkten wahrscheinlich zunehmen», sagt Klude.
(Reuters/cash)

