Deutsche Börse - Die Top- und Flop-Aktien im Dax 2017

Von Medaillensammlern und Dreckschleudern: cash stellt Gewinner und Verlierer des deutschen Aktienmarktes vor und nennt mögliche Einstiegskandidaten.
01.09.2017 06:40
Von Ivo Ruch
Adidas gilt als zweitgrösster Sportartikelhersteller hinter Nike.
Adidas gilt als zweitgrösster Sportartikelhersteller hinter Nike.
Bild: pixabay.com

Seit der deutlichen Aufwertung der Gemeinschaftswährung ab Mitte Mai hat der deutsche Leitindex Dax rund 6 Prozent an Wert verloren und steht aktuell bei 12070 Punkten. Dies nachdem die deutsche Börse im Juni vorübergehend auf ein neues Rekordhoch geklettert war. Alleine in den letzten drei Monaten hat der Euro gegenüber dem Dollar um 6 Prozent aufgewertet, seit Jahresbeginn sind es gar 13 Prozent.

Im europäischen Vergleich ist der Dax somit Mittelmass. Wie die folgende Tabelle zeigt, liegt er seit Anfang Jahr hinter anderen bedeutenden Börsen des Euro-Raums zurück und lässt nur den französischen CAC 40 hinter sich. Ebenfalls auffällig: Seit der beginnenden Euro-Aufwertung vor rund drei Monaten konnte sich nur die italienische Börse im Plus halten. Alle anderen Aktienmärkte haben seither deutlich an Wert verloren.

Performance europäischer Börsen

Aktienmarkt Perf. seit 01.01.17, in % Perf. 3 Monate, in %
FTSE MIB (Italien) +11,8 +3,3
IBEX 35 (Spanien) +9,6 -5,8
AEX (Griechenland) +6,6 -2,4
Dax (Deutschland)  +5,2 -5,1
CAC 40 (Frankreich) +4,5 -3,4
EuroStoxx 50 +4 -3,9

Quelle: cash.ch (Stand 31.08.17)

Ein wichtiger Grund, wieso sich der erstarkte Euro besonders markant in deutschen Aktien niederschlägt, ist die grosse Bedeutung des Exportsektors. Dadurch werden Waren "Made in Germany" auf dem Weltmarkt tendenziell teurer, was die Nachfrage dämpft.

Firmen wie HeidelbergCement oder das Gesundheitsunternehmen Fresenius erwirtschaften bis zu zwei Drittel ihres Umsatzes im Ausland, einen grossen Teil davon im Dollar-Raum. Diese Aktien bleiben denn auch deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurück.

Doch es gibt auch deutsche Exporteure, die trotz starken Euros bei Anlegern beliebt sind. Dazu gehört Adidas. Mit einem Plus von 26 Prozent seit Jahresbeginn gehört der Sportartikelhersteller zu den besten Dax-Titeln. Dabei hat Adidas weniger vom Medaillenregen an den Leichtathletikweltmeisterschaften in London profitiert als von starken Unternehmenszahlen. Zuletzt wurde gar die Jahresprognose angehoben.

Beobachter warnen allerdings: Bei vielen deutschen Firmen sei die Euro-Aufwertung noch nicht voll eingepreist und zukünftige Enttäuschungen deshalb wahrscheinlich. Selbst Adidas-CEO Kasper Rorsted warnte kürzlich in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in Bezug auf den schwachen Dollar: "Im ersten Halbjahr hatten wir Rückenwind, in den nächsten sechs Monaten werden wir Gegenwind haben."

Wer schnappt sich Air Berlin?

Besser als Adidas liefen in den letzten Monaten nur die Energie-Aktien von E.ON und RWE sowie die Airline Lufthansa. Im Energiesektor gilt es aber zu bedenken, dass viele Aktien durch die Energiewende unter Druck gekommen sind und sich allmählich auf tiefem Niveau stabilisieren. So hat RWE in den letzten zehn Jahren von 102 auf 21 Euro korrigiert. Auch wenn die Milliardenverluste vorerst Geschichte sein dürften, ist ein Einstieg selbst auf diesem Niveau nur etwas für risikofreudige Investoren.

Lufthansa wiederum hat jüngst stark von der Insolvenz der Air Berlin profitiert – zumindest, wenn man der Reaktion der Finanzmärkte Glauben schenken kann. Die Muttergesellschaft der Swiss hat seit dem Insolvenzantrag von Air Berlin am 15. August um 6 Prozent zugelegt. Starke Passagierzahlen und die tiefen Ölpreise sorgen für zusätzlichen Auftrieb. Doch die Konkurrenz von Billigfliegern wie Easyjet oder Ryanair oder den subventionierten Golf-Airlines wird nicht so schnell verschwinden, eine Übernahme oder Teilübernahme sowie Integration von Air Berlin ist nicht in trockenen Tüchern. Kommt hinzu: Die Aktie bewegt sich nahe am höchsten Stand seit zehn Jahren. Es stellt sich daher die Frage, ob noch viel Luft nach oben vorhanden ist.

Diesel-Skandal weiter im Fokus

Am unteren Ende der Dax-Rangliste reihen sich wenig überraschend mehrere Autohersteller ein: Daimler und BMW kommen in diesem Jahr kaum vom Fleck. Auch Volkswagen steht knapp 6 Prozent im Minus. Ein guter Einstiegspunkt?

Die Privatbank Metzler ist skeptisch, wie auf der Seite von ARD Börse zu lesen ist: 2018 und möglicherweise auch 2019 würden sehr schwierig, wobei neben dem Diesel-Skandal auch gesättigte oder gar rückläufige Märkte wie in Nordamerika bremsten. Zur ungünstigen Mischung beitragen würden die hohen Anlaufkosten für neue Elektromodelle auf die momentan die ganze Autowelt schielt.

Top- und Flop-Aktien im Dax 2017

Die Besten Die Schlechtesten
Aktie Perf. seit 01.01.17, in % Aktie Perf. seit 01.01.17, in %
RWE +78 ProSiebenSat.1 -25
Lufthansa +70 Daimler -13
Commerzbank +44 BMW -12
E.ON +43 Deutsche Bank -12
Adidas +26 HeidelbergCement -9

Quelle: cash.ch (Stand 31.08.17)