Das Börsenjahr 2026 ist um einen Monat reicher. Besonders der Februar hat mit dem Start der Unternehmensberichterstattung für Bewegung gesorgt. Nicht alle davon waren erfreulich, und manche dürften wohl den einen oder anderen Marktbeobachter überrascht haben.

Der Swiss Market Index (SMI) hat neue Rekordstände erreicht und Ende Februar erstmals die 14'000-Punkte-Marke überschritten - ein Plus von 5,4 Prozent seit Jahresbeginn. Auch der breite Swiss Performance Index (SPI) legte um 5,4 Prozent zu. Doch hinter dieser starken Gesamtkulisse verbergen sich erhebliche Ausreisser - in beide Richtungen: Titel, die den Markt hinter sich liessen und solche, die tief in die roten Zahlen abrutschten. Eine Übersicht über fünf Gewinner und Verlierer der ersten zwei Monate, die ins Auge fallen.

Die fünf Überflieger 2026

1) R&S Group: +49 Prozent

Der Trafohersteller R&S Group ist am breiten Markt der auffälligste Gewinner der ersten zwei Monate. Unter dem Motto: «Hoch geflogen, tief gefallen» kehren die Anleger allmählich zu R&S zurück. So notieren die Valoren wieder bei 23,45 Franken, nachdem sie zuvor von ihrem Allzeithoch im August von 40,35 Franken auf fast 15 Franken stürzten, weil das Management die mittelfristigen Prognosen nach unten korrigiert hatte. Das Ende der Fahnenstange sieht der zuständige Analyst der Bank Berenberg indes bei 36 Franken - ein Preisziel, das er durch ein «Buy»-Rating unterstreicht. Dabei stellt er die Erwartungen übertreffende Margen sowie eine zunehmende Auftragsdynamik in Rechnung. Seiner Ansicht nach profitiert R&S vom Elektrifizierungstrend. Dieser Trend dürfte dem Trafohersteller in der Tat in die Karten spielen. Er ist langfristig angelegt und wird getragen durch die laufenden Anstrengungen, auf fossile Brennstoffe zu verzichten und den CO₂‑Ausstoss zu senken. 

2) BCGE: +29 Prozent

Die Banque Cantonale de Genève steht stellvertretend für einen breiteren Trend: Schweizer Kantonalbanken sind die heimlichen Gewinner der Trump-Ära. Die politische Unberechenbarkeit der USA treibt Anleger in sichere Häfen – darunter vermehrt in Kantonalbanktitel. Unberührt von geopolitischen Streitigkeiten haben viele dieser Institute entweder Mehrjahreshochs oder neue Rekordniveaus erreicht, so auch die BCGE, die am Donnerstag das Allzeithoch vom Sommer 2024 knackt und aktuell bei  bei 31,80 Franken notiert.

3) Ascom: +28 Prozent

Das Allzeithoch der Ascom-Aktie liegt fast 26 Jahre zurück – Ende März 2000 notierte der Titel bei 105 Franken, dann kam der Kurssturz. Dazwischen liegen zahlreiche strategische Schwenker und ein Downsizing auf das derzeitige Geschäft Spitalkommunikation. Seit 2019 bewegt sich der Kurs mehrheitlich seitwärts. Seit vergangenem Herbst versucht die Aktie einen Ausbruch nach oben. Ausgelöst ausgelöst durch die Publikation der vorläufigen Umsatzzahlen für 2025, schoss der Kurs innerhalb eines Tages um 17 Prozent nach oben. Derzeit kostet eine Aktie 4,90 Franken. Der Analyst von Research Partners hält, anhand der vorläufigen Zahlen, den operativen Turnaround als geglückt, das organische Wachstum als stark und die Marge auf dem höchsten Level seit 2018. Auch die Bilanz bleibe solide, und das angekündigte Aktienrückkaufprogramm dürfte die Kursentwicklung stützen. Ob der Markt dieser Einschätzung folgt, werden spätestens die definitiven Zahlen vom 9. März zeigen. Der aktuelle Kursverlauf deutet jedenfalls darauf hin.

4) Swisscom: +23 Prozent

Der Telekomkonzern ist der grösste SMI-Überflieger in diesem Jahr. Die Aktie kennt schon seit einem Jahr nur eine Richtung: nach oben. Sie überschritt diese Woche auch das Allzeithoch von der Jahrtausendwende, kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Swisscom profitiert eindeutig vom Bonus als sicherer Hafen für Anleger in unsicheren Zeiten. Operativ sieht die Lage durchzogen aus. Wegen der Kosten für die Integration von Vodafone Italia sackte der Reingewinn 2025 auf das tiefste Niveau seit fast eineinhalb Jahrzehnten ab. Die angekündigte Dividendenerhöhung und eine beabsichtigte weitere Steigerung der Ausschüttung 2027 waren für einige Analysten eine positive Überraschung. Der Schweizer Telekommunikationsmarkt bleibt hart umkämpft. Swisscom erhöhte die Preise für Privatkunden auf April dennoch, zum ersten Mal überhaupt auf breiter Front. Ob die Nachfrage nach der Aktie nach dem Dividendenabgang am 27. März weiter anhält, wird sich zeigen müssen.

5) ABB: 21 Prozent

Die ABB-Aktie erreichte ein neues Allzeithoch und notiert bei 71,56 Franken. Was die Kursrally besonders bemerkenswert macht: ABB investiert massiv in KI-Rechenzentren – und das in einem Marktumfeld, in dem die Angst vor einer platzenden KI-Blase in den letzten Wochen latent mitschwang. Der Grund für die Hausse liegt in den Jahreszahlen 2025, die auf breiter Front überzeugten. Highlight war der Auftragseingang: Zum ersten Mal in einem Quartal knackte ABB die 10-Milliarden-Dollar-Marke. Besonders das Rechenzentrumsgeschäft wächst laut ZKB-Analyst Florian Sager nach wie vor «hervorragend». Auch der Ausblick stimmt Anleger positiv. CEO Morten Wierod sieht das grösste Potenzial weiterhin in Amerika – dort finde am meisten Wachstum statt, und dieser Trend setze sich fort. Entsprechend investiert ABB stark in den USA und Indien. 

Die fünf Absacker 2026

1) Partners Group: -12 Prozent

Die Aktie von Partners Group notiert aktuell bei 869,40 Franken und hat in den vergangenen 52 Wochen bereits 34,6 Prozent nachgegeben. Vor Wochenfrist sorgte ein Kurseinbruch von 5,2 Prozent an einem einzigen Tag für Aufsehen - ausgelöst allerdings nicht durch unternehmenseigene Nachrichten, sondern durch Ansteckungseffekte aus den USA. Dort hatte der US-Konkurrent Blue Owl die Rücknahmen bei einem auf Privatanleger ausgerichteten «Private Credit»-Fonds ausgesetzt und eine umstrittene Transaktion mit einer nahestehenden Firma getätigt, was Transparenzbedenken auslöste. Der Kursrutsch bei Blue Owl und Blackstone strahlte auf europäische Private-Equity-Titel aus - darunter die Partners Group. Der Zuger Finanzdienstleister betonte jedoch, das Problem betreffe ausschliesslich Blue Owl und nicht die Partners Group selbst. Bereits früher im Jahr hatte die Aktie gelitten: Sorgen um KI-Investments und Positionen im Software-as-a-Service-Bereich hatten die Valoren unter Druck gesetzt. Die Aktie erholt sich nun leicht. Wagemutige sehen dies als Trendwende.

2) UBS: -13 Prozent

Die UBS ist nach Logitech die zweitschlechteste SMI-Aktie seit Jahresbeginn und notiert derzeit bei 32,30 Franken. Nach einem starken Schlussspurt Ende 2025 gerieten die Valoren nach Bekanntgabe der Jahresergebnisse unter Druck - was zeigte, dass bei der UBS operativ doch nicht alles rund läuft. Im Wealth Management Americas flossen netto 14,1 Milliarden Dollar ab. Und dennoch bleibt das eigentliche Damoklesschwert die regulatorische Unsicherheit: Die vom Bund geforderte vollständige Unterlegung der Auslandstöchter mit Eigenkapital macht die Höhe der Aktienrückkäufe 2026 ungewiss. Schon einmal notierten die UBS-Aktien in der jüngeren Vergangenheit bei rund 32 Franken. Das war Ende Januar 2025.

3) Swissquote: -16 Prozent

Die Online-Bank Swissquote hat seit Jahresbeginn 16 Prozent verloren und notiert bei 408,29 Franken - nach einem Allzeithoch bei 569 Franken im Sommer 2025. Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist gemäss der Basler Kantonalbank, dass Swissquote als sogenannter Krypto-Proxy am Markt wahrgenommen werde. Da Kunden über Swissquote mit Kryptowährungen handeln können, laufe der Kurs mit einer gewissen Parallelität zum Bitcoin. Ähnlich schätzt die Deutsche Bank das Marktimage von Swissquote ein, hält dies jedoch für übertrieben. Denn Swissquote generiert nach wie vor seine Haupteinnahmen zum Beispiel mit Aktien, und gerade in diesem Bereich waren die Handelsumsätze bei den Banken im Januar sehr gut. Die zuständige Analystin der Deutschen Bank bekräftigt mit einem Kursziel von 610 Franken ihr «Buy»-Rating.

4) Leonteq: -21 Prozent

Beim Derivate-Spezialisten Leonteq reisst die Serie von Kursstürzen nicht ab. Die Aktie notiert aktuell bei 10,92 Franken – das entspricht einem Absturz von knapp 95 Prozent gegenüber dem Allzeithoch von 215,20 Franken aus dem Sommer 2015. Mitte Februar bestätigte Leonteq den bereits mittels Gewinnwarnung angekündigten Reinverlust von 33,7 Millionen Franken für 2025. Das Unternehmen verkündete einen Dividendenverzeicht. Für 2026 erwartet Leonteq zwar ein positives Vorsteuerergebnis, doch die mittelfristigen Ziele wurden auf 2028 verschoben. An die Aktie sollten sich derzeit nur die wagemutigsten Investoren herantasten.

5) Also: -25 Prozent

Mitte Februar brach die Aktie des IT-Grosshändlers innerhalb eines Tages um 31 Prozent ein und fiel auf den tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Aktuell notiert der Titel bei 161,80 Franken, nach einem Zwischentief bei 133,40 Franken. Auslöser waren enttäuschende Jahreszahlen – besonders der vorsichtige Ausblick sorgte für Missstimmung. Die Helvetische Bank hält die Fundamentaldaten aber für intakt: Die Bilanz sei solide, und das Potenzial in neuen Märkten wie Grossbritannien, USA und dem Nahen Osten sowie bei KI-Investitionen gross. Der grösste Teil der Aufholjagd nach dem Absturz ist wohl vorerst vorbei, für langfristig orientierte Investoren bietet sich aber noch immer ein Einstieg an.

*Alle Kursdaten per 26. Februar 2026

Monique Misteli Ringier
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