Der Dax sackte bis zum Mittag um 0,6 Prozent ‌auf 25.010 Punkte ⁠ab. Der EuroStoxx50 verlor 0,7 Prozent auf 6275 Zähler. Anleger hielten sich auch angesichts der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück. Die Währungshüter werden nach der Zinserhöhung im Juni wohl ⁠zunächst pausieren und sich eine weitere Anhebung offenhalten. An den Börsen werde aber jedes Wort von EZB-Chefin Christine Lagarde darauf abgeklopft, wie die Notenbank den Ölpreisanstieg und die Inflationsentwicklung bewerte, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktexperte beim Broker ‌Robomarkets. «Der Ölpreis entwickelt sich zum Spielverderber», ergänzte er.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich auf über 96 Dollar ‌und notierte damit so hoch wie seit mehr als sechs Wochen nicht mehr. Hintergrund ​waren neue US-Angriffe auf den Iran und Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Öltanker im Roten Meer. An den Anleihemärkten ging es bei den Renditen deswegen weiter nach oben. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundespapiere zog auf 3,192 Prozent von 3,179 Prozent an. Am Devisenmarkt trat der Euro bei 1,1410 Dollar auf der Stelle. Die EZB stecke in der Zwickmühle, sagte John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz. Sie müsse ihre Glaubwürdigkeit in der Inflationsbekämpfung stärken, gleichzeitig könne eine zu starke Straffung der Geldpolitik die Nachfrage zusätzlich belasten. Börsianer ‌gehen aktuell von einem weiteren Zinsschritt im September aus.

Nervosität im Technologiesektor

Auch im Technologiesektor machte sich Nervosität breit. Der europäische Branchenindex verlor mehr als ein Prozent. An der Spitze der Verlierer standen die Aktien von STMicroelectronics mit einem Kurssturz von 15 Prozent. Der Chiphersteller hatte für das dritte Quartal einen Umsatz prognostiziert, dessen Mittelwert leicht unter den Markterwartungen lag. Die Papiere ​von BE Semiconductor Industries fielen um 4,6 Prozent.

Für Verunsicherung im Sektor sorgten die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen des US-Technologieriesen Alphabet. Der ​Google-Mutterkonzern hatte seine Investitionspläne für 2026 um 15 Milliarden Dollar erhöht, was Zweifel daran aufkommen liess, ob sich ​die Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) auszahlen werden. Grösster Dax-Verlierer waren Infineon, die 3,6 Prozent absackten. Nach Börsenschluss dürfte der im Dax schwer gewichtete Softwarekonzern SAP mit seinen Zahlen die weitere Richtung an den Börsen mitbestimmen.

Luxuswerte im Abseits

Trübe Stimmung herrschte auch bei Luxuswerten. Die Aktien der italienischen Marke Moncler fielen um sieben Prozent. JP Morgan zufolge blieb der Moncler-Einzelhandelsumsatz im Quartal hinter den kürzlich gesenkten Erwartungen zurück. Der Branchenindex gab 1,8 Prozent nach. An der Dax-Spitze standen die Aktien von Daimler Truck, die vier Prozent zulegten. Der Konzern hat dank neuer US-Zollregelungen ​und einer starken Nachfrage ​in Nordamerika seine Gewinn- und Umsatzprognose für das laufende Jahr angehoben. Die Papiere ⁠des Lkw-Bauers Traton kletterten im MDax nach einer Prognoseanhebung und starken Auftragszahlen auf ein Rekordhoch.

Aktien aus dem Öl- ​und Gassektor blieben angesichts der Preissprünge gefragt. ⁠TotalEnergies erzielte das beste Quartalsergebnis seit fast drei Jahren. Der bereinigte Nettogewinn sprang im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 67 Prozent. Die Aktien legten 2,7 Prozent zu. 

(Reuters)