Zehn Jahre Finanzkrise

Schweizer Bankaktien - «Aktie der Credit Suisse ist zu einem Schnäppchenpreis zu haben»

Peter Casanova, Analyst bei Kepler Chevreux, bewertet im cash-Börsen-Talk die Leistung der Schweizer Bankaktien in den letzten Jahren und gibt Tipps für Anleger. Letzter Teil der cash-Serie «Zehn Jahre Finanzkrise».
06.07.2017 23:00
Von Daniel Hügli
Peter Casanova, Analyst bei Kepler Chevreux, im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

"Nein, auf keinen Fall". Das sagt Peter Casanova, Analyst für Banken und Versicherungen bei Kepler Chevereux, auf die Frage im cash-Börsen-Talk, ob die Aktie der UBS innerhalb der etwa nächsten 30 Jahre nochmals auf den Rekordstand aus dem Jahr 2007 klettern wird. Dem Jahr also, als die Finanzkrise begann und die UBS-Aktie ihren freien Fall bis auf 8 Franken im März 2009 startete.

Die Gründe, weshalb die UBS-Aktie nicht mehr diesen Wert erreichen wird, sind mitunter dieselben, welche für die Unterperformance des gesamten Schweizer Bankensektors in den letzten Jahren verantwortlich sind: Geänderte Wachstumsperspektiven wegen des Falls des Bankgeheimnisses, sinkende Margen im Zinsgeschäft, gestiegene Kosten wegen mehr Regulierung, höhere Kapitalisierungsvorschriften, sinkende Reingewinne. 

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So war im UBS-Aktienkurs, auf dem wie beim Titel der Credit Suisse Kapitalerhöhungen lasten, vor zehn Jahren ein Rekordgewinn von 12 Milliarden Franken aus dem Vorjahr enthalten. Heute verbucht die UBS immerhin wieder ein Jahresgewinn auf dem Niveau von vier bis fünf Milliarden Franken. Dennoch widerspiegelt sich diese Gewinnerosion heute im Aktienkurs. 

Für Casanova ist die UBS heute dennoch "ein Qualitätsunternehmen." "Sie steht wegen des radikalen Umdenkens und Umbaus heute sehr gut da", wie er im Börsen-Talk sagt.  Das Umdenken wurde mit der Konzentration auf das Vermögensverwaltungsgeschäft und dem Abbau der Aktivitäten im volatilen und krisenanfälligen Investmentbanking eingeleitet. Dieses Geschäftsfeld macht heute noch etwa 20 bis 25 Prozent der Gesamterträge aus. "Mit Blick nach vorn kann man sagen, dass die UBS ein einigermassen zuverlässiger Dividendenzahler sein wird", so Casanova.

Die Credit Suisse hat lange geschlafen

Im Vergleich zur Credit Suisse unterhält die UBS ein heute klar schlankeres und weniger kapitalintensives Investmentbanking. Der Anteil dieses Geschäftes beträgt bei Credit Suisse je nach Marktlage noch immer gegen 50 Prozent - trotz jahrelanger Ankündigungen, dass die Bank das Investmentbanking verkleinern wolle.

"Die CS hatte es verschlafen, ihr Geschäft für die Zukunft auszurichten", das Investorenvertrauen sei schon länger weg, sagt Casanova mit Blick auf die Zeiten unter CEO Brady Dougan (und VR-Präsident Urs Rohner). Damals galt die Bank noch als Gewinnerin der Finanzkrise. 2015 gründete die CS dann die "Strategic Resolution Unit". Was schön tönt, ist eigentlich ein Mülleimer: Diese Einheit ist verantwortlich für den Abbau nicht mehr gewünschter und früherer riskanter Aktivitäten. Die Vergangenheit hat ihren Preis: In den letzten drei Jahren sammelten sich dort Verluste in der Höhe von 12 Milliarden Franken an.

"Die 'Bad Bank' wird in zwei Jahren nicht mehr im Rucksack der CS sein", sagt Casanova. Und mittlerweile gehe es bei der CS in die richtige Richtung. "In meinen Modellen wird die CS in zwei oder drei Jahren ähnlich gut aufgestellt sein wie die UBS", kommt der Analyst von Kepler Chevreux zum Schluss.  

Vontobel auf dem Kaufzettel

Die Frage nach der Schweizer Grossbank-Aktie, die man heute haben muss, ist für Casanova klar. Die UBS hat derzeit ein Problem mit ihrer Bewertung. Im Vergleich zu europäischen Konkurrenten und zur Credit Suisse sei die Aktie teuer. Daher sei die CS heute "zu einem Schnäppchenpreis" zu erhalten. "Ich würde die Aktie heute kaufen", sagt Casanova.

Auf seiner Empfehlungsliste steht auch die Bank Vontobel, welche als einzige aller 23 Schweizer Bankaktien den Swiss Performance Index vom Börsentiefstand im März 2009 bis zum Frühling 2017 schlagen konnte, wie eine Auswertung von cash.ch ergab (zum Artikel).

Aus Dividendensicht bevorzugt Casanova die Aktie der Banque Cantonale Vaudoise (Rendite: 5 Prozent) und den Titel des Konsumkredite-Spezialisten Cembra Money Bank (Rendite 4,7 Prozent). Dessen Aktie hat seit Anfang 2015 allerdings bereits gegen zwei Drittel zugelegt. Etwas "sportlicher" ist laut Casanova ein Engagement beim Vermögensverwalter GAM, der ehemaligen Fonds-Tochtergesellschaft von Julius Bär.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Peter Casanova auch zu seiner bevorzugten Grossbank-Aktie ausserhalb der Schweiz, zur Aktienkursperformance von Kantonalbanken und zu den Aussichten des Rückversicherers Swiss Re.