Schweizer Börse - Die Schweizer Aktien-Tipps für das Jahr 2020

Die Banken setzen für 2020 auf Altbewährtes, aber eben nicht nur. Cash sagt, welche Schweizer Aktie am häufigsten auf den Favoritenlisten erscheint und welche beiden Banken bei ihren Empfehlungen Mut beweisen.
03.01.2020 06:00
Von Lorenz Burkhalter
Eine Glocke, mit der die SIX für den Leitindex SMI wirbt.
Eine Glocke, mit der die SIX für den Leitindex SMI wirbt.
Bild: cash

Die letzten 12 Monate liessen aus Sicht eines Aktienanlegers keine Wünsche offen. Die Dividendenabgänge aufgerechnet, legte der Swiss Market Index (SMI) im Jahresvergleich um gut 30 Prozent zu. Von den 20 Titeln aus dem Blue-Chips-Index hatte nur die Inhaberaktie der Swatch Group Kursverluste zu beklagen.

Verhält es sich wie in der Vergangenheit, dann folgt auf das starke Börsenjahr 2019 ein zumindest freundliches 2020. Allerdings dürfte das Handelsgeschehen auch hierzulande selektiver werden. Sprich: Will man als Aktienanleger Geld verdienen, muss man schon die richtigen Titel im Depot haben.

Was sofort auffällt: Gerade auf den Empfehlungslisten britischer und amerikanischer Banken sind Aktien aus der Schweiz spärlich vertreten. Auf der 44 Aktien starken Favoritenliste der britischen Barclays für Europa ist Nestlé allein auf weiter Flur. Auf der Liste der Aktien, um welche Anleger in den nächsten 12 Monaten besser einen grossen Bogen machen, finden sich hingegen prominente Schweizer Titel wie jene von Geberit, UBS oder Novartis. Nicht viel besser ist die Ausbeute auf der Empfehlungsliste der US-Investmentbank Jefferies. Namentlich werden nur die Aktien des Basler Pharmaunternehmens Novartis sowie jene des Hörgeräteherstellers Sonova zum Kauf angepriesen - wobei Jefferies und Barclays bei Novartis einander widersprechen.

Einige Aktienfavoriten haben sich schon 2019 bewährt

Wie schon vor Jahresfrist trauen die Banken insbesondere den Valoren von Nestlé, Roche und Novartis höhere Kurse zu. Am häufigsten erscheint der Name des traditionsreichen Nahrungsmittelkonzerns Nestlé auf den Empfehlungslisten. Die drei Indexschwergewichte gelten als "defensiv". Das heisst soviel, wie dass das Tagesgeschäft dieser Grossunternehmen weitestgehend von der Wirtschaftsentwicklung unabhängig ist.

Während man bei Jefferies und Société Générale auf Novartis setzt, bevorzugen die Zürcher Kantonalbank und Vontobel den Platzrivalen Roche. Anleger sind vor allem dann gut in den drei Indexschwergewichten aufgehoben, sollte sich die Hoffnung auf eine Belebung der Weltwirtschaft zerstreuen.

Doch auch sonst setzen viele Banken auf Titel, die sich schon 2019 bewährt haben. Häufig genannt wird beispielsweise die LafargeHolcim-Aktie. Sie wird neben der Zürcher Kantonalbank auch von Julius Bär, Vontobel sowie von Morgan Stanley empfohlen. Mit knapp 54 Franken kostet sie fast 33 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Firmenchef Jan Jenisch muss in den nächsten Monaten schon mit soliden Zahlen und weiteren Bereichsverkäufen aufwarten können, damit ihr Kurs weiter steigt.

Mehrere widersprüchliche Empfehlungen

Bei den Nebenwerten gelten die Aktien des Risikokapitalspezialisten Partners Group, des Finanzdienstleisters Cembra Money Bank sowie jene des Dentalimplantateherstellers Straumann als heisse Favoriten. Gerade die Valoren von Partners Group und Straumann standen schon 2019 weit oben auf der Gewinnerliste. Erst anfangs Woche wurde bekannt, dass die Cembra Money Bank die Finma über Unregelmässigkeiten bei der Kundendokumentation informiert habe. Der Kurs der Aktie geriet daraufhin ins Rutschen.

Wie vor Jahresfrist widersprechen sich einige Banken bei ihren Jahresfavoriten auch heuer wieder. Nicht nur bei Novartis, auch bei Temenos und Sonova werden die diesjährigen Aussichten sehr unterschiedlich beurteilt. Morgan Stanley rät Anlegern einen grossen Bogen um die Aktien von Temenos und Sonova zu machen. Bei Sonova stemmt sich die bekannte US-Investmentbank damit gegen Jefferies, bei Temenos gegen die Bank Vontobel.

Beim Bankensoftwarehersteller Temenos ist mit Panagiotis Spiliopoulos denn auch ein ehemaliger Vontobel-Mann Finanzchef. Zuvor leitete Spiliopoulos die Aktien-Analyse der Zürcher Bank.

Übersicht über die Kaufempfehlungen für 2020:

Bank Kaufsempfehlungen
Jefferies Novartis, Sonova
Julius Bär LafargeHolcim, Nestlé, Helvetia, Partners Group, Mobimo
Morgan Stanley Adecco, LafargeHolcim
Société Générale Nestlé, Novartis, Richemont, Roche, Swisscom
UBS Landis+Gyr, Stadler Rail
Vontobel LafargeHolcim, Lonza, Nestlé, Richemont, Roche, SGS, Logitech, Temenos, Straumann, Partners Group, Also, Cembra Money Bank, Flughafen Zürich, Georg Fischer, Huber+Suhner, Investis
ZKB LafargeHolcim, Roche, SGS, Swatch Group, Zurich Insurance, Aryzta, Cembra Money Bank, Gurit, SoftwareONE, Straumann

Apropos Vontobel: Die Zürcher Bank steigt mit ganzen 17 Schlüsselkaufempfehlungen ins Rennen (cash berichtete). Gerade mit den Aktien von Flughafen Zürich und Georg Fischer beweist sie Mut. Georg Fischer macht der Abschwung in der Automobilindustrie zu schaffen und beim Flughafen Zürich dürften sich regulatorische Vorstösse negativ in der Gewinnentwicklung niederschlagen.

Die UBS mit einem ganz eigenen Ansatz

Ebenfalls als mutig kann die Empfehlung der Zürcher Kantonalbank für die Aryzta-Aktie bezeichnet werden. Der Backwarenhersteller gilt als hochverschuldet. Hinzu kommen Absatzprobleme in Nordamerika. Im Segment der Nebenwerte setzt die Zürcher Kantonalbank ausserdem auf Cembra Money Bank, Gurit, den Börsendebütanten SoftwareONE und Straumann.

Übersicht über die Verkaufsempfehlungen für 2019:

Bank Verkaufsempfehlungen
Barclays Geberit, Novartis, UBS
Morgan Stanley Givaudan, Novartis, Schindler, Sika, Sonova, Temenos

Einen ganz eigenen Ansatz verfolgt die UBS. Für die grösste Schweizer Bank stehen in Europa drei Themen im Vordergrund: Die Bekanntgabe eines Fiskalpakets, nachhaltig hohe Dividenden sowie günstige Substanzaktien. Bei den beiden letzteren Themen setzt die UBS ausschliesslich auf Aktien aus dem benachbarten Ausland. Einzig unter den Profiteuren eines Fiskalpakets sind mit Stadler Rail und Landis+Gyr zwei Vertreter aus der Schweiz zu finden. Offiziell werden beide Aktien von den Analysten der Grossbank aber nur mit Neutral eingestuft. Bei Landis+Gyr liegt das 94 Franken lautende 12-Monats-Kursziel um fast 7 Prozent unter dem Stand von Ende Dezember.

Wenn sich über die nächsten 12 Monate etwas sagen lässt, dann dass es schwieriger werden dürfte, mit Schweizer Aktien Geld zu verdienen. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht - weder für die breit abgestützte Strategie der Bank Vontobel, noch für den Themenansatz der UBS.