Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat ihre Favoriten unter den Schweizer Finanz-Aktien neu beurteilt. Zwei Titel fallen dabei auf: Die UBS zählt nicht mehr zu den Finanz-Top-Picks der ZKB; und die zuständigen Analysten halten an den in letzter Zeit unter starkem Druck stehenden Aktien der Partners Group fest.
Die Titel der UBS werden nun mit «Marktgewichten» (zuvor: «Übergewichten») eingestuft. «Die jüngste Kursrallye hat die Aktie auf ein Niveau gebracht, das unserem fairen Wert entspricht und nur noch begrenztes weiteres Aufwärtspotenzial bietet», schreibt ZKB-Experte Ausano Cajrati Crivelli, der die Sektorstudie mit seinen Kollegen Daniel Regli und Georg Marti verfasst hat.
Der Analyst sieht den fairen Wert der UBS-Aktie bei 43 Franken. Sie war im Juni auf etwas über 41 Franken gestiegen und hat damit ein weiteres 18-Jahres-Hoch erklommen. Doch selbst ein Kurs von 45 Franken bietet aus Sicht des ZKB-Experten «nur noch moderates Upside».
Dennoch: Fundamental sei die UBS nach wie vor stark aufgestellt. Positiv sei namentlich, dass die Integration der Credit Suisse gut verläuft und einige grosse Börsengänge anstehen, welche der Bank Spielraum nach oben geben.
Derweil werden die neuen Kapitalvorschriften, welche Bundesrat und Parlament derzeit ausformulieren, als Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz erachtet - die UBS selbst und nun auch die Zürcher Kantonalbank sehen dies so. Dennoch sei der negative Gesamteffekt auf die von CEO Sergio Ermotti geleitete Bank über die nächsten zehn Jahre handhabbar, so das Fazit von Cajrati Crivelli, der die UBS abdeckt.
Unterdessen steht der Rücktritt Ermottis in den kommenden Jahren an. Im Übergang zu einer Nachfolge an der Spitze der noch einzigen global aktiven Schweizer Grossbank sehen die ZKB-Spezialisten eines der Hauptrisiken. Das andere betrifft die Abschreibung der AT1-Anleihen. Das diesbezügliche abschliessende Urteil des Bundesgerichts steht noch aus und dürfte die Stimmung der Investoren beeinflussen - je nach Ausgang. Die ZKB-Analysten gehen aber davon aus, dass das Urteil «keine wesentlichen Auswirkungen auf die Bank haben wird».
Partners Group: Waren die jüngsten Kursrückgänge übertrieben?
Die Aktien der Partners Group sind allein seit Mitte Mai um 28 Prozent auf 654 Franken gefallen. Das ist der tiefste Stand seit sechs Jahren und markant weniger als das Allzeithoch von 1667 Franken vom Herbst 2021.
Zum Kursverfall der vergangenen Wochen hat die Nachricht wesentlich beigetragen, dass der Privatmarktspezialist aus Baar die Rücknahmen bei einem seiner Private Equity-Fonds eingeschränkt hat. Dieses sogenannte «Gating» löste Anfang Juni einen 16-prozentigen Sturz der Aktie an einem Tag aus.
Und diese Reaktion sei übertrieben gewesen, heisst es in der ZKB-Studie, welche diese Woche erschienen ist. Denn während die Titel um einen zweistelligen Prozentwert einbrachen, hätte das «Gating» die Schätzungen zum Gewinn je Aktie um weniger als 1 Prozent beeinflusst, so Daniel Regli, der bei der ZKB für die Partners Group zuständig ist.
Er ist denn auch zuversichtlich, was den Geschäftsgang der Partners Group (PG) betrifft: «Ein diversifiziertes Produktangebot dürfte es PG ermöglichen, trotz einer vorübergehenden Abschwächung der Privatkundennachfrage weiterhin ein gutes Wachstum der verwalteten Vermögen zu erzielen.»
Die Einstufung der Partners Group durch die ZKB lautet weiterhin «Übergewichten»; der faire Wert der Aktie liegt bei 1300 Franken, woraus sich ein Kursgewinnpotenzial von fast 100 Prozent zum Schlusskurs vom Dienstag errechnet.
Zurich Insurance bleibt Top-Pick
Mit Zurich Insurance zählt ein weiterer Finanz-Titel des Swiss Market Index zu den Aktienfavoriten der Zürcher Kantonalbank - so, wie schon in der letzten Finanzsektor-Studie der ZKB, die im April veröffentlicht wurde.
Das Versicherungsunternehmen weist laut dem zuständigen ZKB-Experten, Georg Marti, «ein sehr solides, widerstandsfähiges Geschäftsmodell, das Wachstum und eine hohe Eigenkapitalrendite ermöglicht». Positiv sei auch die erwartete Dividendenrendite von momentan 5,5 Prozent sowie die Übernahme des britischen Spezialversicherungskonzerns Beazley.
Somit bleiben die Experten beim Übergewichten-Rating. Den fairen Wert je Aktie veranschlagen sie bei 684 Franken. Das sind 17 Prozent mehr als der Schlusskurs vom gestrigen Dienstag.
Zu den weiteren ZKB-Favoriten unter den Schweizer Finanz-Aktien gehören Swissquote, VZ Holding, Julius Bär, Banque Cantonale de Genève (Genfer Kantonalbank), St. Galler Kantonalbank sowie Helvetia Baloise. Die folgende Tabelle zeigt den fairen Werte, das Gewinnpotenzial und das Rating für jede dieser Aktien.
| Aktie | Fairer Wert (ZKB) | Gewinnpotenzial | Rating (ZKB) |
| Swissquote | 60 Franken | 54 Prozent | Übergewichten |
| VZ Holding | 185 Franken | 23 Prozent | Übergewichten |
| Julius Bär | 73 Franken | 10 Prozent | Übergewichten |
| BC de Genève | 40 Franken | 20 Prozent | Übergewichten |
| St. Galler Kantonalbank | 760 Franken | 20 Prozent | Übergewichten |
| Helvetia Baloise | 245 Franken | 16 Prozent | Übergewichten |
Tabelle: ZKB-Favoriten unter den Schweizer Finanzwerten / Gewinnpotenzial gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag.
Nicht zu den Favoriten der Züricher Kantonalbank zählen die SMI-Finanz-Aktien von Swiss Re und Swiss Life, deren Einstufung jeweils «Marktgewichten» lautet. Von den Titeln des breiten Marktes haben es unter anderem Cembra, EFG International, Leonteq und Valiant nicht in die Finanz-Top-Picks geschafft. Auch bei ihnen steht das Rating jeweils bei «Marktgewichten».

