Schweizer Leitindex - Fünf Gründe, weshalb das SMI-Rekordhoch bald geknackt wird

Noch rund 500 Punkte trennen den Swiss Market Index vom Allzeithoch. Die Anzeichen verdichten sich, dass dieser Rekord eher früher als später überboten wird.
08.05.2017 23:04
Von Pascal Züger
Das SMI-Rekordhoch liegt bei 9548 Punkten.
Das SMI-Rekordhoch liegt bei 9548 Punkten.
Bild: pixabay.com

Am 4. Juni 2007 kletterte der Swiss Market Index (SMI) im Handelsverlauf auf 9548 Punkte. Dieser Wert stellt bis heute das Allzeithoch des Schweizer Leitindex dar. Denn es folgte vor knapp zehn Jahren die internationale Banken- und Finanzkrise, die den SMI bis zum März 2009 bis um dramatische 55 Prozent auf 4310 Punkte zusammensacken liess.

Entwicklung des SMI in den letzten 15 Jahren

Quelle: six-swiss-exchange.com

Seither befindet sich die Börse in einem Bullenmarkt. Im August 2015 fehlten für einen neuen Rekordstand mickrige 10 Pünktchen, ehe Wachstumssorgen in China die Börse in der Schweiz und anderswo wieder korrigieren liessen. Seit Ende Dezember wagt der SMI nun den nächsten Anlauf, die mittlerweile schon fast zehn Jahre bestehende Rekordmarke zu überbieten. Am Freitag überstieg der Leitindex die 9000-Punkte-Hürde.

Es fehlen also noch rund 6 Prozent bis zum neuen Rekordhoch. Werden die 9548 Punkte bald überboten, oder kommt es - wie im Sommer 2015 - vorher zu einer Börsen-Korrektur? Folgende Gründe sprechen dafür, dass ersteres der Fall sein wird:

1. Weiter aufhellendes Marktumfeld

Die Stimmung an den Finanzmärkten ist deutlich positiver als noch vor ein oder zwei Jahren. Verschiedene Indikatoren verdeutlichen dies: Letzte Woche zeigte etwa der Einkaufsmanagerindex der Eurozone für April, dass die Unternehmensstimmung so gut ist wie seit sechs Jahren nicht mehr. Und die Wahl Emmanuel Macrons zum neuen Präsidenten von Frankreich hat darüber hinaus zur Beruhigung der Märkte beigetragen. Auch der globale Wachstumsmotor China konnte im ersten Quartal überraschend 6,9 Prozent Wachstum verzeichnen. Das gibt den Börsen weltweit Schub.

2. Anlagenotstand bleibt

Von der Schweizerischen Nationalbank kommen keinerlei Signale, dass sie von den Negativzinsen abrücken will. Daran wird sich auch nichts ändern, solange die Europäische Zentralbank ihre expansive Geldpolitik beibehält. Dadurch bleiben die Zinsen auf Privat- und Sparkonti sehr tief. Und da auch Obligationen kaum mehr Zins abwerfen und der Schweizer Immobilienmarkt als gesättigt gilt, bleiben als potenziell lukrative Anlagemöglichkeit praktisch nur noch Aktieninvestments. "Statt das Geld zu horten und so mitunter auch Negativzinsen zu zahlen, legen es die Investoren lieber wieder an der Börse an", beschrieb Alfred Herbert am 28. April 2017 im cash-Börsen-Talk die Situation für Anleger.

3. Aufholpotenzial gegenüber anderen Börsen

Gemäss Blackrock-Anlagestratege Martin Lück bietet der Schweizer Aktienmarkt mehr Potenzial als viele andere europäische Börsen, wie er vergangene Woche im Video-Interview mit cash sagte. Dies deshalb, da der Schweizer Leitindex anderen Börsen hinterher hinkt. In der Tat kann der SMI performancemässig mit plus 15 Prozent in den letzten 12 Monaten mit anderen Börsen nicht mithalten: Beim deutschen DAX sind es über den gleichen Zeitraum gesehen plus 24 Prozent, beim französischen CAC 40 plus 25 Prozent und beim britischen FTSE 100 immerhin plus 20 Prozent. 

4. Schwung durch Knacken der 9000er-Marke

Am letzten Freitag hat der SMI die 9000-Punkte-Hürde übersprungen. Mit dem Allzeithoch, respektive sogar der magischen 10‘000-Punkte-Marke vor Augen, könnte sich unter Marktteilnehmern eine neue Begeisterung für Aktien entwickeln. Mehr und mehr Privatanleger könnten an den Aktienmarkt zurückkehren, den viele von ihnen so lange gemieden hatten.

5. Änderungen hauchen dem Leitindex neues Leben ein

Bei der Zusammensetzung und Gewichtung der Aktien im SMI hat es Änderungen gegeben - oder sie stehen noch an: Der Pharmazulieferer Lonza hat am 3. Mai den Platz von Actelion geerbt, ab 15. Mai wird der Baustoffkonzern Sika die Position von Syngenta einnehmen. Zwar sind diese Aktien im Vergleich zu Nestlé, Novartis oder Roche punkto Gewichtung im SMI nur sehr kleine Fische, doch könnte diese "Verjüngungskur" für mehr Bewegung sorgen. Zumindest müssen sich Fondsmanager nun mit Lonza- und Sika-Titeln eindecken.

Wichtiger ist die Änderung, die erst im September wirksam wird: Die maximale Gewichtung von Aktien im SMI wird dann auf 18 Prozent pro Titel begrenzt. Direkt betroffen sind davon Nestlé und Novartis mit einer aktuellen Gewichtung von 22,94 respektive 18,8 Prozent (cash berichtete). Für die SMI-Kursentwicklung könnte sich diese Neuerung als positiv herausstellen. Denn Nestlé und Novartis sind defensive Aktien, und diese wirken in Zeiten eines Konjunkturaufschwungs eher bremsend auf die SMI-Performance.