Das Bild ist eigentlich erstaunlich: Seit Anfang Jahr steht die Schweizer Börse im internationalen Vergleich schlecht da. Zwar erwischten die Aktienmärkte rund um den Globus einen miserablen Start ins neue Jahr. Doch während sich amerikanische und britische Aktien zurück an die Gewinnschwelle gearbeitet haben, dümpelt die Schweizer Börse immer noch mit einem Minus von mehr als 10 Prozent vor sich hin. Nur der japanische Nikkei-Index ist noch schlechter unterwegs, wie folgende Tabelle zeigt.
| Börsen-Index | Performance seit 1.1.2016, in % |
| S&P 500 | +0,3 |
| FTSE 100 | -0,5 |
| EuroStoxx 50 | -5,6 |
| SMI | -10,7 |
| Nikkei | -12,1 |
Quelle: cash.ch, Stand 21.03.2016
Erstaunlich ist das deshalb, weil der Swiss Market Index (SMI) gewöhnlicherweise als defensiv gilt. In turbulenten Zeiten also weniger stark schwankt als andere Märkte. Grund dafür ist die starke Gewichtung der als robust geltenden Pharmaunternehmen Novartis und Roche. Im SMI sind sie für gut 40 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich. Doch derzeit sind sie alles andere als robust. Denn die beiden Basler Aktien (Novartis -18 Prozent, Roche -15 Prozent) gehören zusammen mit den Grossbanken und LafargeHolcim im laufenden Jahr zu den schlechtesten Titeln im SMI.
Wie stark Novartis und Roche unter Druck gekommen sind, zeigt auch ein Blick auf die längerfristige Performance. Beide Titel notieren auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2013 (Twitter schrieb sie, der Preiswucher bei Medikamenten sei unverschämt und sie wolle dagegen vorgehen.
Price gouging like this in the specialty drug market is outrageous. Tomorrow I'll lay out a plan to take it on. -H https://t.co/9Z0Aw7aI6h
— Hillary Clinton (@HillaryClinton) 21. September 2015
Seither haben sich Clintons Aussichten auf das Präsidentenamt mit Sicherheit nicht verschlechtert. Und die Unsicherheit in der Pharma- und Biotechbranche nimmt laufend zu. Der von Bloomberg berechnete "Pfizer, Sanofi gehören zu den Verlierern der letzten Monate.
Enttäuschende Geschäftszahlen
Gewiss, der Medikamentenmarkt in den USA ist äusserst lukrativ. Die staatlich subventionierten Programme Medicare und Medicaid bescheren den Pharma- und Biotechunternehmen fette Umsätze bei hohen Preisen. Würde diesbezüglich an der regulatorischen Schraube gedreht, hätte das auch in Basel Konsequenzen. Roche erzielt in den USA 33 Prozent des Pharma-Umsatzes, bei Novartis sind es 37 Prozent des Nettoumsatzes.
Doch bei Novartis und Roche drücken zusätzlich noch unternehmensspezifische Faktoren auf den Aktienkurs. So wurden die Roche-Geschäftszahlen für 2015 von Analysten als durchzogen aufgenommen. Insbesondere der vorsichtige Ausblick und die geringe Dividendenerhöhung wurden bemängelt. Zudem ist die Konkurrenz durch Nachahmerprodukte (Biosimilars oder Generika) und ablaufende Patente ein dauerhaftes Damoklesschwert. Entscheidend ist deshalb, welche Produktekandidaten es von der Pipeline auf den Markt schaffen.
Diesbezüglich sieht die Analyse-Abteilung der Zürcher Kantonalbank (ZKB) bei Roche eine Schwäche: Positive Daten aus der Pipeline beträfen immer noch fast nur die Onkologie, schreiben sie in einem aktuellen Kommentar. Roche-CEO Severin Schwan sagte neulich in einem Interview, die nächsten anderthalb Jahre seien kritisch, weil eine Reihe wichtiger Studienergebnisse anstünden.
Aktien günstig bewertet
Auch Novartis erfüllte mit den jüngsten Zahlen die Erwartungen der Experten nicht. Der erstarkte US-Dollar, Probleme in der Augenheilsparte Alcon sowie Patentabläufe belasteten die Konzernrechnung 2015. Die Novartis-Bosse wollen mit einer Neuausrichtung von Alcon sowie weiteren Massnahmen zur Effizienzsteigerung Gegensteuer geben.
Das laufende Jahr 2016 sieht Novartis-CEO Joseph Jimenez dabei als Übergangsjahr. Das liege nicht zuletzt an den erwarteten Umsatzeinbussen durch Generikakonkurrenz. Mit mehr als drei Milliarden Dollar falle diese so hoch aus wie noch nie zuvor.
Nichtsdestotrotz sind die langfristigen Perspektiven für Novartis und Roche intakt. Die beiden Milliardenunternehmen gehören zu den erfolgreichsten Firmen der Welt. So findet sich kaum ein Analyst, der die beiden Aktien nicht zum Kauf empfiehlt. Hinzu kommt, dass die Bewertungen mittlerweile auf günstige Niveaus gesunken sind und beide Unternehmen attraktive Dividendenrenditen von rund 3,5 Prozent bezahlen. Vielmehr dürften sich weitere Kursrückschläge zum Einstieg anbieten.

Quelle: cash.ch, Stand 21.03.2016