Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran und das Tauziehen um die Strasse von Hormus dominieren an den europäischen Aktienmärkten weiter die Stimmung. Der Dax rutschte zur Wochenmitte um bis zu 1,2 Prozent auf 24.839 Punkte ab; der EuroStoxx50 gab um 0,4 Prozent auf bis zu 6256 Zähler nach. «Insgesamt findet der Handel weiter im Spannungsfeld zwischen geopolitischer Gemengelage und Berichtssaison statt», konstatierte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets.
Rohöl verteuerte sich weiter, nachdem die iranischen Revolutionsgarden mit der Schliessung weiterer wichtiger Schifffahrtswege gedroht haben, um die USA und ihre Verbündeten unter Druck zu setzen. «Die regionalen Energieexporte werden entweder von allen geteilt oder allen verwehrt», erklärte die Eliteeinheit am Mittwoch. Der Iran hatte wieder die Strasse von Hormus gesperrt, woraufhin die USA erneut eine Seeblockade iranischer Häfen verhängten. Nach dem Sprung um knapp zehn Prozent zum Wochenanfang zog der Preis für Brent erneut um rund zwei Prozent auf bis zu 86,55 Dollar je Barrel an.
Ein überraschend deutlicher Rückgang der US-Inflation hatte am Vortag die Furcht vor den Folgen der höheren Energiepreise gelindert und für leichten Auftrieb an den Börsen gesorgt. «Der steigende Ölpreis angesichts besorgniserregender Entwicklungen in Nahost ist ein schlechtes Omen für die Preisstabilität», sagte Jochen Stanzl, Analyst der Consorsbank. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die US-Notenbank später im Jahr noch an der Zinsschraube drehen werde.
BASF trotz Prognoseerhöhung unter Druck
Der Chemieriese BASF konnte trotz eines überraschend starken Quartals und hochgeschraubter Ziele die Anleger nicht überzeugen. Die Titel fielen um bis zu 4,3 Prozent ans Dax-Ende. Nach Ansicht von Analyst Sebastian Bray von der Bank Berenberg dürften sich die Anleger vor allem an dem schwachen operativen Ergebnis in der Chemiesparte stören. BASF hatte mitgeteilt, dass das Ebitda in diesem Segment deutlich unter den Analystenschätzungen lag. Sorge bereiteten zudem die jüngsten Preisrückgänge bei einigen Basischemikalien.
Der Rückenwind durch eine erneute Anhebung der Jahresziele beim Chipausrüster ASML flaute bei Infineon zügig ab. Nach einem Anstieg um zunächst ein Prozent drehten die Titel rund drei Prozent ins Minus. Dagegen griffen die Anleger beim Chip-Ausrüster ASML zu. Die Kursgewinne von bis 7,9 Prozent grenzten sich im Handelsverlauf aber auf rund die Hälfte ein. «Durchweg hervorragende Ergebnisse – ich frage mich, woher sie so viel neue Kapazität genommen haben», kommentierte Michael Roeg, Analyst bei Degroof Petercam, die Quartalsentwicklung. ASML kündigte auch einen Ausbau der Kapazitäten an. Im Sog von ASML legten die Aktien der Rivalen ASM International, BE Semiconductor und Soitec in der Spitze zwischen rund drei und fünf Prozent zu.
Ein boomendes Schmuckgeschäft bescherte unterdessen dem Cartier-Mutterkonzern Richemont ein Rekordhoch. Die Titel stiegen in der Spitze um 7,4 Prozent und gaben dem gesamten Luxussektor einen Schub. Richemont, zu dem auch die Schweizer Uhrenmarken Piaget und IWC gehören, legte beim Umsatz im abgelaufenen Quartal um 20 Prozent zu. Der Konzern profitiere vom Wachstum an beiden Enden des Luxusmarktes, sagte Bernstein-Analyst Luca Solca. Bei den Ultrareichen steige die Nachfrage nach hochwertigem Schmuck. Aufstrebende Konsumenten griffen dagegen bei Produkten mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis zu. Auch die Rivalen LVMH, Hermes und Kering waren gefragt.
(Reuters)

