Trotz einer ungewissen Zukunft, geprägt von technologischem Wandel, gibt es Konstanten, die in allen Kulturen fest verankert sind. Eine davon ist die Musik. Zwar hat auch sie sich im Laufe der Zeit stetig gewandelt, doch begleitet sie die Menschheit seit Jahrtausenden – von sanften Flötenklängen bis hin zu Technopartys in Clubs.

Vergangenes Jahr erzielte die Musikindustrie laut Global Music Report der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) einen Umsatz von 29,6 Milliarden Dollar. Zunehmend gewinnt insbesondere das Streaming an Beliebtheit - die wenigsten Leute hören noch CDs oder haben gar einen Plattenspieler im Wohnzimmer. Dabei liegt die Wachstumsrate des Streamingmarktes gemäss research&markets bis 2027 bei 30 Prozent.

Für einige ist Musik einfach nur ein täglicher Aufsteller oder Rückzugsort, für andere steckt ein Geschäftsmodell und viel Geld dahinter. So bietet die Branche einige spannende Investmentchancen. Sie decken unterschiedliche Segmente der Musik-Wertschöpfungskette ab – von Streaming über Labels bis zu Live-Events und regionalen Märkten.

1) Spotify

Gerade von dem mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Geschäftsmodell profitiert der Vorreiter des Streamings, und das ist Spotify. Der 2006 in Schweden gegründete Konzern gilt mittlerweile als klare Nummer eins und zählte im letzten Quartal 713 Millionen Nutzer, davon 281 Millionen zahlende Premiumkunden. Auch die Zahlen überzeugten im dritten Quartal - Umsatz und Konzerngewinn stiegen weiter an. Dennoch musste Spotify die Abo-Preise erhöhen, da Finanzierungskosten, höhere Steuern und Sozialabgaben für die Beschäftigten die Zahlen trübten. 

Trotz höherer Abgaben in den vergangenen Wochen kann die in den USA kotierte Aktie auf ein erfolgreiches Börsenjahr 2025 zurückblicken. Der Kurs hat rund 20 Prozent an Wert gewonnen, während der Gesamtmarkt gemessen am S&P 500 18 Prozent zugelegt hat. Das Kursplus in den letzten drei Jahren beträgt nicht weniger als 730 Prozent. Die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 85 aber nach wie vor sehr hoch bewertet, daher ist es unerlässlich, dass der Konzern auch künftig sein Wachstumsnarrativ beibehält. Die Unterhaltungsbranche verzeichnet durchschnittlich ein KGV von 20 bis 21.

2) Apple

Ein weiterer «Big Player» am Gesamtmarkt ist Apple. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 4 Billionen reiht sich der im Silicon Valley ansässige Konzern zuvorderst in der Rangliste der wertvollsten Unternehmen ein. Dabei produziert der Apple-Hersteller nicht nur Smartphones, er bietet auch eine Vielzahl von Dienstleistungen an, darunter auch Streaming- und Lizenzierungsdienste wie Apple Podcasts oder Apple Music. Dabei stieg der Techkonzern damals noch vor Spotify als Vorreiter in die Branche ein, mit dem iTunes Music Store. Der Unterschied: auf iTunes musste man Songs kaufen, bei Spotify konnte man sie streamen. Mittlerweile verfügen beide Konzerne über ein ähnliches Angebot.

Im letzten Jahr beträgt der Zuwachs der Apple-Aktien 9 Prozent. Dabei fällt insbesondere der Kursverlauf der letzten fünf Jahre auf: 113 Prozent des gesamten Wertzuwachses sind nämlich auf diesen Zeitraum zurückzuführen. Spätestens seit der Lancierung des Begriffs «Magnificent Seven» dürften sie in viele Portfolios aufgenommen worden sein. Ähnlich wie bei Spotify verdeutlicht das vergleichsweise hohe KGV von 38 die Wachstumserwartungen der Anleger und unterstreicht die starke Marktposition. Der Kampf im Wettrennen um die KI-Dominanz ist einer der zentralsten Aspekte für den weiteren Kursverlauf. 

3) Alphabet

Apropos Kampf um die KI: In diesem Wettstreit spielt natürlich auch Alphabet mit. Der Google-Konzern ist ähnlich wie Apple nicht vornehmlich für das Musikgeschäft bekannt, beteiligt sich mit YouTube Music aber durchaus auch daran. YouTube Music bietet abonnementbasiert einen Streaming-Dienst für Musikvideos und Songs. Gekauft hat der Techriese beziehungsweise Google YouTube vor vierzehn Jahren für rund 1,7 Milliarden Dollar. Heutzutage macht dieser Bereich rund zehn Prozent der gesamten Einnahmen aus. YouTube Music und Premium kommen gemeinsam auf mehr als 125 Millionen Abonnenten. 

Die Jahresbilanz der Aktie der Google-Mutter übertrifft sogar noch diejenige von Spotify. 62 Prozent hat die Alphabet-Aktie an Wert dazugewonnen seit dem 1. Januar 2025. Mit der Bilanz von 247 Prozent in den letzten fünf Jahren wäre zudem das Wettrennen gegen Apple gewonnen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 30 liegt zudem leicht unter demjenigen von Apple. 

4) Universal Music Group

Spricht man von Unterhaltungsindustrie, darf auch der Name Universal Music Group (UMG) nicht fehlen. Das Musiklabel profitiert dank Musikrechten und Lizenzgebühren, sobald die Songs beispielsweise über Musikplattformen abgerufen werden. Der europäische Konzern gilt in seiner Branche als grösster der Welt und hatte oder hat viele der erfolgreichsten Musiker unter Vertrag. Darunter Abba und Louis Armstrong, oder aktuellere Namen wie Ariana Grande oder Taylor Swift. Letztere hatte dem Aktienkurs anfangs letztes Jahr Aufschwung verliehen. 

Die Aktie zählt als Neuling in Börsenkreisen. Vivendi hatte seine Tochter im September 2021 mit einem der grössten Börsengänge in diesem Jahr als eigenständige Gesellschaft an die Euronext Amsterdam und die New York Stock Exchange gebracht. Der Börsenkurs von rund 25 Euro lag weit über dem Ausgabepreis von 18,50 Euro. Heute notieren die Titel mit 21,40 Euro jedoch wieder unter dem Ausgabepreis. Der Totalverlust beträgt also 7 Prozent, im vergangenen Jahr waren es 12 Prozent. Wie Analysten jedoch begründen, verfügt das Unternehmen über eine sehr gesunde Bilanz, sowie ein angemessenes Gleichgewicht bei der Rückführung von Barmitteln an die Aktionäre. Gleichzeitig investiere UMG ausreichend in sein Geschäft, unter anderem dank Übernahmen. Eine davon ist die potenzielle Übernahme von Downtown, welche aufgrund Bedenken seitens der EU-Kommission für Aufsehen sorgt. 

5) iHeart Media

Anders als UMG hat iHeart Media in diesem Jahr eine beeindruckende Performance hingelegt. 125 Prozent beträgt der Zuwachs in den zwölf Monaten von 2025, knapp 170 Prozent in den letzten sechs Monaten. Das derzeitige Kursniveau wurde zuletzt im März 2023 erreicht. Angetrieben wurde die Rallye von einer angekündigten Partnerschaft mit Netflix - ein Wendepunkt? iHeart Media wagt damit die Expansion in den wachsenden Markt der Video-Podcasts. Dank des Abkommens könnten die populären Formate des Unternehmens über die globale Plattform von Netflix einem neuen Publikum zugänglich gemacht werden.

Das texanische Medienunternehmen ist hauptsächlich im Bereich der Hörfunk- und Fernsehübertragung tätig. iHeart Media verfügt mit 243 Millionen Hörern pro Monat in den USA über die grösste Reichweite aller Radio- und Fernsehsender in Amerika. Das Unternehmen besitzt und betreibt 850 Radiosender, die mehr als 150 Märkte in den USA bedienen. 

6) Live Nation Entertainment

Wie so viele der bisher vorgestellten Aktien ist auch Live Nation Entertainment in den USA ansässig. Wie der Name schon sagt, ist die Ticketmaster-Mutter auf Live-Veranstaltungen spezialisiert. Konkret organisiert Live Nation Konzerte und betreibt Ticketing-Plattformen. So hält Live Nation beispielsweise die Anteilsmehrheit am Veranstalter des Open Air Frauenfeld.

In den letzten 52 Wochen hat sich die Aktie etwa 15 Dollar verteuert, von 128 auf 143 Dollar. Beachtlicher ist der 88-prozentige Wertzuwachs in den vergangenen fünf Jahren, beziehungsweise 1100 Prozent seit dem IPO im Jahr 2005. Das KGV von 103 ist sehr hoch und vermutlich durch die Pandemie bedingt etwas verzerrt. Dennoch bleibt die Nachfrage nach Konzertveranstaltungen gemäss Live Nation ungebrochen, auch das Spielstätten-Geschäft bleibt ein Wachstumsmotor. Für 2026 hat das kalifornische Unternehmen laut eigenen Angaben schon 26 Millionen Tickets verkauft. 

7) Hybe Corporation

Das südkoreanische Unternehmen wurde im Jahr 2005 unter dem Namen Big Hit Entertainment gegründet und übertraf als erstes Musikunternehmen des Landes einen Umsatz von eine Billion Won. Das Musiklabel unter der Führung von Bang Si-hyuk, der sich aktuell mit drei verschiedenen Skandalen herumschlagen muss, ist erst seit 2020 an der Börse. Hybe Corporation managt diverse K-Pop-Bands, darunter BTS. Die Boyband hat ihr Comeback und eine neue Platte und Tour angekündigt.

Die Aktien dürften dank dieser Entwicklung und eines zunehmenden Interesses an K-Pop weiteren Aufschwung erfahren. Auch die Fortschritte bei der globalen Expansion und in anderen Musikgenres lassen auf langfristige Wachstumsperspektiven hoffen. Die Aktien haben letztes Jahr 55 Prozent zulegen können, auf Fünfjahressicht sind es um die 90 Prozent. 

8) Tencent Music Entertainment Group

Last but not least darf Tencent als wertvollstes chinesisches Unternehmen und Teil der Tech-Spitzengruppe nicht fehlen. Die dazu gehörende Tencent Music Entertainment (TME) ist Chinas führende Online-Musik- und Audio-Plattform. Sie betreibt verschiedene Apps und bietet Streaming, Karaoke und Livestreaming an. TME zählt mehr als 800 Millionen aktive Nutzer und 120 Millionen zahlende Abonnenten. Also in etwa ähnlich wie Spotify. Darüber hinaus überzeugt das Unternehmen mit ihrem KI-Fortschritt, der bereits bei In-App-Übersetzungen und Sprache-zu-Text-Funktionen ersichtlich ist. 

Während der chinesische Markt jüngst mit Risiken behaftet war, konnte sich Tencent klar distanzieren. Die Aktie hat 2025 57 Prozent zugelegt, der Hang Seng Index 30 Prozent. Das derzeitige Kursniveau entspricht demjenigen von vor fünf Jahren. Das KGV von 19 berücksichtigt zugleich Risiken wie Regulierung in China und begrenzte Margen im Musik-Streaming-Geschäft, spricht aber auch für eine moderate Bewertung im Branchenvergleich und ein solides Wachstum.

Aisha Gutknecht arbeitet seit Juli 2024 als Redaktorin für cash.ch.
Aisha GutknechtMehr erfahren