Überflieger-Aktien und ihre Zukunft

Trotz Börsen-Turbulenzen sind mehrere Schweizer Aktien nach den ersten neun Monaten des Jahres auf Höchststände gestiegen. Bei welchen Überfliegern wird die Luft langsam dünn und wo schlummert weiteres Potenzial?
01.10.2015 01:05
Von Ivo Ruch
In luftigen Höhen befindet sich eine gute Handvoll Schweizer Aktien.
In luftigen Höhen befindet sich eine gute Handvoll Schweizer Aktien.
Bild: ZVG

Blickt man auf den breiten Schweizer Aktienmarkt in Gestalt des Swiss Performance Index (SPI), liegt das Fazit nah: Es war bisher kein berauschendes Jahr. Mit einem Minus von gut 2 Prozent in den ersten drei Quartalen ist der SPI aber immer noch mehr als doppelt so gut unterwegs wie der Leitindex SMI. Einmal mehr zeigt sich die Stabilität des Gesamtmarktes in stürmischen Börsenzeiten.

Der SPI im laufenden Jahr, Quelle: cash.ch

Es erstaunt deshalb nicht, dass die besten Schweizer Aktien der ersten neun Monate in diesem Jahr aus dem SPI stammen (siehe Tabelle). Erst im Mittelfeld taucht mit Actelion ein Vertreter der "Grossen" auf. Einige von diesen Überfliegern stehen sogar auf einem Allzeithoch oder knapp darunter. cash schätzt ein, welche dieser Titel weiteres Potenzial haben und bei welchen die Luft langsam dünn wird.

Bell: Der Fleischverarbeiter Bell hat in diesem Jahr seinen Aktionären bereits einen 10-prozentigen Gewinn beschert. Die Basler haben Hilcona eingegliedert und dadurch Umsatz sowie Gewinn gesteigert. Zwar liegt der Fokus auf dem Schweizer Geschäft, was den Druck durch den starken Franken etwas abfedert. Gleichzeitig leidet Bell aber unter dem Einkaufstourismus, denn die Fleischpreise in der Schweiz bleiben hoch. Im Nahrungsmittelbereich weist Bell eine der günstigsten Bewertungen auf (KGV 11). Die geringe Liquidität der Aktie ist hingegen ein Minuspunkt. Zudem ist das Auslandsgeschäft weiterhin defizitär.

Absturzgefahr: mittel

Galenica: Der Höhenflug von Galenica ist imposant. Um 55 Prozent ist die Aktie seit Anfang Januar in die Höhe geklettert. Nur zwei Schweizer Aktien waren in diesem Zeitraum besser unterwegs. Dafür ist nicht nur ein überzeugendes erstes Halbjahr verantwortlich. Gerüchten zufolge soll auch der bekannte Investor Martin Ebner, der bereits zweitgrösster Galenica-Aktionär ist, seinen Anteil deutlich ausgebaut haben. Was er mit seinem Anteil vorhat, ist äusserst ungewiss. Die Aufspaltung in einen Pharma- und einen Apothekenteil ist wohl eine Frage der Zeit und ein Unsicherheitsfaktor. Zudem ist der Markt für Eisenmedikamente hart umkämpft. Die Luft für die Galenica-Aktie wird bereits langsam dünn. Die Aktie hat in den letzten Tagen bereits stark nachgelassen.

Absturzgefahr: gross

Glarner Kantonalbank: Die kleine Kantonalbank ist äusserst erfinderisch und hat sich im Bereich digitales Banking (Fintech) einen Namen gemacht. Mit diversen Onlinekanälen wie Hypomat oder Kontomat trotzen die Glarner dem Tiefzinsumfeld, das vielen kleinen Instituten zu schaffen macht. Der Lohn: Im laufenden Jahr ist die Glarner Kantonalbank die viertbeste Schweizer Bankaktie (+11 Prozent). Doch das starke Hypothekenwachstum hat zu einer grossen Anfälligkeit gegenüber möglichen Immobilienblasen geführt.

Absturzgefahr: mittel

Graubündner Kantonalbank: Noch ein wenig besser unterwegs als die Glarner KB ist das Graubündner Schwesterinstitut (Aktie seit Anfang Jahr + 13 Prozent). Die Bündner konnten kürzlich den Steuerstreit mit dem US-Justizministerium beilegen. Das gibt interne Ressourcen und Management-Kapazitäten frei. Die grössere Baustelle dürften auch in den kommenden Jahren ohnehin die tiefen Zinsen sein. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 für 2016 ist der GKB-Partizipationsschein zudem bereits stolz bewertet.

Absturzgefahr: mittel

Jungfraubahn: Auch die Jungfraubahn gehört zu den sturmfesten Schweizer Aktien. Weder der starke Franken noch die Turbulenzen in China konnten dem Titel bislang etwas anhaben. Unter dem Strich bedeutet das ein Plus im laufenden Jahr von 22 Prozent, die Aktie stösst in die Region von 100 Franken vor. Das Geschäft brummt vor allem im Sommer, 60 Prozent des Umsatzes stammt von asiatischen Gästen. Genau daher kommt aber Gefahr: Geht der ökonomische Kriechgang in China weiter, wird man das auch im Berner Oberland zu spüren bekommen.

Absturzgefahr: mittel

Lindt&Sprüngli: Am Zürichsee wird eine Menge richtig gemacht. Die klare Positionierung im Premium-Segment und permanente Investitionen begünstigen das Wachstum und lassen sogar den starken Franken sowie die hohen Kakaopreise vergessen. Die Aktie mit dem mit Abstand höchsten Preis am Schweizer Markt kostet mittlerweile mehr als 69'000 Franken. Die Aktionäre bekommen dafür seit Jahren überzeugende Performance-Zahlen. Im laufenden Jahr sind es beispielsweise plus 19 Prozent. Höchstens die Integration der übernommenen US-Firma Russell Stover könnte die gut geschmierte Erfolgsmaschinerie ins Stocken bringen.

Absturzgefahr: klein

Temenos: Der Aufwärtstrend beim Bankensoftwarehersteller Temenos hält schon länger an. Die Aktie ist in den letzten vier Jahren von 12 Franken auf aktuell über 40 geklettert. Das jüngste Feuerwerk zündete der Titel nach Bekanntgabe eines Deals mit der Nordea-Bank. Temenos profitiert stark von Transformationen der Bankenindustrie: zunehmende Digitalisierung und der Wandel zu mehr mobilen Lösungen. Diese Veränderungen haben erst begonnen, das Wachstum von Temenos ist noch nicht ausgereizt.

Absturzgefahr: klein

Die besten Schweizer Aktien der ersten neun Monate 2015

Titel Performance seit 1.1.2015, in %
Cytos +96
VZ Holding +67
Galenica, Titlisbahnen +55
BVZ +51
Air Tech +46
CFT, Leonteq +45
Kardex, u-blox +42
Gurit +39
Valiant +36
Vontobel +33

Quelle: cash.ch, Stand 30.09.2015 (14:00 Uhr)