Die Helvetische Bank hat ihre Favoritenliste für Schweizer Small- und Mid-Cap-Aktien angepasst. Neu erhalten Kardex und die R&S Group einen Platz auf der Empfehlungsliste «HB Swiss Equity Investment Propositions» und feiern damit ihr Comeback unter den bevorzugten Titeln der Zürcher Bank. «Beiden Unternehmen stehen wir fundamental schon länger positiv gegenüber und sehen auf dem aktuellen Kursniveau wieder attraktive Einstiegsgelegenheiten», begründen Remo Rosenau, Head of Research, und Manuel Peter, Research Analyst, die Entscheidung.

Kardex bezeichnen die Experten als «Wachstumsmaschine mit strukturellem Rückenwind». Der anhaltend starke Auftragseingang in den ersten Monaten des Jahres 2026 stütze die ambitionierten Mittelfristziele, die das Unternehmen im vergangenen Frühjahr vorgestellt hatte. Diese sehen innerhalb von fünf Jahren nahezu eine Verdopplung des Umsatzes vor. Die jüngst veröffentlichte Gewinnwarnung werten Rosenau und Peter lediglich als temporären Dämpfer. Kardex verfüge weiterhin über eine starke Marktposition, gestützt durch Arbeitskräftemangel und Automatisierungsdruck, sowie eine starke Nachfrage aus dem E-Commerce und dem Verteidigungssektor. Deshalb ordnen die Analysten den fairen Wert der Aktie bei rund 300 Franken ein. Gegenüber dem aktuellen Kursniveau von etwa 225 Franken ergibt sich daraus ein Aufwärtspotenzial von rund 30 Prozent.

Auch für die R&S Group bleiben die Aussichten aus Sicht der Helvetischen Bank attraktiv. Das Unternehmen verkörpere den Ansatz «Growth at a Reasonable Price» – also Wachstum zu einem vernünftigen Preis. Zwar sei am Markt eine gewisse Skepsis gegenüber den ambitionierten Wachstumszielen des Unternehmens spürbar, die grundlegenden Nachfragetreiber seien jedoch unverändert intakt. Zudem überzeugt R&S trotz einer anhaltenden Hochinvestitionsphase und der Absorbierung einer Grossübernahme mit Kostendisziplin. «Unserer Meinung nach macht diese Konstellation positive Überraschungen im laufenden Jahr wieder wahrscheinlicher», schreiben Rosenau und Peter. Zusammen mit der moderaten Bewertung und dem anhaltend positiven operativen Momentum in den ersten Monaten des Jahres schaffe dies eine solide Grundlage für weitere Kursgewinne. Mittelfristig halten die Analysten sogar einen Aktienkurs von 35 Franken für realistisch.

Begrenztes Aufwärtspotenzial

Weniger zuversichtlich zeigen sich die Analysten der Helvetischen Bank inzwischen bei Cembra Money Bank und Phoenix Mecano. Für die Aktien von Cembra Money Bank veranschlagen sie einen fairen Wert von 100 Franken. Gegenüber dem aktuellen Kurs von 94,10 Franken entspricht dies lediglich einem begrenzten Aufwärtspotenzial von rund sechs Prozent, wonach der Titel innerhalb der Favoritenliste an Attraktivität verliert. Dennoch liegt die Einschätzung der Helvetischen Bank weiterhin über dem durchschnittlichen Kursziel von 93,74 Franken.

Auch Phoenix Mecano muss die Empfehlungsliste verlassen und macht Platz für den neu aufgenommenen Titel Kardex. Nach dem rund 15-prozentigen Kursrückgang von Kardex im Juni sehen Rosenau und Peter beim Zürcher Lager- und Logistikspezialisten deutlich grösseres Erholungspotenzial als bei Phoenix Mecano. Zwar attestieren die Analysten auch dieser Aktie weiterhin eine moderate Bewertung. Der von vielen Investoren erhoffte Verkauf der chinesischen DOT Group, der eine Neubewertung der Aktie rechtfertigen könnte, dürfte allerdings noch nicht unmittelbar bevorstehen. Entsprechend bleibe Geduld gefragt, ehe sich die erwarteten Wertsteigerungspotenziale materialisieren.

Richtiger Anlagestil und wichtige Geduld

Die von der Helvetischen Bank zusammengestellte Auswahl von zwölf Aktien vereint aus Sicht der Analysten etablierte Marktführer mit aufstrebenden Herausforderern. Mit der Aufnahme in die Liste verbinden sie die Erwartung eines überdurchschnittlichen Kurspotenzials. Das Portfolio umfasst sowohl wachstumsstarke als auch attraktiv bewertete Value-Aktien.

Seit dem letzten Update Anfang Oktober 2025 legte der SPI Extra (SPIEX), der sämtliche ausserhalb des SMI kotierten Aktien umfasst, um 10,3 Prozent zu. Damit blieb er um 1,7 Prozentpunkte hinter dem SPI zurück. Die Favoritenliste der Helvetischen Bank entwickelte sich mit einem Minus von 3,5 Prozent ebenfalls schwächer als der Vergleichsindex.

Für positive Akzente sorgten insbesondere Schweiter mit einem Kursplus von 15,5 Prozent sowie Bossard mit einem Anstieg von 13,9 Prozent. Auf der Verliererseite standen hingegen Interroll (-44,6 Prozent), ALSO (-19,3 Prozent) und Mikron (-8,9 Prozent), welche die Gesamtperformance belasteten. Dennoch halten die beiden Analysten Rosenau und Peter an diesen Titeln fest. Sie sehen auf dem aktuellen Kursniveau weiterhin attraktives Aufwärtspotenzial auf mittlere Sicht. Ergänzt wird die Favoritenliste durch Dottikon, Aryzta, Skan, Forbo und Metall Zug.

Angesichts des anhaltend volatilen Marktumfelds empfehlen die Experten Anlegern einen Anlagehorizont von mindestens drei bis fünf Jahren. Für kurzfristig orientierte Handelsstrategien seien die Titel aufgrund ihrer teilweise begrenzten Liquidität hingegen weniger geeignet.

Aisha Gutknecht arbeitet seit Juli 2024 als Redaktorin für cash.ch.
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