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Die gute Nachricht zuerst: In Europa ist unser Schweizer Aktienmarkt weiterhin das Mass aller Dinge. Während der breit gefasste Stoxx Europe 600 Index zwischen Anfang Januar und Ende März um etwas mehr als 12 Prozent zulegen konnte, gewann der Swiss Performance Index (SPI) überdurchschnittliche 14,3 Prozent. Aus Sicht eines in Franken rechnenden Anlegers fällt die Bilanz sogar noch besser aus.

Die schlechte Nachricht: Auch für die hiesigen Unternehmen waren die Gewinnerwartungen der Analysten in all den Wochen und Monaten rückläufig. Zum einen trübte sich das Wirtschaftsumfeld ein und zum anderen erstarkte der Franken.

Treibende Kraft hinter dem Kursfeuerwerk war denn auch weniger die Entwicklung der Unternehmensgewinne als vielmehr die Hoffnung auf neue geldpolitische Impulse. Und tatsächlich: Erhebungen der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge pumpten die wichtigsten Zentralbanken alleine seit Jahresbeginn umgerechnet gut 1000 Milliarden Franken in die Märkte - und sorgten so für steigende Börsen und rückläufige Zinsen.

Nachdem der Swiss Market Index (SMI) im März nur knapp an der bisherigen Bestmarke vom Januar vergangenen Jahres bei 9616 Punkten vorbeischrammte, trennen ihn davon auch jetzt nur wenige Punkte. Dass von den gut 1000 Punkten, um die das Börsenbarometer zwischen Anfang Januar und Ende März gestiegen ist, fast die Hälfte auf das Konto des Schwergewichts Nestlé geht, zeugt von einem tiefen Misstrauen in die Entwicklung der Wirtschaft. Denn die Aktien des Nahrungsmittelmultis aus Vevey gelten als "sicherer Hafen" in turbulenten Zeiten. Der jüngste Höhenflug des Schwergewichts ist ein klares Misstrauensvotum und sollte stutzig machen.

Ohne die Dividendenabgänge von Roche und Novartis wäre der SMI wohl längst auf neues Rekordterrain vorgestossen. Und als ob das nicht schon genug wäre, geht in weniger als zwei Wochen auch bei Nestlé die Dividende ab – was das Börsenbarometer an diesem Tag rund 50 Indexpunkte kosten dürfte.

Bilanz der letzten Jahre

JahrAktienfavoritenSPI
2013+40,1 Prozent+23,9 Prozent
2014+11,4 Prozent+15,2 Prozent
2015+4,1 Prozent+2,4 Prozent
2016-3,7 Prozent-1,7 Prozent
2017+23,6 Prozent+20,1 Prozent
2018-19,1 Prozent-8,8 Prozent
2019*+12,3 Prozent+14,3 Prozent

* Schlusskurse vom 31. März 2019

Gelingt dem SMI ein Vorstoss in neues Rekordterrain, sind ihm kräftige Anschlusskäufe so gut wie sicher. Für Impulse könnten auch die europäischen Versicherer sorgen. Sie müssen ihre langfristigen Aktienbestände künftig in einem geringeren Umfang mit Eigenmitteln unterlegen. Morgan Stanley zufolge liegt die durchschnittliche Aktienquote bei 4 Prozent. Alleine schon eine Erhöhung auf 5 Prozent würde den europäischen Aktienmärkten einen 40-Milliarden-Franken-Schub bescheren, so rechnet die amerikanische Investmentbank vor.

Voraussetzung für neue Indexrekorde sind am Schweizer Aktienmarkt weiterhin steigende Kurse bei den Valoren von Nestlé, Roche und Novartis. Schliesslich sind die drei Schwergewichte für fast 60 Prozent der gesamten Börsenkapitalisierung verantwortlich.

Man muss kein Profi sein, um zu erahnen, was das für den SMI hiesse, sollten die mächtigen angelsächsischen Grossinvestoren wieder Gelder aus den drei Schwergewichten abziehen. Wie mir mehrere voneinander unabhängige Quellen berichten, warten insbesondere die angelsächsischen Momentum-Investoren nur darauf, die Verkaufstaste zu drücken. Noch lassen sie die Gewinne aber laufen. Bei den Genussscheinen von Roche könnte es bei Kursen unter 270 Franken ungemütlich werden, bei Novartis und Nestlé hingegen bei Kursen unter 90 Franken.

In den vergangenen Handelstagen waren erstmals zu Lasten der Indexschwergewichte gehende Umschichtungen zu beobachten. Darüber, ob diese weiter einreissen oder wieder abebben, dürfte wohl auch die ab Mitte April anlaufende Quartalsberichterstattung entscheiden. Bleibt zu hoffen, dass die Zahlenkränze von Nestlé, Roche und Novartis überzeugen können und die angelsächsischen Momentum-Investoren an Bord bleiben.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten

TitelAnzahlEinstandakt. Wert*ErfolgG/V
Barmittel  39'518,86  
Bâloise N75134,0012'337,50+2'287,50+22,76 Prozent
LafargeHolcim N25040,1012'297,50+2'272,50+22,67 Prozent
Nestlé N212579,8011'862,50+1'887,50+18,92 Prozent
Sika N85123,0011'823,50+1'368,50+13,09 Prozent
Aryzta N1'2301,22   1'676,49+181,42+7,68 Prozent
Autoneum N10153,40   1'148,00-386,00- 25,16 Prozent
Georg Fischer N12790,0010'884,00+1'404,00+14,81 Prozent
Siegfried N30332,0010'725,00+765,00+7,69 Prozent
      
Total  112'273,35 +12,29 Prozent

* Schlusskurse vom 31. März 2019

Mit meinen im Dezember kommunizierten Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2019 liess sich bis Ende März eine durchschnittliche Rendite von 12,3 Prozent erzielen. Die Differenz zum um 14,3 Prozent höheren SPI lässt sich voll und ganz mit der hohen taktischen Barmittelquote erklären. Immerhin beträgt diese mittlerweile gut 35 Prozent.

Ziemlich enttäuschend ist die Zwischenbilanz bei den Dogs of the SMI. War 2018 noch ein starker Jahrgang für diese dividendenstarken Aktien, errechnet sich seit Ende Dezember "nur" ein Plus von 9,7 Prozent.

Weiterhin die Nase vorn haben die Turnaround-Kandidaten mit einer Rendite von 15,1 Prozent. Das überrascht, scheuten die Anleger die Hochrisikoaktien doch wie der Teufel das Weihwasser. Noch haben sich die drei Neuzugänge Ascom, DKSH und Implenia zwar nicht bezahlt gemacht. Sich zuvor von GAM, Kudelski, Meyer Burger oder U-blox zu trennen und die aufgelaufenen Gewinne mitzunehmen, erweist sich rückblickend aber als richtig.

Bisherige Transaktionen

DatumTitel AnzahlKurs Total
28.12.2018Sika NKauf85123,00Franken10'455,00-
28.12.2018LafargeHolcim NKauf25040,10Franken10'025,00-
28.12.2018Nestlé NKauf25078,80Franken19'950,00-
28.12.2018Bâloise NKauf75134,00Franken10'050,00-
28.12.2018Siegfried NKauf30332,00Franken9'960,00-
28.12.2018Georg Fischer NKauf12790,00Franken9'480,00-
07.01.2019AMS IKauf7519,795Franken1'484,63-
07.01.2019Aryzta NKauf1'2301,2155Franken1'495,07-
07.01.2019U-blox NKauf1979,90Franken1'518,10-
07.01.2019GAM NKauf1'2303,994Franken1'497,75-
07.01.2019Meyer Burger NKauf2'2000,68Franken1'496,00-
07.01.2019Kudelski IKauf2605,70Franken1'482,00-
07.01.2019Autoneum NKauf10153,40Franken1'534,00-
28.01.2019AMS IVerkauf7527,93Franken2'094,75+
28.01.2019GAM NVerkauf3754,49Franken1'683,75+
01.02.2019Kudelski IVerkauf2606,46Franken1'679,60+
04.02.2019Meyer Burger NVerkauf2'2000,85Franken1'870,00+
04.03.2019U-blox NVerkauf1994,70Franken1'799,30+
04.03.2019Nestlé NVerkauf12590,96Franken11'370,00+


Aus aktuellem Anlass möchte ich nachstehend nun auf einzelne meiner Schweizer Aktienfavoriten zu sprechen kommen.

Gerade die Aktien von Nestlé sind gut - eventuell sogar etwas zu gut - gelaufen. Zuerst steht Mitte April der Dividendenabgang an, gefolgt von den Quartalsumsatzzahlen wenige Tage danach. Beim Nahrungsmittelmulti aus Vevey warten die Aktionäre nunmehr schon seit Wochen auf Neuigkeiten rund um den Verkaufsprozess für Skin Health. Spätestens seit die amerikanische Colgate nachträglich ins Rennen um diese Geschäftseinheit eingestiegen ist, wird an der Börse auf einen hohen Verkaufserlös spekuliert – genauso wie auf eine Aufstockung des Aktienrückkaufprogramms. Dennoch würde ich diesen Aktien jetzt nicht länger hinterher rennen.

Ähnliches liesse sich von den dividendenstarken Papieren von Bâloise sagen. Im Zuge wegfallender Nachreservierungen in Deutschland sollte sich im laufenden Jahr eine kräftige Gewinnerholung einstellen. Diese scheint mir allerdings im Kurs- und Bewertungsniveau des Versicherungskonzerns zusehends eskomptiert.

Aktuelle Positionen «Turnaround-Kandidaten»

TitelAnzahlEinstandakt. Wert*ErfolgG/V
Barmittel  31'720,45  
Aryzta N8'5801,1711'694,54+1'694,55+16,95 Prozent
Ascom N78012,8410'405,20+390,00+3,89 Prozent
Autoneum N73137,30  8'380,40-1'642,50-16,39 Prozent
DKSH N16859,55  9'643,20-361,20-3,61 Prozent
Implenia N30033,78  8'898,00-1'236,00-12,20 Prozent
      
Total  80'741,79 +15,11 Prozent

* Schlusskurse vom 31. März 2019

Weiterhin ein gewisses kursseitiges Aufwärtspotenzial sehe ich hingegen bei LafargeHolcim. Firmenchef Jan Jenisch stellt den Weltmarktführer aus Jona grundlegend neu auf – wenn auch in kleinen und überblickbaren Schritten. Als nächstes stehen die Geschäftsaktivitäten auf den Philippinen zum Verkauf. Gleichzeitig rundet Jenisch das Firmenportfolio mit ergänzenden Zukäufen ab. Das Vorgehen erinnert stark an das bei seinem früheren Arbeitgeber Sika. Etwas Geduld dürfte sich bei LafargeHolcim bezahlt machen. Die noch immer attraktiv hohe Dividendenrendite entschädigt fürs Warten.

Eher etwas enttäuscht bin ich von der Kursentwicklung von Sika und Siegfried. Dass Siegfried im Hinblick auf die kommende Generalversammlung ein bedingtes sowie ein genehmigtes Kapital vorschlägt, lässt auf eine weitere bevorstehende Grossübernahme schliessen. Der Pharmazulieferer bewies schon vor wenigen Jahren eine feine Nase, als er sich die ähnlich gelagerten Geschäftsaktivitäten der deutschen BASF unter die Nägel riss und dafür von der Börse grosszügig belohnt wurde. Sika ist den Beweis hingegen noch schuldig, mit der milliardenschweren Übernahme von Parex im erhofften Ausmass Aktionärswerte schaffen zu können. Ich hätte es lieber gesehen, der Baustoffhersteller wäre seiner bisherigen Akquisitionspolitik treu geblieben.

Beim Backwarenhersteller Aryzta und beim Automobilzulieferer Autoneum handelt es sich nur um kleine Titelpositionen. Wie bei meinen Turnaround-Kandidaten bedarf es bei diesen beiden Aktien grundlegender Fortschritte im operativen Geschäft. So heisst es nun erst einmal: Abwarten. Die Indexbedingten Verkäufe bei Aryzta sollten jedenfalls nicht weiter beunruhigen und sind vermutlich schon bald absorbiert.

Aktuelle Positionen «Dogs of the SMI»

TitelAnzahlEinstandakt. Wert*ErfolgG/V
Barmittel  261,68  
Adecco N22045,9311'686,40+1'581,80+15,65 Prozent
LafargeHolcim N24540,5012'051,55+2'129,05+21,46 Prozent
Swisscom N20469,70  9'740,00+346,00+3,68 Prozent
Swiss Re N11090,1210'700,80+787,60+7,94 Prozent
UBS N81512,24  9'837,05-134,47-1,35 Prozent
Zurich Insurance N35293,1011'536,00+1'277,50+12,45 Prozent
      
Total  65'813,48 +9,69 Prozent

* Schlusskurse vom 31.März 2019

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