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Die Strategen von Kepler Cheuvreux stufen die Aktienmärkte von «Neutral» auf «Overweight» herauf. Im Zuge dessen werden die Aktienbestände in den Kundenportefeuilles ausgebaut. Die Erhöhung erfolgt vollumfänglich zu Lasten der flüssigen Mittel. Angesichts der steigenden Kurse wurde der Druck wohl zu gross.
Die Strategen begründen diesen Schritt mit der überraschend widerstandsfähigen Weltwirtschaft sowie mit den erfreulich starken Unternehmensergebnissen, insbesondere in den USA. Ausserdem glauben sie, dass das Umfeld für Aktien auch weiterhin gut bleibt.
Aus Schweizer Sicht dürfte sich die Freude über die Heraufstufung vermutlich aber in Grenzen halten, denn die europäischen Aktienbestände werden zeitnah von 15 auf 10 Prozent reduziert. Sprich: Es kommt ziemlich genau ein Drittel zum Verkauf, sieht man die Musik künftig doch in Japan und den Schwellenländern spielen.
Der SPI steigt und steigt (Quelle: www.cash.ch)
Erst vor wenigen Tagen war einem Strategiepapier von Kepler Cheuvreux zu entnehmen, dass grosse Marktakteure in den ersten vier Wochen des neuen Börsenjahres als Nettoverkäufer von europäischen Aktien in Erscheinung getreten seien. Stéphanie Sureau und ihren Mitautoren zufolge traten im Januar insbesondere Banken und Broker (-12 Prozent) sowie Anlagefonds (-6 Prozent) als Abgeber in Erscheinung. Es waren denn auch vorwiegend britische Grossinvestoren (-13 Prozent), welche unter dem Strich Gelder abzogen. Im Gegenzug kauften Hedgefonds (+4 Prozent) sowie amerikanische Grossinvestoren (+3 Prozent) wacker europäische Aktien zu.
Der Aussage der Experten, dass Aktien aus der Schweiz (- 22 Prozent) im Januar bereits zum dritten Mal in Folge unter besonders starkem Verkaufsdruck gestanden hätten, begegnete ich mit folgenden Worten:
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Gestern Dienstag berichtete ich frühmorgens davon, dass der für Jefferies tätige Analyst Michael Leuchten mit seinem Roche-Kursziel von gerade einmal 230 Franken immer mehr in Erklärungsnot gerät. Im Insider Briefing schrieb ich, dass es sich hierbei um die tiefste mir bekannte Kursprognose eines Analysten überhaupt handelt. Zu diesem Zeitpunkt war mir allerdings noch nicht bewusst, wie hoch die Wellen sein würden, welche diese Zeilen werfen. Mein Telefon wollte an diesem Morgen nicht mehr stillstehen...
Ich möchte an dieser Stelle deshalb noch einmal auf den mir zugespielten Kommentar aus der Feder des Jefferies-Analysten zurückkommen. Darin verleiht er seinem Kursziel für die mit «Underperform» eingestuften Genussscheine bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage nochmals Nachdruck.
Wie Leuchten vorrechnet, weist Roche an der Börse mittlerweile einen Bewertungsaufschlag von rund 25 Prozent gegenüber anderen europäischen Pharmaunternehmen auf. Das entspricht mehr als dem fünffachen Price-Earnings-to-Growth-Verhältnis, kurz PEG. Er stützt sich mit seinen Berechnungen auf die bankeigenen Gewinnschätzungen fürs laufende Jahr sowie auf die Wachstumserwartungen für die kommenden Jahre ab.
Die Genussscheine von Roche kennen momentan nur eine Richtung: Die nach oben. (Quelle: www.cash.ch)
Seines Erachtens stehen im Laufe dieses Jahres gleich bei mehreren Rivalen Ergebnisse aus richtungsweisenden Vergleichsstudien an. Sollten sich einige dieser Wirkstoffe als überlegen erweisen, könnten sie das kommerzielle Potenzial Roche-eigener Medikamente in Frage stellen.
Einer dieser Wirkstoffe ist das Augenmittel Axpaxli von Ocular Therapeutix. Gestern Dienstag gerieten die Aktien des amerikanischen Pharmaunternehmens jedoch unter die Räder, nachdem mit Eylea von Regeneron ein drittes Augenmedikament in den mit Spannung erwarteten Vergleichsstudien überraschend stark abgeschnitten hatte. Bei Börsenschluss resultierte ein Tagesverlust von mehr als 20 Prozent.
Das starke Abschneiden von Eylea weckt die Hoffnung, dass Axpaxli auch beim Augenmittel Vabysmo der Basler eines Tages nicht zu sehr an den Umsätzen nagen wird.
Die Skepsis des Jefferies-Analysten gilt ausserdem der MS-Pille Fenebrutinib sowie dem Brustkrebsmittel Giredestrant. Während er sich bei der MS-Pille aufgrund von Nebenwirkungen nicht sicher ist, dass diese überhaupt auf den Markt kommt, hegt er bei Giredestrant gewisse Vorbehalte in Bezug auf die kommerzielle Differenzierung des Brustkrebsmedikaments.
Selbst wenn ich die Vorbehalte des Londoner Analysten nur bedingt teile, scheinen auch mir die Genussscheine in den letzten Wochen weit übers Ziel hinausgeschossen zu sein. Zur Erinnerung: Als die Genussscheine im April letzten Jahres für Kurse von 220 Franken oder weniger zu haben waren, machte – zumindest gefühlt – die halbe Hochfinanz einen grossen Bogen um Roche. Heute – ein knappes Jahr später und 150 Kursfranken höher – gelten die Valoren des Pharma-Urgesteins in eben diesen Kreisen als ein «blinder Kauf». So schnell wie dieses Pendel auf die eine Seite umschlagen konnte, kann es sich bekanntlich auch wieder auf die andere Seite bewegen...
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