Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.
+++
Kürzlich erhöhten die Londoner Strategen der UBS um ihren Chefdenker Gerry Fowler ihr Jahresendziel für den Stoxx Europe 600 Index auf 690 (zuvor 630) Punkte. Bis Ende 2027 trauen sie dem breit gefassten Börsenbarometer sogar einen Vorstoss auf 760 (zuvor 650) Punkte zu.
Dass Fowler und seine Abteilungskollegen ihre Indexprognosen derart deutlich erhöhen, überrascht, machten sie zuvor doch mit eher vorsichtigen Aussagen von sich reden.
Was den Schweizer Aktienmarkt anbetrifft, hielt ich wie folgt fest:
Eine konkrete Prognose für den SMI geben die Londoner Strategen übrigens nicht ab. Das überlassen sie ihren Kollegen beim Global Wealth Management. Der Stoxx Europe 600 Index setzt sich jedoch – wie es der Name schon erahnen lässt – aus den Aktien der 600 grössten europäischen Publikumsgesellschaften zusammen und umfasst somit auch die wichtigsten Schweizer Unternehmen.
Diese Steilvorlage der Londoner Kollegen greifen die fürs Global Wealth Management der UBS tätigen Strategen nun auf. Trotz einer starken ersten Jahreshälfte seien die Aussichten am Schweizer Aktienmarkt im weiteren Jahresverlauf intakt, meint Stratege Stefan Meyer. Und um auf diese Worte auch Taten folgen zu lassen, erhöhen seine Mitautoren und er ihr Jahresendziel für den SMI auf 14'500 (zuvor 14'000) Punkte. Bis Mitte 2027 trauen sie dem vielbeachteten Börsenbarometer einen Vorstoss auf 15'000 (zuvor 14'400) Punkte zu.
Verlauf des SMI mit Dividenden-Korrektur (SMIC) seit Jahresbeginn. Der SMIC gibt das bessere Bild des Schweizer Aktienmarktes ab. (Quelle: www.cash.ch)
Bei aller Zuversicht verweisen die Strategen auf saisonale Gegebenheiten, unterliegt doch auch der Schweizer Aktienmarkt in den Sommermonaten stärkeren Kursausschlägen als im übrigen Jahresverlauf. In den Büroräumen des Global Wealth Management der UBS hält man es deshalb für ratsam, Rücksetzer als Kaufgelegenheiten zu betrachten, anstatt starken, kurzfristigen Kursanstiegen hinterherzulaufen. Ausserdem wird die eigene Anlagekundschaft zu einem selektiven Verhalten angehalten.
| Rekordjagd: Der SMI pulverisiert das Jahresendziel der UBS mal eben schnell |
Im Rahmen eines sogenannten «Upside Scenario» sieht man den SMI Mitte 2027 sogar bei 16'000 Punkten stehen. Im Gegenzug spricht das «Downside Scenario» der Grossbank bis dann für einen Rückschlag auf 11'000 Punkte. Mit anderen Worten: Dank dieser beiden Szenarien lassen sich die Strategen sämtliche Möglichkeiten offen.
+++
Der amerikanische Präsident Donald Trump will nun also auch die Einfuhr von Nachahmermedikamenten mit Strafzöllen belegen. Das nicht gleich per sofort – sondern erst in zwei Jahren und zwar mit 100 Prozent ab dem ersten Jahr und sogar mit 200 Prozent ab dem zweiten Jahr. Ziel ist es, die Produktion dieser Arzneimittel in die USA zu holen.
Doch obwohl die Aktien grosser Pharmahersteller am Tag des Bekanntwerdens deutlich zulegen konnten und jene von Generikaherstellern wie Sandoz unter Druck gerieten, gibt man sich in Analystenkreisen überraschend gelassen. Urban Fritsche von der Zürcher Kantonalbank etwa schreibt, dass er es für sehr unwahrscheinlich hält, dass jemals Zölle auf Generika eingeführt werden. Seines Erachtens könnte ein solcher Schritt nämlich erhebliche Lieferengpässe bei lebenswichtigen Medikamenten nach sich ziehen, was nicht im Interesse Washingtons sein dürfte. Er preist die Sandoz-Aktien auch weiterhin mit «Übergewichten» zum Kauf an.
Ausserdem gab es vergangene Woche ausgerechnet von Lonza-Finanzchef Philippe Deecke so etwas wie Entwarnung. Am Tag der Ergebnisveröffentlichung liess dieser anlässlich der Telefonkonferenz gegenüber Analysten jedenfalls durchblicken, dass man den Plänen Washingtons, Nachahmermedikamente in ferner Zukunft mit erheblichen Strafzöllen zu belegen, nicht allzu viel Aufmerksamkeit beimessen sollte.
Die Sandoz-Aktien bekundeten in den letzten Wochen sichtlich Mühe (Quelle: www.cash.ch)
Ich bin nun neugierig, ob sich auch die Firmenlenker bei Sandoz zum Thema äussern, wenn sie am frühen Morgen des 5. August mit den Halbjahreszahlen an die Öffentlichkeit gehen. Mit Blick auf das zweite Quartal gehen Analysten durchschnittlich von einem operativen Kerngewinn (EBITDA) in Höhe von 1,21 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 2,98 Milliarden Dollar aus.
Zur Erinnerung: Der Juli war erst wenige Tage alt, als sich der Hersteller von Nachahmermedikamenten zu einem ungewöhnlichen Schritt gezwungen sah. Mit Blick auf die Veröffentlichung der Halbjahreszahlen von Anfang August verschickte die Investor-Relations-Abteilung ein sechs Seiten starkes Dokument mit dem Titel «Aide-mémoire». Darin rief das Unternehmen den Empfängern nochmals in Erinnerung, dass es im Jahresvergleich von einer Verbesserung der operativen Kerngewinnmarge (EBITDA) um rund 100 Basispunkte ausgehe – wobei ein beachtlicher Teil davon erst in der zweiten Jahreshälfte anfallen dürfte.
Ich begegnete diesem Vorstoss damals mit folgenden Worten:
Bleibt bloss zu hoffen, dass Sandoz nicht dasselbe Schicksal wie zuvor schon Nestlé und Lonza ereilt. Die Aktien dieser beiden Unternehmen wurden am Tag der Ergebnisveröffentlichung ja bekanntlich mit schmerzhaften Kursverlusten abgestraft. Vielleicht bleibt zumindest jenen des Herstellers von Nachahmermedikamenten dank des Vorstosses von Anfang Juli eine ähnliche Zäsur erspart.
| Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar. |
