Aktienfavoriten - Der cash Insider hängt SMI und SPI ab

Pünktlich zum Monatsende zieht der cash Insider eine Zwischenbilanz bei seinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017. Er weiss Erfreuliches zu berichten.
01.11.2017 12:30
cash Insider
Der cash Insider hängt SMI und SPI ab
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

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Kaum hat sich der Morgennebel aufgelöst, schimmern die Baumkronen entlang der Aareufer rund um Bern rotbraun und goldig in der Sonne. Von Westen her geht ein Wind. Es ist kühl geworden.

Sinnbildlich lässt sich das in diesen Tagen auch vom Schweizer Aktienmarkt behaupten. Nach acht Jahren in Folge mit steigenden Kursnotierungen erhält der Spätherbst Einzug. Die steigenden Kurse erfreuen zwar das Auge, irgendwann erhält jedoch der Winter Einzug...

Die Anhaltspunkte für eine weit fortgeschrittene Hausse häufen sich. Seien es die teilweise abstrusen Spekulationen (siehe gestrige Kolumne), die bei eigenen Aktien kräftig Kasse machenden Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder (siehe Kolumne vom 26. Oktober) oder sei es, dass die Analysten mit ihren Kurszielen den steigenden Aktienkursen kaum noch hinterherkommen (siehe Kolumne von Vorgestern).

Der Rückzug erfolgreicher Risikokapitalspezialisten wie der Partners Group (siehe Kolumne vom 20. Oktober) deutet übrigens genauso einen baldigen Stimmungsumschwung an wie die nicht enden wollenden Spekulationsexzesse bei den Aktien der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Der oft gehörte Vergleich mit einer Anleihe der Schweizerischen Eidgenossenschaft gilt bestenfalls für die magere Dividendenrendite. Die 0,4 Prozent sind bestenfalls ein Tropfen auf den heissen Stein, sollte der Kurs der schlecht handelbaren SNB-Aktien eines Tages um 50 oder mehr Prozent einbrechen (siehe Kolumne vom 8. September).

Der enge Markt der SNB-Aktien sorgt bereits bei geringer Nachfrage für ein Kursfeuerwerk (Quelle: www.cash.ch).

Auch wenn uns noch gut acht Wochen vom Jahreswechsel trennen, so zeichnet sich doch schon heute ab, dass 2017 als ein guter Börsenjahrgang in die Geschichtsbücher eingehen wird. Beim breit gefassten Swiss Performance Index (SPI) errechnet sich seit Jahresbeginn nämlich ein sattes Plus von 18,2 Prozent.

Wer im März 2009 den Mut aufbrachte und auf den Tiefstständen einen Indexfonds kaufte, konnte seinen Einsatz in etwa verdreifachen. Selbst wer unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise im Frühsommer einstieg und sich grün und blau ärgerte, dürfte mittlerweile auf aufgelaufenen Gewinnen von zwischen 30 und 40 Prozent sitzen.

Noch viel besser fuhr, wer frühzeitig auf Überflieger wie Straumann, Temenos oder Sika setzte (siehe Kolumne vom 18. Oktober). Gefühlt haben diese Unternehmen rückblickend alles richtig gemacht. Sie werden an der Börse heute acht bis zehnmal höher bewertet als noch vor wenigen Jahren. Doch selbst für diese Aktien gilt: Die Börse ist keine Einbahnstrasse.

Der SPI notiert um 17,8 Prozent höher als an dem Tag, an dem ich meine Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017 kommuniziert hatte. Trotz der einen oder anderen Fehleinschätzung meinerseits (u.a. Ascom, OC Oerlikon und Logitech), liessen sich mit den Aktienfavoriten durchschnittlich gar 22,4 Prozent verdienen. Zum Vergleich: Noch Ende August lag der SPI mit gut 13 Prozent im Plus, meine Aktienfavoriten 13,6 Prozent.

Rückblickend ein Glücksgriff waren insbesondere die Valoren des Solarzulieferunternehmens Meyer Burger, die sich innerhalb weniger Monate im Kurs mehr als verdoppelten. Auch ein halbblinder Gockel findet ab und an ein Korn...

Bilanz der letzten Jahre:

Jahr

Aktienfavoriten

SPI

2013

+40,1 Prozent

+23,9 Prozent

2014

+11,4 Prozent

+15,2 Prozent

2015

+ 4,1 Prozent

+ 2,4 Prozent

2016

- 3,7 Prozent

- 1,7 Prozent

2017*

+22,4 Prozent

+17,8 Prozent

* Schlusskurse vom 31. Oktober 2017

Nachdem die Wirbelstürme Harvey, Irma und Maria eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hatten, stand es nicht gut um die Aktien von Swiss Re. Aus Angst vor milliardenschweren Schadenersatzforderungen liessen gerade angelsächsische Marktakteure die Papiere wie heisse Kartoffeln fallen. Die Finger verbrannte sich rückblickend vor allem derjenige, der damals zu Kursen unter 82 Franken die Nerven verlor und sich von den Aktien trennte.

Morgen wird der traditionsreiche Rückversicherungskonzern aus Zürich endlich über die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal berichten. In diesem Zusammenhang will das Unternehmen auch gleich darüber informieren, ob es das mit einer Milliarde Franken dotierte Aktienrückkaufprogramm umsetzen will. Fällt der Entscheid negativ aus, droht den Valoren ein Rücksetzer. Wer sicher gehen will, kann seine Aktien über den Put-Warrant WSRAPV kurzerhand absichern.

Auch wenn sich die Prämiensätze in Zukunft stabilisieren oder diese gar leicht steigen sollten, geht mir die jüngste Kurserholung etwas gar weit. Ich bin deshalb neuerdings zurückhaltend für Swiss Re.

Freude bereiteten den Aktionären zuletzt auch die Aktien von ABB. Gestern stiessen die Kursnotierungen im Zuge einer aggressiven Kaufempfehlung aus dem Hause Goldman Sachs erstmals seit September vor neun Jahren auf 26 Franken vor.

Das überraschend solide dritte Quartal ändert nichts daran, dass 2017 ein Übergangsjahr bleibt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 für das kommende Jahr sind die Aktien zumindest auf den ersten Blick ein Schnäppchen – vorausgesetzt die von Analysten erhoffte Gewinnbelebung setzt ein.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten:

Titel

Anzahl

Einstand

akt. Wert*

Erfolg

G/V

Barmittel

   

 20'127,56

   

ABB N

465

21,50

12'127,20

2'129,70

+ 21,30%

Clariant N

737

20,95

18'498,70

2'668,55

+ 16,86%

Nestlé N

137

73,15

11'494,30

1'472,75

+ 14,70%

Novartis N

135

74,15

11'097,00

1'086,75

+ 10,86%

Swiss Re N

115

88,90

10'792,75

569,25

+  5,57%

Put WSRAPV

3500

0,04

140,00

0,00

+  0,00%

Basilea N

137

72,60

11'117,55

1'171,35

+ 11,78%

Burckhardt N

30

304,25

8'917,50

-210,00

-  2,30%

Dätwyler I

73

137,60

12'220,20

2'175,40

+ 21,66%

Meyer Burger N

3150

0,79

5'859,00

3'370,50

+135,44%

           

Total

   

122'391,76

 

+ 22,39%

* Schlusskurse vom 31. Oktober 2017

Die Quartalsergebnispräsentation von Novartis liess nur einen Wunsch offen: Jenen nach einer raschen Publikumsöffnung von Alcon. Das Basler Mutterhaus will die amerikanische Tochtergesellschaft frühestens in der ersten Jahreshälfte 2019 an die Börse bringen. Bis dahin ist Geduld gefragt.

Wenn man den Firmenvertretern etwas nicht vorwerfen kann, dann zu strategischen Schnellschüssen zu neigen. Am Rheinknie fliesst das Wasser in diesen Tagen etwas langsamer als an anderen Stellen. Gut Ding will eben Weile haben.

Aktionärswerte lassen sich bei Alcon nämlich vor allem dann schaffen, wenn die Tochter vor einem Börsengang wieder auf Kurs gebracht wird. Zuerst müssen die Anteilseigner allerdings tapfer auf die Zähne beissen, verlieren die Aktien von Novartis auf kurze Sicht doch an Glanz.

Meyer Burger beschert so manchem ausländischen Leerverkäufer schlaflose Nächte. Alleine seit Mitte Mai hat sich der Aktienkurs des einst finanziell angeschlagenen Solarzulieferunternehmens aus dem bernischen Gwatt mehr als verdoppelt.

Für Fantasie sorgte zuletzt ein millionenschwerer Schlüsselauftrag aus Italien. Meyer Burger darf zwei Produktionslinien für zukunftsträchtige Heterojunction-Solarzellen ins südliche Nachbarland liefern. Man merke: Wenn die sonnenverwöhnten Italiener aus Sonnenlicht Strom machen wollen, kommen sie nicht um technologischen Beistand aus der Schweiz herum.

Interessant wird es für die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre dann, wenn es aus anderen Weltregionen Folgeaufträge regnet. Ein Regen dieser Art muss einem Unternehmen aus der Solarindustrie nicht zwingend abträglich sein - ganz im Gegenteil.

Mich überrascht, dass die Aktien von Meyer Burger noch immer die am häufigsten leerverkauften der Schweiz sind. Ich behalte alleine deshalb schon eine kleine Aktienposition bei. Oder wie die Angelsachsen gerne sagen: Short buyers are still the best buyers.

Einen Preis für die Unternehmenskommunikation hat der Spezialitätenchemiehersteller Clariant ganz bestimmt nicht verdient. Die Abfolge von Pressemitteilungen rund um die Absage des transatlantischen Schulterschlusses mit Huntsman vom letzten Freitag zeugt von einer gewissen Überforderung der Verantwortlichen (siehe Kolumne vom Freitag).

Der Zusammenschluss ist tot, lang lebe der Zusammenschluss. So oder so ähnlich titelte damals der für Helvea tätige Analyst. Er sieht das Unternehmen aus Basel wieder zum heissesten Übernahmekandidaten in der europäischen Chemieindustrie aufsteigen und geht davon aus, dass das Basler Unternehmen zu 30 Franken oder mehr je Aktie über den Ladentisch gehen könnte.

Gestern sprach Konzernchef Hariolf Kottmann gar von "hypothetischen" 35 Franken je Aktie, die nötig seien, die wichtigsten Anteilseigner ins Boot zu holen. Damit gemeint sind vermutlich die Altaktionäre der einst übernommenen deutschen Süd-Chemie.

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo zwischen den genannten 30 und 35 Franken. Bei aller Übernahmefantasie nehme ich mit dem heutigen Tag wieder etwas Geld vom Tisch. Ich nehme auf 337 Aktien den aufgelaufenen Gewinn mit und fahre die Titelposition auf eine vernünftige Grösse zurück. Ganz nach dem Motto: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

Den Verkaufserlös parkiere ich - wie schon jenen für die Positionsreduktion bei Meyer Burger - auf dem Konto. Etwas trockenes Pulver schadet nie, sollte über der Börse irgendwann mal wieder ein Gewitter aufziehen.

Bisherige Transaktionen:

Datum

Titel

 

Anzahl

Kurs

 

Total

30.12.2016

Dätwyler I

Kauf

73

137,60

CHF

10'044,80-

30.12.2016

Zurich N

Kauf

36

279,80

CHF

10'072,80-

30.12.2016

Syngenta N

Kauf

24

405,90

CHF

9'741,60-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

134

74,65

CHF

10'003,10-

30.12.2016

Ascom N

Kauf

626

15,95

CHF

9'984,70-

30.12.2016

Basilea N

Kauf

137

72,60

CHF

9'946,20-

30.12.2016

Novartis N

Kauf

135

74,15

CHF

10'010,25-

30.12.2016

ABB N

Kauf

465

21,50

CHF

9'997,50-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

137

73,15

CHF

10'021,55-

30.12.2016

OC Oerlikon N

Kauf

1004

9,96

CHF

9'999,84-

06.01.2017

Ascom N

Verkauf

626

15,80

CHF

9'890,80+

06.01.2017

U-blox N

Kauf

52

190,00

CHF

9'890,80-

12.01.2017

U-blox N

Verkauf

52

174,10

CHF

9'053,20+

26.01.2017

Meyer Burger N

Kauf

12'600

0,79

CHF

9'954,00-

09.02.2017

Burckhardt N

Kauf

30

304,25

CHF

9'156,50-

28.02.2017

OC Oerlikon N

Verkauf

1004

10,80

CHF

10'843,20+

11.04.2017

Puts ABBBJZ

Kauf

7000

0,13

CHF

910,00-

20.04.2017

Puts ABBBJZ

Verkauf

7000

0,11

CHF

770,00+

05.05.2017

Zurich N

Verkauf

36

277,00

CHF

9'972,00+

05.05.2017

Swiss Re N

Kauf

115

88,90

CHF

10'223,50-

18.05.2017

Syngenta N

Offerte

24

460,70

CHF

11'056,80+

02.06.2017

Clariant N

Kauf

477

20,95

CHF

10'022,15-

15.06.2017

Meyer Burger N

Verkauf

6300

1,22

CHF

7'657,00+

04.08.2017

Logitech N

Kauf

170

34,75

CHF

5'907,50-

04.08.2017

Credit Suisse N

Kauf

400

14,88

CHF

5'952,00-

04.08.2017

Clariant N

Kauf

260

22,45

CHF

5'837,00-

10.08.2017

Credit Suisse N

Verkauf

400

14,52

CHF

5'808,00+

10.08.2017

Logitech N

Verkauf

170

34,10

CHF

5'797,00+

17.08.2017

Puts WNOB4V

Kauf

8100

0,06

CHF

486,00-

28.08.2017

Puts WNOB4V

Verkauf

8100

0,08

CHF

648,00+

22.09.2017

Puts NESCAZ

Kauf

3000

0,12

CHF

389,00-

25.09.2017

Puts NESCAZ

Verkauf

3000

0,13

CHF

361,00+

25.10.2017

Meyer Burger N

Verkauf

3150

1,77

CHF

5'546,50+

31.10.2017

Puts WSRAPV

Kauf

3500

0,04

CHF

169,00-

 

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