Marc Faber: «US-Börse zeigt Zeichen einer sehr reifen Hausse»

Laut Marc Faber steht die US-Börse womöglich an einem Wendepunkt, wie er im cash-Börsen-Talk sagt. Andere Börsen in Europa oder in Schwellenländern werden sich daher künftig besser entwickeln.
04.11.2016 01:01
Von Daniel Hügli
Marc Faber im Börsen-Talk vom 4. November 2016.
Bild: cash

Am 15. August erreichte der breit gefasste US-amerikanische Börsenindex S&P 500 mit 2193 Punkten ein neues Rekordhoch. Er tat dies ungeachtet der ersten Zinserhöhung in den USA im letzten Dezember seit der Finanzkrise und ungeachtet der Aussicht auf eine weitere Straffung der US-Geldpolitik.

Doch die Luft für den S&P 500, der sich seit dem Börsentiefstand von 2009 punktemässig verdreifacht hat, wird langsam dünn. "Wir haben Zeichen einer sehr reifen Hausse im im US-Markt", sagt Marc Faber, der international bekannteste Schweizer Börsenexperte, im Börsen-Talk von cash.ch. Faber begründet seine Aussagen mit der Häufung von Firmenübernahmen und Firmenzusammenschlüssen in den USA, die im Oktober einen neuen Rekord erreicht hatten. "Normalerweise finden solche M&A-Aktivitäten bei Börsenhöchstständen statt".

Mit einem Volumen von 489 Milliarden Dollar im Oktober waren die Aktivitäten bezüglich Ankündigung von Firmenübernahmen (darunter der Zusammenschluss von AT&T und Time Warner) nochmals höher als im April 2007, als ein Volumen von 471 Milliarden Dollar erreicht wurde. Interessant dabei: Die Börsen starteten ihren weltweiten Niedergang im Zug der Banken- und Finanzkrise damals einen Monat später, im Mai 2007.

Faber, der im Jahr 1987 den Börsencrash - den so genannten Black Monday - vorausgesagt hatte und seither die Namen "Crash-Prophet" oder "Dr. Doom" mit sich trägt, geht nicht so weit zu sagen, dass sich nun ähnliches ereignen könnte. Aber er weist auf die Faktoren hin, welche die US-Börsenhausse mitgetragen haben und nun schwächer werden könnten. Andernorts sagte Faber gar, die westlichen Länder könnten ruhig eine Rezession brauchen, um die "endlosen" Interventionen der Zentralbanken zu stoppen: 

 

Gute Aussichten für Goldminenaktien

Unterstützung erhielten die US-Börsen in den letzten zwei bis drei Jahren vor allem von den so genannten "FANG"-Aktien, das heisst Titel der Internet-Riesen Facebook, Amazon, Netflix und Google (bzw. Alphabet). Diese Aktien sind laut Faber nun "sehr verletzbar" geworden. Er erwähnt im Börsen-Talk wie schon früher in diesem Zusammenhang auch die Aktie des Elektroautobauers Tesla, die laut Faber gegen Null tendieren könnte. 

Die steigenden Kurse in den USA haben dazu geführt, dass die Aktienbewertungen wesentlich höher sind als in Europa oder in den Schwellenländern. Faber sieht daher bei Aktienmärkten aus diesen Regionen in nächster Zeit deutlich höheres Potenzial als bei amerikanischen.

Während die US-Börsen in diesem Jahr etwa 4 Prozent zulegen konnten, sieht es in Europa deutlich schlechter aus. Der Index Euro Stoxx 50 hat im 2016 rund 8 Prozent nachgegeben, der deutsche Leitindex Dax und sein französisches Pendant Cac 40 liegen etwa 3 Prozent im Minus. Am unteren Ende der europäischen Performanceliste 2016 liegt der Swiss Market Index mit einem Minus von 12 Prozent, noch schlechter waren die Leitindizes aus Dänemark (-17 Prozent) und Portugal (-13 Prozent). 

Laut Faber haben Aktien aus den Bereichen Gold-, Platinum- und Silberminen noch immer das höchste Potenzial, obwohl viele Titel seit der Jahreswende teilweise um mehr als 100 Prozent zugelegt haben. In der Vergangenheit nannte Faber Titel wie Newmont Mining, American Barrick, Novagold oder Freeport-McMoRan.

Potenzial sieht Faber auch beim Ölpreis. "Falls Hilary Clinton zur US-Präsidentin gewählt wird, dürfte der Ölpreis steigen. Die Korrektur der Ölwerte würde ich daher ausnützen und entsprechend dazukaufen", sagt Faber im cash-Börsen-Talk

Im Börsen-Talk sagt Marc Faber überdies, weshalb er Donald Trump für einen fähigen US-Präsidenten hält und welches Edelmetall er derzeit besonders günstig bewertet sieht.