Aktien und mehr - In diesen Anlageklassen steckt noch Dampf

Der Blick auf die am besten performenden Anlageklassen zeigt: Noch immer sind Aktien die rentabelsten Investments. Aber welche Arten von Aktien haben noch Potenzial? Und soll man auch anderswo anlegen?
18.07.2017 07:58
Von Marc Forster
Steht definitiv unter Dampf: Die Bahn auf der Furka-Bergstrecke im Sommer.
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Bild: Pixabay

Schweizer Aktien haben im bisherigen Jahresverlauf eine ansehnliche Performance gezeigt. Absolut gesehen bilden die Titel von klein und mittelgross kapitalisierten Unternehmen seit 1. Januar mit 20,5 Prozent die grössten Kurszuwächse. Allerdings stockt der Lauf der Schweizer Small und Mid Caps seit einigen Wochen (cash berichtete).

Die Performance der vergangenen 30 Tage in dieser Anlageklasse beträgt noch magere 0,8 Prozent. Die Aussichten sind angesichts hoher Bewertungen, des schwachen Dollars und möglicher Enttäuschungen bei den Halbjahreszahlen eingetrübt. Daher die Frage: Welche Aktien- und Anlageklassen bieten sich sonst an?

Schweizer Large Caps

Die Frage ist, ob Anleger auf einen "Paradigmenwechsel" von den Small und Mid zu den Large Caps setzen sollen. Das Bild darüber, ob sich dieser abzeichnet, ist nicht so eindeutig. Die meisten der grossen, an der Börse kotierten Schweizer Konzerne stellen bis Anfang August ihre Zahlen vor. Bei den marktdominierenden Konzernen Roche und Novartis, Nestlé sowie UBS und Credit Suisse werden einige Schwierigkeiten vorausgesagt. Darüber hinaus gelten die Aussichten aber als besser, als die aktuellen Schwierigkeiten vermuten lassen.

Der Markt für grosskapitalisierte Firmen, abgebildet im Swiss Leader Index, enthält einige Aktien, die für sich gesehen durchaus noch Potenzial haben. So werden Sika, Lindt&Sprüngli oder Lonza weiterhin als gut gesehen. Auch bei ABB und Zurich erwarten die Analysten einen sich fortsetzenden Aufwärtstrend. Zudem haben die Zement-Aktie von LafargeHolcim und der Titel des Rückversicherer Swiss Re in letzter Zeit wieder mehr Anhänger gewonnen.

Schwellenländer-Aktien

Titel aus Emerging Markets laufen sowohl seit Jahresbeginn (+16,7 Prozent) als auch innerhalb der zurückliegenden vier Wochen (+3,7 Prozent) gut. Die Analysten von J.P. Morgan Asset Management sehen auch jetzt noch einen guten Einstiegszeitpunkt für Schwellenland-Aktien. Professionelle Anleger hatten diese Klasse Anfang Jahr noch untergewichtet. Trotz des Kursanstiegs liegt laut J.P. Morgan die Bewertung um 24 Prozent unter jener der Aktien von Industrieländern.

Auch sind Schwellenland-Währungen zum Dollar relativ günstig und damit wachstumsfördernd. Mit den steigenden US-Zinsen kommen die Schwellenländer bisher zurecht. GAM Asset Management empfiehlt bei den klassischen Schwellenländern insbesondere China- und Indien-Engagements. Ins Spiel bringt GAM auch die "Frontier Markets" Vietnam, Argentinien, Rumänien und Pakistan - auch wenn diese eher für versierte Anleger geeignet sind.

Europäische Large Caps

Das Konjunkturumfeld für die Eurozone hat sich aufgehellt. Nach der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten und der Aussicht, dass Angela Merkel deutsche Regierungschefin bleibt, werden Beobachter auch nicht müde zu betonen, dass die politischen Risiken dramatisch gesunken sind. Mit einem Plus von 11,6 Prozent seit Anfang Jahr und einem Vorrücken um 1,4 Prozent in den für die Aktienmärkte schwierigen vergangenen vier Wochen gehören europäische Large Caps zu den besten und stabilsten Anlageklassen in diesem Jahr.

Anleger sollten ihr Augenmerk auf den Eurostoxx 600 richten, der die 600 wichtigsten europäischen Konzerne vereint. Er steht aktuell bei 387 Punkten und ist im Aufwärtstrend, wobei die Bank Lombard Odier einen wichtigen Widerstand bei 393 Punkten sieht. Die Genfer Privatbank sieht insbesondere bei Finanzaktien Gelegenheiten, da diese von einer Anhebung der Zinsen profitieren würden. Die Favoriten von Lombard Odier sind dabei die italienische Grossbank Intesa, die französische BNP Paribas sowie das niederländische Versicherungskonglomerat ING.

Immobilien Schweiz

Die Rendite bei Schweizer Immobilien hat zuletzt einen Rückgang gesehen: -2,4 Prozent in den vergangenen vier Wochen stehen aber einem Plus von 10,7 Prozent seit Anfang Jahr gegenüber. "Betongold" ist im Inland bei institutionellen Anlegern nach wie vor eine wichtige Alternative zu Aktien oder Obligationen. Einer Studie des Beratungsunternehmens EY (ehemals Ernst & Young) zufolge werteten sich die Immobilienportefeuilles ausgewählter Gesellschaften im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent auf. Diese Tendenz hält weiter an.

Positiv für den Markt ist weiterhin die günstige Finanzierung. Was den Schweizer Immobilienmarkt indessen auch seit einiger Zeit beschäftigt, sind steigende Leerstandsquoten, wobei diese sich nicht überall gleich entwickeln. Während Büroflächen schon seit geraumer Zeit tendenziell weniger nachgefragt werden, ist günstiger Wohnraum nach wie vor sehr gefragt.

Anlageklassen seit Anfang Jahr / ein Monat in Franken (Auswahl)

Anlageklasse Performance seit Anfang Jahr (in Prozent) Performance ein Monat (in Prozent)
Schweizer Small Caps +20,6 +0,8
Aktien Schwellenländer +16,7 +3,7
Europäische Small Caps +15,8 +0,8
Schweizer Large Caps +14,6 +1,8
US-Technologieaktien +11,9 +1,7
Europäische Large Caps +11,6 +1,4
Immobilien Schweiz +10,7 -2,4
Immobilienfonds Schweiz +8 +0,4
Britische Aktien +6,2 +0,8
Geldmarkt Euro +5,6 +2,4
US-Large-Caps +5,3 +0,7
Japanische Large Caps +4,4 -1,5
Gold Bullion +1 -4
US-Small-Caps -0,2 -0,5
Franken-Obligationen -2,2 -2
Goldminen -2,8 -0,7
Dollar-Obligationen -3,4 -0,9
S&P GSCI Rohstoff Index -14,4 +3,2

Schlusskurse am 14. 7. 2017 (Daten: Bloomberg, Hinder Asset Management AG)