«Big Pharma» zieht den SMI ins Minus

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Donnerstag mit Verlusten in den Handelstag gestartet, belastet von «Big Pharma».
28.01.2016 10:25
Die Schweizer Börse im Minus - wegen Roche und Novartis.
Die Schweizer Börse im Minus - wegen Roche und Novartis.
Bild: cash

Trotz negativer Vorgaben von den internationalen Leitmärkten will der hiesige Handelsplatz nach oben, doch die grosskapitalisierten Pharmaaktien drücken ihn ins Minus. Nach Novartis am Mittwoch hat am Berichtstag Roche die Jahreszahlen vorgelegt.

Für Gesprächsstoff sorgt nach Händlerangaben die US-Notenbank. Die Federal Reserve betonte gestern Abend einerseits ihre Besorgnis über die Finanzmärkte und die flaue Weltkonjunktur. Andererseits wurde eine neuerliche Zinserhöhung im März nicht explizit ausgeschlossen. Die wieder sinkenden Rohölpreise sind ebenfalls Thema.

Der Swiss Market Index (SMI) verzeichnet um 09.30 Uhr ein Minus von 0,36% auf 8'293,13 Punkte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt hingegen um 0,18% auf 1'246,65 Stellen, während der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,22% auf 8'575,81 einbüsst. Von den 30 SMI/SLI-Titeln notieren 26 im Plus und nur deren vier im Minus.

Roche unter Druck

Roche büssen nach Vorlage der Jahreszahlen 2015 deutliche 2,5% ein. Der Pharmakonzern hat zwar die Erwartungen der Analysten mehrheitlich erfüllt, für eine Enttäuschung hätten derweil die nur knapp bemessene Dividendenerhöhung und der verhaltene Ausblick gesorgt. Analysten vermuten, dass dieser absichtlich konservativ gehalten ist. Nun komme es zu Gewinnmitnahmen.

Die Konkurrenzpapiere der Novartis verbilligen sich um 1,0% und finden somit nach dem Rückschlag um 3,7% zur Wochenmitte noch keinen Boden. Nach enttäuschenden Jahreszahlen am Vortag hagelt es nun am Donnerstag Kursziel- und Ratingsenkungen. Actelion sinken um 0,1% und bekräftigen die Vermutung: Es ist kein Tag für Pharmaaktien. Aber auch das dritte defensive Schwergewicht Nestlé (+0,1%) helfen dem SMI nicht auf die Beine.

Im SLI notieren zudem Aryzta mit minus 0,7% optisch tief, allerding werden die Papiere ohne die Dividende von 0,6555 CHF je Anteil gehandelt. Bei knappen Gewinnern sind Lonza (+0,1%) zu finden, die hatten allerdings gestern nach Zahlen deutlich zugelegt.

Grössere Gewinner sind im zyklischen Segment zu finden, wo Sika (+2,3%) nach Händlerangaben von einer Kaufempfehlung durch Bernstein profitieren. Transocean legen um 0,9% zu, Swatch um 1,8%, Geberit um 1,3% und ABB um 0,7%. Und LafargeHolcim (+1,1%) trotzen einer Abstufung durch Natixis und einem tieferen Kurszielen durch die Deutsche Bank.

Die Aussicht auf eine eher langsamer als erwartete Gangart der US-Notenbank und damit auf weiter sehr tiefe Zinsen bremst am ehesten die Versicherer. So liegen Zurich (+0,2%), Swiss Life (+0,3%) und Swiss Re (+0,5%) eher unterdurchschnittlich im Markt.

Nachdem die Schweizer Banken gestern im Steuerstreit ein Etappenziel erreicht haben - die letzte Bank aus der Kategorie 2 einigte sich mit den US-Behörden - richtet sich der Fokus wieder auf die Institute, gegen die bereits ein Strafverfahren läuft. Dieser Kategorie 1 gehört etwa Julius Bär (Aktie +0,7%) an. Bereits einen Schlussstrich unter diese Geschichte gezogen haben die Credit Suisse (+0,2%) und die UBS (+1,3%).

Meyer Burger gefragt

Im breiten Markt ziehen die Aktien von Meyer Burger um 6,2% an. Der Solarzulieferer meldete den Eingang neuer Aufträge und veröffentliche erste - stark verbesserte Finanzkennzahlen für das Geschäftsjahr 2015. Diese lagen etwas über den Erwartungen der Analysten.

Ebenfalls mit Geschäftszahlen für 2015 aufgewartet haben die Berner Kantonalbank (-1,1%), Hügli (ungehandelt) und Ascom (+2,2).

Im US-Steuerstreit hat sich mit der vormaligen Hyposwiss Privatbank AG die letzte Bank aus der Kategorie 2 auf einen Vergleich geeinigt. Für die St. Galler Kantonalbank (Aktie: +0,3%) heisst das, dass das Programm auch für sie nun abgeschlossen ist. Das sei eine gute Nachricht, meint die ZKB. Nun seien die Management-Kapazitäten nicht mehr gebunden. Die Rückstellungen könnten allerding knapp nicht gereicht haben, heisst es hier.

(AWP)