Warnungen vor beträchtlichen Risiken am Aktienmarkt werden von mal mehr, mal weniger berufenen Finanzmarktgrössen derzeit jeden Tag und überall auf der Welt ausgesprochen. Doch die Aktienmärkte traden euphorisch und nehmen es mit der Notenbank Fed auf.

"Fight the Fed" scheint trotz der vielen Ermahnungen an "schiesswütige" Trader gerade die Empfehlung der Stunde zu sein. Unternehmenszahlen werden ausgelassen gefeiert, wie beim Facebook-Konzern Meta. Oder sie führen zum Katzenjammer wie bei Alphabet und Amazon. Wem dies alles zu viel wird, konzentriert sich auf etwas ruhigere Entwicklungen am Finanzmarkt. Fünf Investmentideen.

Europäische Bank-Aktien

Die Zeiten, in denen Anlegerinnen und Anleger wegen Kreditrisiken, Bilanzskandalen und Rechtsverfahren um Bank-Aktien einen Bogen machten, sind für die meisten Institute spätestens seit dem Beginn der Zinserhöhungen vor einem Jahr vorbei. Banken erwiesen sich 2022 als stabiler als der Gesamtmarkt. 2023 ist ebenfalls gut angelaufen, der Bloomberg-Index für europäische Banken zeigt ein Plus von 12,5 Prozent.

Die besten und schwächsten Kursentwicklungen im Bloomberg-Index der 500 grössten Finanztitel.

Die besten und schwächsten Kursentwicklungen im Bloomberg-Index der 500 grössten Finanztitel.

Quelle: Bloomberg

Bei der UBS etwa hat sich die Verkaufswelle nach der Vorlage der Viertquartalszahlen vergangene Woche schon wieder umgekehrt. Die Bank dürfte mit ihrer globalen Vermögensverwaltung, steigenden Zinserträgen und einer funktionierenden Kostenkontrolle weiter Anerkennung an der Börse finden. Es sind aber südeuropäische Banken, die puncto Performance in an der Spitze stehen (siehe Grafik). Den grössten Kursgewinn in Europa hat seit dem Jahreswechsel die italienische Bankengruppe Unicredit: 34 Prozent höher.

Die Ende Januar vorgelegten Zahlen nähren die Zuversicht für das Mailänder Geldhaus. Die Kapitalbasis bei der Unicredit ist stark - ein Asset, das auch andere Banken für sich ins Feld führen können. Banken können vor diesem Hintergrund weiterhin Aktien zurückkaufen und ansehnliche Dividenden ausschütten. Dies macht die einst als Kriseninstitute verurteilten Banken fast schon zu Stabilitätsankern im Aktienmarkt.

Kursentwicklung des Bloomberg BE 500 Banking and Financial Services Index

Kursentwicklung des Bloomberg BE 500 Banking and Financial Services Index.

Quelle: Bloomberg

Dividenden-ETF

Die Dividendensaison läuft bald an. Erwartet werden in Europa so hohe Ausschüttungen wie nie zuvor. Banken gehören wie Versicherer, die grossen Namen im Gesundheitssektor, Versorger oder Autokonzerne traditionell zu jenen, die besonders üppig ausschütten. Die besten europäischen Dividenden-Aktien hat cash.ch hier vorgestellt.

Während die Ausschüttungen - gemessen wird die Dividende am Aktienkurs, was die Dividendenrendite ergibt - ein Aspekt bei Dividendenstrategien sind, müssen Anlegerinnen und Anleger auch die Lage des Unternehmens berücksichtigen. Eine nachhaltige Ausschüttung bedeutet, dass der Cash-Flow eines Unternehmens es überhaupt erlaubt, einen gehörigen Anteil des Gewinns an die Investoren zu verteilen. Auch die Kursentwicklung eines Unternehmens sollte positiv eingeschätzt werden, selbst wenn bei Dividendentiteln eine lange bis sehr lange Haltedauer sinnvoll ist. 

Zur Diversifikation können Exchange Traded Funds (ETF) eingesetzt werden. Ein vergleichsweise günstiger ETF ist der "iShares MSCI Europe Quality Dividend ESG ETF", der bei der Auswahl seiner Investments auch auf Umwelt- und Sozialstandards achtet. Der "MSCI Europe High Dividend Factor ETF" wählt in 16 Ländern Aktien aus, die am meisten Dividende ausrichten. Beide haben 2022 mit einer leichten Plus-Performance abgeschlossen, während die Märkte insgesamt deutlich gesunken sind.

Auf einen steigenden Ölpreis setzen

Die geopolitische Lage könnte Erdölprodukte dieses Jahr wieder verteuern. Zwar haben der milde Winter und Lieferungen unterschiedlichen Teilen der Welt die Abhängigkeit von Russland verringert und eine europäische Gaskrise verhindert. Energieträger an der Börse sind seit dem Sommer 2022 im Preis stark gesunken. Steigende Nachfrage aus China - beispielsweise für Flugzeugtreibstoff, weil nach den Corona-Lockdowns wieder mehr gereist wird - könnte dies bald ändern.

In Europa wird zwar versucht, mit Preisdeckeln einem Preisanstieg infolge von Sanktionen gegen Russland zu begegnen. Doch unruhig ist der Markt trotzdem. So könnte in den nächsten Wochen Diesel knapper werden. Absatzprobleme Russlands für Erdölprodukte könnten dazu führen, dass weniger Öl gefördert wird. Dies wäre dann potenziell ebenfalls preistreibend. 

Der Preis des Nordsee-Rohölmix' Brent in den vergangenen zwölf Monaten (Grafik: cash.ch).

Für Öl-Aktien wie beispielsweise Chevron stehen die Aussichten immer noch gut. Chevron ist auch ein Warren-Buffet-Investment und zahlt eine gute Dividende (3,6 Prozent Rendite). Am steigenden Ölpreis teilhaben können Anlegerinnen und Anleger auch über Exchange Traded Funds (ETF) oder Exchange Traded Notes (ETN). Ein Beispiel für einen börsengehandelten Fonds ist der "iShares Oil & Gas Exploration & Production ETF" investiert global in Unternehmen aus der Öl- und Gasproduktion. Seine Jahresrendite von 70 Prozent im Jahr 2021 und von 39 Prozent im vergangenen Jahr zeigt ganz gut, wie Öl-Investments in der jüngsten Vergangenheit gelaufen sind.

Anleihen respektive das 60/40-Portfolio

Wenn die Anleihenrenditen sinken, steigen die Anleihenkurse. Dies bildet eine gute Ausgangslage für alle, die in Anleihen oder Anleihenfonds investieren wollen. 

Aus Sicht der meisten Experten sollen Anleihen in den nächsten Monaten weniger schlecht performen als 2022, einem der schlechtesten Jahre für Anleihen. Sie dürften damit zum einen ihre Rolle als Stabilisator wiedererlangen und Schwankungen bei Aktien ausgleichen. Das Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen funktioniert wieder besser. 2022 geriet dieser Klassiker der Anlagestrategien regelrecht in Verruf.

Sollten sich aber die Renditen im Lauf des Jahres nach unten bewegen, werden Bond-Strategien auch von der Kursentwicklung her interessant. Einen Hinweis gibt die Entwicklung bei den High-Yield-Bonds, die in den vergangenen Tagen eine der stärksten Rallys seit der Coronapandemie erlebt haben. Dies ist nicht nur ein Hinweis auf steigende Anleihenkurse, sondern auch auf eine gesunkene Rezessionserwartung in den USA.

Die Renditen von High-Yield-Bonds zeigten zuletzt massiv nach unten.

Die Renditen von High-Yield-Bonds zeigten zuletzt massiv nach unten.

Quelle: Bloomberg

Gold-Investments

Im schwierigen Finanzmarktjahr 2022 sank der Goldpreis unter dem Strich nicht, sondern er legte sogar leicht zu. Seit Anfang 2023 ist der Kurs für die Feinunze um gut 5 Prozent angestiegen. Für den steigenden Goldpreis gibt es mehrere Gründe: Tiefere Renditen für Anleihen, ein schwächerer Dollar und die Nachfrage asiatischer Notenbanken. Die Feinunze Gold handelt derzeit zu 1915 Dollar. Diskutiert wird, ob der Kurs an der 2000-Dollar-Marke abprallen würde. Doch einiges spricht dafür, dass Gold stabil bleiben dürfte.

An den Goldmärkten ist man daran interessiert, dass die Opportunitätskosten für das Halten des Edelmetalls nicht zu hoch werden. Dies hat auch damit zu tun, dass Gold keine Zinsen und keine Dividenden abwirft. Sinkende Anleihenrenditen, gemessen vor allem bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen, verhelfen dem Goldpreis zu höheren Kursen. Die 10-Jahres-Treasury-Renditen sind seit Anfang Jahr von von 3,87 auf 3,53 Prozent gesunken. Neben den nominalen Zinsen schauen die Märkte noch stärker auf die realen Zinsen. Derzeit sieht es so aus, dass die Inflation und die Anleihenrenditen (der Unterschied ergibt den Realzins) in einem Verhältnis sinken werden, das den Goldpreis stützen wird. 

Profiteure sind dann Gold, Gold-ETF und Goldminenbetreiber an der Börse, respektive ETF, die in Goldminenbetreiber investieren. Der "L&G Gold Mining ETF" von von Legal & General investiert in Unternehmen, die mindestens die Hälfte des Umsatzes mit Goldminen erzielen. Wer nicht in Minen investiert sein will, wählt einen reinen Gold-ETF wie beispielsweise den in Franken denominierten "ZKB Gold ETF". ETF sind ohnehin die praktischste Möglichkeit, am der Entwicklung des Goldpreises teilzuhaben, ohne selber Gold physisch besitzen zu müssen. Goldbarren im Sinne der physischen Hinterlegung liegen dann beim fondsanbietenden Institut.

Der Goldpreis in den vergangenen zwölf Monaten (Grafik: cash.ch).