Die Grundlage der persönlichen Finanzplanung bilden der sukzessive Vermögensaufbau sowie der reale Kapitalerhalt. Für eine Anlegerin oder einen Anleger steht dabei konkret im Fokus, einen möglichst hohen Ertrag mit möglichst wenig Risiko unter Einbezug der Kosten und unter Berücksichtigung des Risikoprofils zu generieren.
Gerade die Balance von Ertrag und Risiko ist für hiesige Investierende eine Herausforderung, weil das Zinsniveau tief ist. Nach Abzug der Verwaltungskosten liegen die Erträge bei Franken-Geldmarktfonds im negativen Bereich und eine zehnjährige Bundesobligation bringt es auf 0,36 Prozent. Diese festverzinslichen Anlagen sind zwar im Preis schwankungsarm, werfen aber einen Ertrag ab, der unter der aktuellen Teuerungsrate von 0,5 Prozent liegt. Sie stellen somit keinen attraktiven Portfoliobaustein dar.
Um die tiefen Erträge der festverzinslichen Anlagen zu kompensieren, sollten die anderen Investments ein gutes Rendite-Risiko-Profil aufweisen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einerseits bieten sich Fonds mit einer hohen Dividendenrendite an. Andererseits können gegenüber klassischen indexbasierten Vehikeln ETFs mit Ertragsoptimierung einen optimierten Anlageerfolg bringen. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, möglichst kostengünstige Indexprodukte auszuwählen, damit die Anlagekosten auf lange Frist den Ertrag nicht wegfressen.
Nachfolgend eine Übersicht über vier Produkte:
1) KI-gestützte, aktiv gemanagte Aktien-ETF von Pictet
Vor zwei Jahren legte Pictet Asset Management mit dem «Pictet SICAV - Quest AI-driven Global Equities» erstmals einen Fonds auf, der mittels KI-basierter Analyse die Aktienauswahl vornimmt. Der Prozess wird von den Quant-Experten bei Pictet überwacht. Sie haben das Modell entwickelt, stellen vierteljährliche Trainingszyklen sicher und behalten das Portfolio immer im Blick. Das Ergebnis ist eine von Markt- und Konjunkturzyklen unabhängige faktorneutrale Strategie.
Die Performance kann sich denn auch sehen lassen. Der «Pictet SICAV - Quest AI-driven Global Equities» hat seit der Lancierung mit einer Rendite von 50,0 Prozent - in Dollar gerechnet - den Referenzindex MSCI World Index übertroffen. Dieser kam im selben Zeitraum auf eine Rendite von 45,9 Prozent.
Anlegerinnen und Anleger denken oft, für bessere Renditen müsse man neue oder exotische Renditequellen ausfindig machen, erklärt David Wright, Head of Quantitative Investments bei Pictet Asset Management, gegenüber cash.ch. «Doch in Wirklichkeit reicht es häufig aus, dasselbe Anlageuniversum und dieselben Daten intelligenter zu verwerten. Genau hier liegt die Stärke der KI. Die neuen ETFs können als Kernbaustein eines Portfolios dienen, um eine Überrendite bei geringeren Kosten und ohne signifikant höherem Risiko zu erzielen.»
Nun baut Pictet die Palette aus und lanciert die vier KI-basierten ETF «Pictet AI Enhanced World Equity UCITS ETF», «Pictet AI Enhanced World ex US Equity UCITS ETF», «Pictet AI Enhanced US Equity UCITS ETF» und «Pictet AI Enhanced European Equity UCITS ETF». Die Verwaltungskosten - auf Englisch TER, was für Total Expense Ratio steht - liegen zwischen 0,25 und 0,35 Prozent.
2) «Invesco Global Enhanced Equity UCITS ETF acc»
Der «Invesco Global Enhanced Equity UCITS ETF Acc» ist ein aktiv verwalteter Fonds, der darauf abzielt, eine langfristige Rendite zu erzielen, die über der des MSCI World Index liegt, abzüglich der Gebühren. Der Fonds strebt die Erreichung seines Anlageziels durch Anwendung eines Optimierungsprozesses an, der auf den Faktoren Wert, Qualität und Momentum basiert, wie Erhard Radatz, Global Head of Portfoliomanagement Invesco Quantitative Strategies, im Gespräch mit cash.ch erklärte.
Der Quant-Experte Radatz von Invesco verwendet ein proprietäres Modell, um die Attraktivität von Aktien in einem breiten Universum von liquiden grossen und mittelgrossen entwickelten Marktwertpapieren zu bewerten. Der gesamte Faktorbewertungs-, Risikomodellierungs- und Portfoliokonstruktionsprozess wird jeden Monat wiederholt, wonach die Bestände des Fonds neu ausbalanciert werden. «Wir fokussieren uns hauptsächlich darauf, innerhalb der Sektoren die attraktiveren Aktien zu finden. Ein Trade, in dem wir nun Technologie gegenüber Energiewerten übergewichten, lohnt sich oft nicht.»
So analysiert der Experte von Invesco unter anderem die Kreditkartentransaktionen, um Aktien mit Momentum auszumachen. «Wir schauen uns eben nicht nur an, wie hat sich der Kurs seiner Aktie entwickelt, sondern auch, ob der Konsument gerade lieber Sneakers von Adidas oder Nike kauft.» Die grössten Positionen sind Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon, wobei die Index-Abweichungen «überschaubar» sind. Schon kleinste Abweichung summieren sich. Entsprechend hat der ETF über die letzten fünf Jahre den Benchmark-Index jährlich um rund ein Prozent hinter sich gelassen.
3) «UBS Core S&P 500 UCITS ETF USD acc»
Der «UBS Core S&P 500 UCITS ETF USD acc» unterscheidet sich im Konkurrenzvergleich mit den grossen Platzhirschen iShares oder Vanguard durch seine günstigen Kosten von 0,03 Prozent per annum. Der ETF investiert grundsätzlich in Aktien, die im S&P 500 vertreten sind. Die relative Gewichtung der Gesellschaften entspricht dabei der jeweiligen Indexgewichtung. Der Fonds ist entsprechend passiv gemanagt.
Der UBS-ETF wird im Vergleich physisch vollständig repliziert. Das bedeutet, der ETF kauft tatsächlich die 500 Aktien des Index. Der UBS-ETF bietet die klassische, transparente Variante des echten Aktienbesitzes, während andere bekannte Produkte von Invesco oder Amundi auf die synthetische, Swap-basierte Replikation setzen. Bei der synthetischen Replikation bildet ein ETF einen Index nicht durch den direkten Kauf der enthaltenen Aktien nach, sondern über ein Tauschgeschäft - sogenannter «Total Return Swap» - mit einer Bank. Der Fonds garantiert die Rendite seines eigenen Portfolios und erhält im Gegenzug die exakte Rendite des Zielindex.
Ein weiterer Vorteil für Investoren sind die reinvestierten Dividenden. Das heisst, diese werden nicht an die Investoren ausgeschüttet. Der Vorteil von thesaurierenden ETFs ist die automatische Reinvestition der Dividendenerträge. Dadurch wird ein maximaler Zinseszinseffekt erzielt, da die ausgeschütteten Dividenden direkt zum Kauf neuer Anteile verwendet werden. Das Vermögen wächst ohne manuelles Eingreifen und ohne zusätzliche Transaktionsgebühren. Ferner fallen keine Einkommenssteuern für den Anleger an.
Die grössten Positionen des «UBS Core S&P 500 UCITS ETF USD acc» sind Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Broadcom, Meta, Tesla und Micron Technology.
4) «BlackRock Systematic Swiss Equity High Income Fund»
Der «BlackRock Systematic Swiss Equity High Income Fund» kombiniert den direkten Kauf von Schweizer Aktien mit dem gezielten Einsatz von Finanzderivaten. Der Fonds investiert physisch in erstklassige, grosskapitalisierte Schweizer Unternehmen - gemessen am MSCI Switzerland Index. Mit einem KI-gestützten Modell werden Datenbestände analysiert, um die verlässlichsten Dividendenzahler im Markt zu prognostizieren. Zur Generierung eines höheren Einkommens respektive zusätzlicher wiederkehrender Erträge im Vergleich zum Index verkauft der Fonds systematisch Kaufoptionen auf zulässige Basiswerte sowie Aktienindizes. Zudem kann sich der Fonds auch über den Verkauf von Futures-Kontrakten gegen Kursverluste absichern.
Steigt der Schweizer Aktienmarkt in einem Bullenmarkt stark und rasant an, ist das Kurspotenzial begrenzt, weil die Kursgewinne ab einem bestimmten Niveau bei den Käufern der Call-Optionen verbleiben. Der Hauptnutzen für den Anleger ist auf der anderen Seite die geringere Volatilität. Dies lässt sich an einem gleichartigen Fonds von Blackrock ablesen, der in die globalen Aktienmärkte investiert. Der «BGF Systematic Global Equity High Income Fund» hat in Schweizer Franken gerechnet im Jahr 2023 eine Rendite von 11,7 Prozent erzielt, in 2024 eine von 13,2 Prozent und in 2025 eine von 8,6 Prozent. Diese Anlagemöglichkeit st gerade für einkommensorientierte Anlegerinnen und Anleger interessant.
Risikoprofil und Erwartungen im Blick halten
Wer bei diesen Produkten auf Überrenditen im zweistelligen Prozentbereich hofft, dürfte enttäuscht werden. Unter Berücksichtigung des Chancen-Risiko-Profils sind Renditen von einem bis zwei Prozent über dem Vergleichsindex wie dem SMI, Dax oder S&P500 Index realistisch.
Eine noch grössere Rendite lässt sich im besten Fall nur mit risikoreichen Investments wie einem Nasdaq-ETF, einem Bitcoin-ETF oder unter anderem einer hohen Goldgewichtung erzielen. Unter dem Gesichtspunkt der hohen Kursrisiken sind gerade Investments in dieser Kategorie nur als Beimischung geeignet und nicht als zentrale Elemente in einem Anlageportfolio. Dafür ist die Schwankungsanfälligkeit einfach zu hoch.
Ein weiterer Vorteil der ersten drei vorgestellten Anlageprodukte liegt im relativen Performance-Potenzial über die Jahre hinweg. «Wir fokussieren uns seit 20 Jahren auf die Generierung von konstantem, kleinem Mehrwert», erklärt Radatz von Invesco. «Diese kleine Outperformance von einem Prozent ergibt über 20 Jahre 100 Prozent mehr als der Benchmark dank des Zinseszinseffekts.»

