2025 hat durchwachsen für die Schweizer Anleger geendet. Während der Swiss Market Index (SMI) über 14 Prozent zulegte, verlief das Jahr für manche Einzelaktien enttäuschend. Besonders Titel wie Sika, Partners Group oder Givaudan büssten rund 20 bis 30 Prozent ein.

Und: Die Banken rechnen für 2026 mit einem weiterhin anspruchsvollen Umfeld. Themen wie US-Zölle, Frankenstärke und konjunkturelle Unsicherheit in Westeuropa dürften die grossen Herausforderungen sein. 

Dennoch sehen die Experten Chancen. Niedrige Inflation, sinkende Zinsen und ein positives Wachstum in der Eurozone schaffen laut Vontobel ein stabiles Umfeld für die Gewinnentwicklung. Die Helvetische Bank spricht von attraktiven Bewertungen, stabilen Cashflows und operativen Wendepunkten.

Aus diesen Einschätzungen haben die Finanzinstitute ihre Aktienfavoriten für die nächsten zwölf Monate zusammengestellt.

Partners Group dominiert die Favoritenliste

Partners Group wird von Schweizer Banken am häufigsten als Top-Pick 2026 genannt – gleich viermal. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB), Vontobel, die Schwyzer Kantonalbank und die Helvetische Bank setzen auf das Private-Equity-Unternehmen. Den zweiten Platz teilen sich Nestlé und Amrize mit je drei Nominierungen, gefolgt von Givaudan und Zurich Insurance mit je zwei Nennungen. Bei den Midcaps wird Sandoz zweimal und damit am häufigsten erwähnt. 13 weitere Titel wurden je einmal genannt.

Rangliste der Large Caps

Rang Aktie Anzahl Nennungen Banken
1 Partners Group 4 ZKB, Vontobel, Schwyzer Kantonalbank, Helvetische Bank
2 Amrize 3 ZKB, Vontobel, Helvetische Bank
2 Nestlé 3 Vontobel, Schwyzer Kantonalbank, Helvetische Bank
3 Givaudan 2 Vontobel, Helvetische Bank
3 Zurich Insurance 2 ZKB, Julius Bär
4 ABB 1 ZKB
4 Lonza 1 Vontobel

Quelle: Aktienfavoriten 2026 der ZKB, Vontobel, Schwyzer Kantonalbank und Helvetische Bank.

Rangliste der Mid Caps

Rang Aktie Anzahl Nennungen Banken
1 Sandoz 2 Vontobel, Julius Bär
2 Accelleron 1 ZKB
2 Adecco 1 Julius Bär
2 Alcon 1 Julius Bär
2 Comet 1 ZKB
2 Dätwyler 1 ZKB
2 Emmi 1 Julius Bär
2 Medacta 1 ZKB
2 Richemont   Vontobel
2 SGS 1 Helvetische Bank
2 Siegfried 1 ZKB
2 Skan   Helvetische Bank
2 Swiss Prime Site 1 Vontobel
2 VAT 1

Schwyzer Kantonalbank

Quelle: Aktienfavoriten 2026 der ZKB, Vontobel, Schwyzer Kantonalbank und Helvetische Bank.

ZKB setzt auf Technologie und Industrie

Die Zürcher Kantonalbank empfiehlt zehn Aktien - fünf Large Caps und fünf Midcaps. Der Fokus liegt auf Industrie- und Technologietiteln sowie Finanz- und Gesundheitswerten. Neben Partners Group, das schon 2025 auf der ZKB-Liste stand, setzen die Experten neu auf Amrize statt Holcim. Die Abspaltung des Bau- und Infrastrukturgeschäfts von Holcim im Juni hat die Präferenzen verschoben. Zurich Insurance, das bereits 2025 empfohlen wurde, bleibt als klassischer Dividendentitel auch für 2026 auf der Liste. Neu hinzu kommen ABB und Roche, während BKW von der Favoritenliste gestrichen wurde. Bei den Midcaps stehen Accelleron, Comet, Dätwyler, Medacta und Siegfried im Fokus.

Vontobel wählt Mix aus defensiven und zyklischen Werten

Vontobel empfiehlt zehn Schweizer Aktien und verfolgt einen ausgewogenen Ansatz zwischen defensiven und zyklischen Werten. Die Bank setzt dabei bewusst auf Verlierer des Jahres 2025 wie Sika und Partners Group, die nun Aufholpotenzial bieten. Beide Titel waren bereits 2025 auf der Vontobel-Liste und bleiben trotz deutlicher Kursverluste Favoriten. Mit Givaudan, Nestlé und Lonza sind defensive Qualitätstitel vertreten. Richemont, das 2025 noch bei mehreren Banken beliebt war, findet sich 2026 nur noch bei Vontobel. Neu auf der Liste steht Amrize, das Holcim ersetzt und für Vontobel nach der enttäuschenden Kursentwicklung seit der Abspaltung Chancenpotenzial birgt. Auch Sandoz und Swiss Prime Site wurden von 2025 ins neue Jahr übernommen. Komplett von der Liste verschwunden sind hingegen Aryzta, Flughafen Zürich und Adecco, während VAT neu dazukommt.

Julius Bär geht eigene Wege

Julius Bär geht mit fünf Favoriten ins Rennen und setzt dabei auf eher «eigenwillige» Empfehlungen. Mit Adecco, Alcon und Emmi wählt die Bank Titel, die nicht hoch in der Gunst anderer Banken stehen. Ergänzt wird die Liste durch Sandoz und Zurich Insurance. Sandoz war bereits 2025 Julius-Bär-Favorit und bleibt es auch 2026. Emmi kehrt nach einer Pause wieder auf die Favoritenliste zurück. Die Bank geht davon aus, dass diese weniger beachteten Titel bei einer Wiederentdeckung durch Anleger besonderes Potenzial bieten.

Helvetische Bank fokussiert auf operative Wendepunkte

Die Helvetische Bank (HB) hat sechs Titel ausgewählt und setzt auf Unternehmen mit attraktiven Bewertungen und operativen Wendepunkten. Mit Nestlé, Givaudan und Partners Group werden drei SMI-Schwergewichte genannt, die 2025 enttäuschten, nun aber Aufholpotenzial bieten. Besonders bemerkenswert ist die Rückkehr von Nestlé auf die Favoritenlisten. Nachdem das Motto «Make America Healthy Again» 2024 zu Verunsicherung bei Gesundheits- und Nahrungsmittelaktien führte, sehen die Banken nun mit dem neuen CEO Philipp Navratil einen Wendepunkt. Ergänzt wird die Liste durch Amrize aus dem Bau- und Infrastruktursektor sowie die Midcaps SGS und Skan. Von der letztjährigen HB-Favoritenliste mit Aryzta, Cembra Money Bank, Forbo, SGS und Straumann hat nur SGS den Sprung ins neue Jahr geschafft. 

Auf den vorliegenden Empfehlungslisten sind nicht weniger als 23 verschiedene Schweizer Titel zu finden. Sektoral zeigt sich eine Präferenz für Finanzwerte - allen voran Partners Group und Zurich Insurance. Auffällig ist, dass UBS, das 2025 noch bei Vontobel und der Basler Kantonalbank zu finden war, komplett von den Favoritenlisten verschwunden ist.

Auch der Gesundheitssektor ist mit Roche, Lonza, Sandoz und mehreren Medtech-Werten gut vertreten. Im Industriesektor stechen Amrize, ABB und Sika hervor. Bemerkenswert ist zudem, dass mehrere Banken bewusst auf Verlierer von 2025 setzen und von Aufholpotenzial bei tieferen Bewertungen ausgehen. Die klare Favorisierung von Partners Group durch gleich vier Banken (das sind zwei mehr als noch 2025) deutet darauf hin, dass der Vermögensverwalter für viele Strategen im kommenden Jahr besonders vielversprechend erscheint. Während es aus Anlegersicht durchaus Sinn macht, die Risiken breit zu streuen, sollte man sich auch nicht zu stark verzetteln.

Monique Misteli Ringier
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