Eine Aktienauswahl für jedes Börsen-Wetter

Währungsturbulenzen, steigende Zinsen oder Aktienrückkäufe: Eine französische Grossbank zaubert für jedes dieser Szenarien den passenden Aktien-Korb aus dem Ärmel.
01.06.2015 08:37
Von Lorenz Burkhalter
Wird von Exane BNP Paribas als einer der Gewinner steigender Zinsen gehandelt: Die Aktie von Swiss Re.
Wird von Exane BNP Paribas als einer der Gewinner steigender Zinsen gehandelt: Die Aktie von Swiss Re.
Bild: Bloomberg

Mit ihrer ultralockeren Geldpolitik stellt die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte vor riesige Herausforderungen. Das von Negativzinsen geprägte Umfeld zwingt private wie auch institutionelle Anleger geradezu, in Aktien zu investieren.

Den Anlagestrategen gehen langsam aber sicher die Ideen aus, so könnte man zumindest meinen. Dass es auch anders geht, stellen die Experten von Exane BNP Paribas unter Beweis. In einer Strategiestudie nennen sie nicht nur fünf Anlagethemen, sondern liefern auch gleich die dazu passende Auswahl an Aktien.

1. Anomalien an den Devisenmärkten

Alleine seit Jahresbeginn sind weltweit mehr als 50 Leitzinsreduktionen bekanntgegeben worden. Für die Studienverfasser steht fest: Einmal mehr ist ein Währungskrieg unter den führenden Wirtschaftsnationen entbrannt.

Der weltweite Abwertungswettlauf sorge für stärkere Schwankungen bei den Devisenkursen, insbesondere beim Dollar.

Um auf einen höheren Greenback zu wetten, setzen die Experten auf die Aktien von MTU Aero Engines, Publicis Groupe, Meggitt, Wolters Kluwer, Alcatel-Lucent und Davide Campari. Alle diese Unternehmen haben eines gemeinsam: Sie erzielen einen Grossteil ihres Umsatzes in Nordamerika und weisen eine hohe statistische Korrelation zum Dollar auf.

Von einem schwächeren Dollar profitieren gemäss Exane BNP Paribas hingegen die Titel von Delhaize Group, Hexpol, Amec Foster Wheeler, Rubis, Bunzl, Smiths Group, Wolseley, National Grid, Ultra Electronics, Carnival, Experian oder Husqvarna.

2. Risiko steigender Zinsen

Nach der kürzlich beobachteten Ausverkaufswelle an den europäischen Anleihenmärkten raten die Strategen den Anlegern, sich mit einer Auswahl an Aktien gegen steigende Zinsen abzusichern.

Zu den Gewinnern höherer Zinsen zählen sie die Titel von Bankia, Banco Santander, Anglo American, Boskalis Westminster, Aviva, FLSmidth, Royal Bank of Scotland, Rio Tinto, UPM-Kymmene, Danske Bank, Swiss Re und Royal Dutch Shell.

Auf der Liste der Aktien mit der höchsten Abhängigkeit von der Zinsentwicklung sind hingegen Genmab, Mediaset, Aveva Group, Adidas, Telecity Group, Glanbia, Remy Cointreau, Luxottica, L'Oréal, STMicroelectronis und Dassault Systèmes zu finden.

3. Normalisierung der Gewinnmargen

Im Europa gebe es noch immer Wirtschaftszweige und Unternehmen mit gedrückten Gewinnmargen, so die Studienverfasser. Sollte sich das konjunkturelle Umfeld weiter aufhellen, sehen sie bei Anglo American, Lanxess, Bouygues, Sandvik, Alstom, Tullow Oil, Sainsbury, Tesco, Logitech, Ericsson, Telefonica, Swisscom und Ladbrokes kursseitiges Aufwärtspotenzial.

Mit rückläufigen Margen rechnen die Experten bei Eiffage, Wolseley, Philips, Thales, BT Group und Accor.

4. Kapitalrückführung an die Aktionäre

Dank reichlich vorhandenen Barmitteln und den historisch tiefen Zinsen sehen die Strategen gute Chancen für höhere Dividenden und Aktienrückkäufe. In diesem Zusammenhang machen sie bei einigen Unternehmen sogar positives Überraschungspotenzial aus, beispielsweise bei Renault, UPM-Kymmene, Evonik Industries, TF1, Neste Oil oder Sainsbury.

Vor überschätzten Dividendenerwartungen warnen die Experten hingegen bei Voestalpine, Diageo, Nestlé, Grifols, Sonova, Siemens, Wirecard und ENI.

5. Unternehmensspezifische Attribute

Überdurchschnittliche Kursgewinne erwartet man bei Exane BNP Paribas auch bei Aktien von Unternehmen mit firmenspezifischen Umsatz- und Gewinntreibern.

Wie der Strategiestudie zu entnehmen ist, verfügen Victrex, G4S, Melrose Industries, Booker Group, Dixons Carphone, Kering, Ericsson, Nokia und Compass über solche Treiber.

Da die Studienverfasser sich nicht so recht in die Karten blicken lassen wollen, ob sie jetzt mit einem steigenden oder einem fallenden Dollar oder höheren Zinsen rechnen, müssen sich Anleger selber ein Urteil fällen. Mit anderen Worten: Die vorliegende Strategiestudie ist quasi ein Werkzeug, die Arbeit müssen Anleger aber schon selber erledigen.