Die Börsen stehen seit Ausbruch des Iran-Kriegs unter Druck. Es resultierten Kursverluste von bis zu 6 Prozent für den Swiss Market Index (SMI) oder bis zu 7,5 Prozent für den Deutschen Aktienindex (DAX), während der Erdölpreis um 20 Prozent in die Höhe schoss.

Das zeigt: In stürmischen Zeiten ist ein breit diversifiziertes Anlegerportfolio Pflicht. Ein klassisches 60/40-Portefeuille, das zu 60 Prozent aus Schweizer Aktien und Immobilien sowie zu 40 Prozent aus Schweizer Obligationen besteht, hat in den letzten Jahren auch mit dem Covid-Crash, dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs und mit zwei Konflikten in Nahost den Test bestanden - primär dank eines überdurchschnittlichen Anstiegs bei den Immobilienpreisen. Die Rendite des Oblgationenanteils ist dagegen nicht der Rede wert. Dies liegt bei rund 0,5 Prozent für ein gemischtes Obligationenportfolio in den letzten Jahren. 

Wer das gesamte Ersparte in einen SMI- oder Nasdaq-ETF investiert, kann wegen der grossen Kursschwankungen meist nicht immer ruhig schlafen. Steigt der Investor zum falschen Zeitpunkt ein, so kann eine angestrebte Aktienrendite von 5 bis 7 Prozent über zehn Jahre zur Illusion werden.

Während Krisen wie Covid, der Finanzkrise 2008 oder dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 gab es Kursverluste von 30 und 70 Prozent auf den bekannten Aktienindizes wie dem S&P 500 Index oder dem SMI. Problematisch sind solche Kursverluste, weil es wie beim Nasdaq nach der Dotcom-Blase geschlagene 17 Jahre dauerte, bis der führende amerikanische Techindex die Verluste wieder egalisiert hatte. Das gilt auch für den SMI, der zwischen 2000 und 2010 auf eine annualisierte Gesamtrendite von mickrigen 1,4 Prozent pro Jahr kam - ohne Dividenden wäre das Ergebnis sogar negativ ausgefallen.

Performance neu denken

Deshalb sollten auf Rendite fokussierte Schweizer Investoren wegen der tiefen Obligationenrenditen, der Frankenstärke sowie möglicherweise länger seitwärts tendierenden oder nachgebenden Börsen auch auf Anlagen mit einer überdurchschnittllichen Performance setzen. 

Mit dem hier vorgeschlagenen Portfolio (es kann auch als «Vorlage» für künftige Krisenzeiten dienen) aus acht Exchange Traded Funds (ETF), einem Anlagefonds und einem in den USA kotierten Fonds soll unter möglichst geringen Schwankungen über einen Anlagehorizont von zehn Jahren eine möglichst hohe Rendite erzielt werden. Dem sogenannten «Home-Bias» wird mit einem fünfprozentigen Anteil Rechnung getragen. 

Aufgrund der unsicheren Zukunftsaussichten werden im Portfolio 12 Prozent in Cash gehalten. Die restlichen 88 Prozent werden wie folgt angelegt: 10 Prozent Schweizer Immobilien, 28 Prozent Schweizer Aktien mit Schwergewicht Dividendentitel, 10 Prozent Wandelanleihen global, 11 Prozent Rohwaren, 5 Prozent amerikanische Energieunternehmen, 8 Prozent hochverzinsliche US-Obligationenfonds sowie 14 Prozent Hedgefonds-ähnliche «Long/Short-ETF». 

Kernbaustein des Portfolios ist der «iShares Swiss Dividend ETF» mit einer Gewichtung von 18 Prozent. Dieser ETF bildet den Index «SPI Select Dividend 20» des Schweizer Börsenbetreibers SIX ab. Der Index umfasst 20 Schweizer Aktien, die die renditestärksten Unternehmen innerhalb des breiteren Swiss Performance Index (SPI) repräsentieren. Diese Unternehmen zeichnen sich durch eine stabile Dividendenentwicklung und eine solide Rentabilität aus. An erster Stelle finden sich die SMI-Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche, gefolgt von den Dividendenperlen Holcim, Partners Group, Swisscom, Swiss Re, Zurich Insurance oder bei den Mid Caps Bucher, EFG, Galenica sowie SGS

Mit dem «UBS SMIM ETF» auf den Schweizer Mid Cap Index SMIM wird auf die 30 nach Marktkapitalisierung grössten Unternehmen ausserhalb des SMI gesetzt. Darunter gehören Titel wie Accelleron, Clariant, Ems, Lindt, Sandoz, Sunrise oder VAT.

Der in Schweizer Franken abgesicherte Wandelobligationenfonds «Bantleon Global Convertible» investiert global breit diversifiziert vorwiegend in Wandelanleihen von wachstumsorientierten Small- und Mid Caps. Wandelanleihen sind hybride Wertpapiere, die Merkmale von festverzinslichen Anleihen und Aktien vereinen. «Eine Wandelanleihe nimmt in der Regel zu zwei Dritteln an der Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte teil, aber bei sinkenden Aktienkursen partizipiert die Wandelanleihe nur zu einem Drittel. Und das Ganze bei deutlich geringerer Volatilität als bei Aktien», erklärt Oliver Gasser, Portfoliomanager bei Bantleon.

Als Portfoliobaustein wären Schweizer Immobilienfonds wegen ihrer geringen Schwankungsanfälligkeit und höheren Rendite als Franken-Obligationen, anlaog zu Wandelanleihen, eine interessante Alternative. Diese drängen sich aber nicht auf, weil viele dieser Immobilienfonds mit einem Aufschlag respektive Agio von bis 40 Prozent über dem inneren Wert gehandelt werden. Als Beimischung können diese Fonds wegen der geringen Schwankungen aber einen wertvollen Beitrag in turbulenten Marktphasen leisten, weshalb 10 Prozent in den «BUS ETF (CH) SXI Real Estate Funds» fliessen. 

Ein anderer, eher unbekannter Baustein für ein modernes Portfolio sind sogenannte Long/Short-Fonds oder ETF. Diese Fonds sind zu 100 Prozent in Aktien investiert und gehen zusätzlich mit 30 Prozent des Fondsvermögens Shortpositionen ein, um bei sinkenden Kursen einen Gewinn zu erzielen. Die Kombination beider Ansätze bietet einerseits einen gewissen Schutz gegen Kursverluste in Marktabschwüngen. Andererseits werden zwei Wege genutzt, um Kursgewinne zu erzielen: Gewinner werden gekauft, Verlierer leer verkauft. 

Gerade der Vorteil der geringeren Volatilität ist in Stressphasen ein entscheidendes Kriterium. Beim Covid-Crash im März 2020 verlor der «iShares Swiss Dividend ETF» 40 Prozent an Wert, der «First Trust Long Short ETF» dagegen nur 20 Prozent. Mit dem ETF von First Trust wird zudem das Technologie-Exposure abgedeckt. Die fünf grössten Positionen sind Apple, Microsoft, Nvidia, Alphabet und Amazon. Ein relativ starke Ausrichtung hat auch der Bantleon-Fonds mit Wandelanleihen von SK HynixWestern Digital, Alibaba oder Strategy

Der «Militia Long/Short ETF» wurde vor 14 Monaten vom Hedgefonds Davi Orr aufgelegt und kann in Franken auf eine Gesamtrendite von 21 Prozent zurückblicken. Den jüngsten Stresstest hat auch dieser ETF bestanden, der neben TSMC als grösste Position in diversen japanischen Small Caps wie Hikari Tsushin und Lasertec investiert ist. Seit dem Ausbruch des Iran-Krieges hielt sich der ETF (-4,3 Prozent im Vergleich zum NIkkei (-7,1 Prozent) besser. 

Ein wildes Produkt und der Gold-Klassiker

Ein Baustein in diesem Portfolio ist der börsennotierte «Pimco Dynamic Income Fund». Der Fonds investiert weltweit in ein sehr breites Spektrum von festverzinslichen Wertpapieren und Schuldtiteln. Im Vergleich zu einem klassischen Obligationenportfolio nimmt der Fonds bis zu einem gewissen Grad Kredite auf, um weitere Anlagen zu tätigen. Auf der einen Seite erhöht das die Volatilität, erlaubt aber hohe Ausschüttungen. Aktuell beläuft sich die Dividendenrendite auf 14,5 Prozent. 

Abgerundet wird das Portfolio mit den drei ETFs «Swisscanto Gold ETF», dem «abrdn Bloomberg All Commodity Strategy ETF» und dem «Vanguard Energy ETF». Während der Gold-ETF ein langfristiges Investment darstellt, handelt es sich bei den zwei anderen Positionen um opportunistische Anlagen.

Beim «Vanguard Energy ETF» ist die Überlegung, dass der energiehungrige Ausbau der KI-Infrastuktur künftig mehr Gewinner im Energiesektor als im Halbleiterbereich hervorbringt. Die USA sind neu führend in der Nuklearindustrie, was über die Jahre für zusätzlichen Schub sorgen könnte. Eine Anlage in diversen Rohwaren - sprich Commodities - ist eine eher kurzfristige Wette bis Ende Jahr. Sollte sich die geopolitische Lage und die Lieferketten nicht beruhigen, sind weitere Kursgewinne drin. 

Thomas Daniel Marti
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