Schweizerinnen und Schweizern ist Sicherheit beim Sparen wichtiger als der Vermögensaufbau. Laut der jüngsten Umfrage der Migros Bank «Monitor Finanzkompetenz» legen knapp 60 Prozent der Befragten regelmässig Geld auf die Seite. Bei 43 Prozent dieser Gruppe steht Sicherheit an erster Stelle. Kurz: Viele halten Cash.

Aus Angst vor Verlusten verzichten sie auf langfristigen Vermögensaufbau mit Investitionen. Doch genau das dürfte auf lange Sicht teuer werden - und ist damit paradoxerweise auf lange Sicht deutlich «riskanter».

Gemäss einer Studie der Deutschen Bank ist nämlich Bargeld die mieseste Anlageklasse überhaupt. Zwar schwankt es am wenigsten im Wert und fühlt sich deshalb sicher an. Doch in den letzten 200 Jahren hat nur Bargeld im Durchschnitt real an Wert verloren. Alle anderen Anlageklassen - Aktien, Anleihen, Sparkonto oder Gold - haben in absteigender Reihenfolge inflationsbereinigt zugelegt. Im aktuellen Zinsumfeld verliert indes auch das Geld auf dem Sparkonto an Kaufkraft, weil der Sparzins unter der Teuerung liegt.

Wer über einen Vermögenserhalt oder -aufbau nachdenkt, der kommt deshalb nicht an den Finanzmärkten vorbei. Wer aber noch nie investiert hat, dem können sie überwältigend und abschreckend wirken. cash.ch hat deshalb einen einfachen Sieben-Punkte-Ratgeber fürs erste Investment ausgearbeitet, der auch für Fortgeschrittene lesenswert ist.

1. Wofür ist das Geld gedacht?

Bevor Sie investieren, beantworten Sie eine Frage: Wofür ist das Geld gedacht? Vorsorge, Haus- oder Autokauf? Es dürfen ruhig auch kleinere Ziele sein.

Haben Sie erst ein klares Ziel vor Augen, leitet sich daraus die Anlagedauer ab. Sie können auch mehrere Ziele definieren und mit unterschiedlichen Strategien angehen. Grundsätzlich gilt: Je länger Sie investieren, desto grösser die Chance auf Wertzuwachs.

2. Wie viel Verlust ertragen Sie?

Welche Verluste können Sie finanziell und psychologisch tragen? Zum ersten Punkt finden sich verschiedenste Schnelltests im Internet. Diese geben eine erste Auskunft darüber, welcher Anlegertyp Sie sind.

Fragen Sie sich zusätzlich, wie viel Zeit Sie fürs Thema aufbringen wollen. Beides - Risikobereitschaft und Zeit - hat Einfluss auf die Anlageinstrumente. Aber mehr dazu später.

Verlässlich beantworten lässt sich der zweite, der psychologische Aspekt der obigen Frage allerdings erst nach einigen Monaten oder Jahren. Die Antwort hängt von der Erfahrung ab - und vom Selbstvertrauen, das mit der Zeit wächst. Starten Sie deshalb mit kleinen Beträgen - am besten mit 50 bis 100 Franken.

3. Monatliches Budget festlegen

Wie viel können Sie monatlich entbehren? Legen Sie den Betrag zu Beginn so fest, dass Sie ein Verlust nicht von weiteren Käufen abhält. Verluste sind normal und gehören zum Vermögensaufbau. Entscheidend ist zu Beginn der Erfahrungsgewinn. 

Nach einigen Monaten oder wenigen Jahren kennen Sie Ihr Anlegerverhalten und haben Selbstvertrauen gewonnen. Dann richten Sie die Beträge nach Zielen und Anlagedauer aus. Benötigen Sie 1 Million Franken in 30 Jahren für die Rente, fallen die monatlichen Raten fundamental anders aus als bei 150’000 Franken in fünf Jahren für eine Renovation.

4. Depot eröffnen oder Broker finden

Fast alle Menschen in der Schweiz verfügen über ein Bankkonto. Dieses ermöglicht Ihnen aber nicht automatisch den Handel mit Aktien. Dafür brauchen Sie ein Depot. Es lässt sich meist problemlos bei der Hausbank eröffnen, online oder telefonisch.

Allerdings ist hier auf einen wichtigen Punkt hinzuweisen: Je kleiner die monatlichen Beträge, desto wichtiger die Transaktionsgebühren. Für Summen von mehreren Tausend Franken sind 0,1 bis 0,5 Prozent des Handelsvolumens ein vernünftiger Richtwert. Bei rund 100 Franken liegen die Gebühren prozentual höher, sollten aber 2 bis 3 Franken nicht übersteigen. 

In der Schweiz und in Europa gibt es viele seriöse Online-Broker und Online-Banken mit tiefen Handelsgebühren. Diese Broker eignen sich besonders für Anlegerinnen und Anleger mit kleineren Vermögen. Vergleichen Sie Kosten (Depotkosten, Transaktionsgebühren), handelbare Produkte, Sicherheit (in welchem Land sitzt der Anbieter? Einlagensicherheit?) und Kundenservice - und legen Sie Ihre Prioritäten fest. Verschiedenste Vergleichsplattformen nehmen Ihnen hier einen Grossteil der Arbeit ab und sind einen Blick wert. Der cash-Banking-Partner bank zweiplus operiert zum Beispiel mit einer Einheitsgebühr.

Wer ausserdem von Steuerabzügen profitieren möchte, eröffnet ein Säule-3a-Konto bei einem Anbieter mit verschiedensten Anlagefonds im Angebot. Zwar sind Sie hier weniger frei in der Auswahl als wenn Sie Ihr eigenes Portfolio aufbauen - es können nur in diversifizierte Fonds und in keine Einzelinstrumente wie Einzelaktien oder -anleihen investiert werden. Doch die Einzahlungen können Sie vom steuerbaren Einkommen abziehen. Dieses Geld kann jedoch bis auf einige wenige Fälle erst bis kurz vor der Pensionierung abgezogen werden. Eine dieser Ausnahmen: der Hauskauf. Berücksichtigen Sie hier deshalb zwingend Ihre festgelegten Ziele.

5. Geld überweisen

Nachdem Sie das Depot oder das Konto beim Broker eröffnet haben, sind Sie bereit fürs erste Investment. Überweisen Sie den festgelegten Betrag. Je nach Finanzinstitut dauert das bis zu zwei Tage.

6. Investieren: Aktie oder ETF?

Kennen Sie zuerst die Basis-Anlageklassen: Aktien, Obligationen, Rohstoffe, Devisen und Kryptowährungen. Sie folgen unterschiedlichen Gesetzmässigkeiten und bei Devisen kommt oft ein Hebel dazu.

Zum Start eignet sich eine einzelne Aktie, zu der Sie etwa einen Bezug haben - oder ein Aktien-ETF. Bei der Einzelaktie gilt: Eine längere Haltedauer führt nicht automatisch zu Gewinn. Hier geht es anfangs aber auch nur um den Erfahrungsgewinn.

Ein ETF ist ein Anlagevehikel, das aus verschiedenen Aktien oder Obligationen, oder aus beidem, besteht. Halten Sie sich anfangs an breit abgestützte Markt-ETF, etwa auf den Swiss Performance Index (SPI) oder den MSCI World. Das Halten von ETF kostet etwas (TER für «Total Expense Ratio», die laufende Gebühr), bei Aktien fallen keine laufenden Gebühren an.

Themen-ETF (etwa Rüstung, Wasser oder KI) lassen Sie besser links liegen - sie eignen sich weniger für Anfänger. Meiden Sie zu Beginn auch Obligationen, Rohstoffe, Krypto und Devisen: Entweder unterscheiden sich ihre Bewertungsmechanismen fundamental von jenen von Aktien, Detailinformationen sind für Privatkunden schwerer zugänglich oder die Hebelwirkung ist für Anfänger schlicht zu riskant.

Bringen Sie die Punkte fünf und sechs in einen monatlichen Rhythmus: per Dauerauftrag, und bei einigen Banken und Brokern lässt sich das Investieren sogar automatisieren. Spätestens nach zwei Jahren stellen Sie die Kontrollfragen: Passt die Strategie noch? Haben sich die Ziele verändert? Hat sich Ihre Risikobereitschaft gewandelt, etwa weil Sie heute mehr wissen?

Je mehr Zeit Sie dann für die Thematik aufbringen möchten, umso mehr eignen sich dann Einzelanlagen in Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Kryptowährungen. Für Personen, die am Investieren wenig Interesse haben und den Aufwand klein halten wollen, bleiben breit gestreute ETF weiterhin die beste Wahl.

7. Füsse stillhalten

Das Wichtigste zuletzt: Ruhe bewahren. Passen Sie Ihr Depot nur langsam an. Kontrollieren Sie Ihr Vermögen nicht täglich - Kursschwankungen sind normal.

Und denken Sie an die zwei Grundprinzipien: Ihr Geld arbeitet im Hintergrund weiter, auch wenn Sie nichts tun. Und der «Zinseszins-Effekt» sorgt dafür, dass aus kleinen Beträgen über die Jahre Vermögen wird. Streng genommen entsteht der Effekt bei Aktien durch reinvestierte Gewinne und Dividenden - es ist also kein Zins, sondern die Wiederanlage von Erträgen.

Wer dann noch diese zehn Fehler zu vermeiden vermag, dem steht dem langfristigen Vermögensaufbau nichts im Weg.

Luca_Niederkofler
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