Die Dividendenzahlungen der kotierten, grosskapitalisierten Schweizer Unternehmen dürften im abgelaufenen Geschäftsjahr gemäss Daten des Vermögensverwalters Vontobel vom letzten Jahr auf einen neuen Rekordwert von 62,5 Milliarden Franken gestiegen sein.

Dagegen entwickelten sich die Aktienrückkäufe in der Schweiz im abgelaufenen Börsenjahr rückläufig. Unter den Blue Chips im Swiss Leaders Index (SLI) sowie drei ausgewählten Einzeltiteln wurden für 18,6 Milliarden Franken eigene Aktien zurückgekauft, wie Daten des US-Vermögensverwalters Capital Group zeigen. Das sind 26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Das rückläufige Volumen bei den Aktienrückkäufen ist hauptsächlich auf Nestlé zurückzuführen. Der Nahrungsmittelkonzern hatte das drei Jahre laufende Programm über 20 Milliarden Franken Ende 2024 nicht erneuert. Das Aussetzen der Aktienrückkäufe war dem stagnierenden freien Cashflow und der über die Jahre gestiegenen Verschuldung geschuldet. 

Indes hat Nestlé wohlweislich die Dividende nicht angerührt und die Ausschüttungen in minimalen Schritten im Jahr 2024 und 2025 angehoben. Das Festhalten an der Dividende hat denn auch handfeste Gründe, wie Anne-Marie Peterson, Aktien-Portfoliomanagerin von Capital Group, gegenüber cash.ch erklärte. «Dividenden fördern eine Disziplin im Unternehmen, die anderswo schwer zu erreichen ist. Sobald eine Ausschüttung festgelegt ist, hat sie Gewicht.»

Manager und Verwaltungsräte wüssten, dass eine Kürzung der Dividende bemerkt und bestraft werde. Das erzwinge ein gewisses Mass an Disziplin. So würden Investitionsvorschläge sorgfältiger geprüft oder Kosten genauer unter die Lupe genommen, meinte Peterson von Capital Group. Zudem könne Kapital nicht einfach stillschweigend in Projekte fliessen, die auf dem Papier gut aussehen, aber wenig bringen. 

Gegenüber Aktienrückkäufen haben Dividenden weitere Vorteile. Einerseits ist die Dividende unkompliziert. Das Geld verlässt das Unternehmen und landet direkt auf dem Konto der Anlegerin oder des Anlegers. Zudem benötigt es keine Entscheidung über den Zeitpunkt wie bei einem Aktienrückkaufprogramm. «Diese Klarheit wird unterschätzt», ergänzt die Portfoliomanagerin von Capital Group.

Kenngrössen beachten

Das Beispiel Nestlé zeigt eindrücklich, welchen Einfluss der freie Cashflow und der Verschuldungsgrad auf die Ausschüttungspolitik haben. Stagniert der Cashflow, kann keine oder nur eine begrenzte Dividendenerhöhung realisiert werden. Eine steigende Verschuldung ist ebenfalls Gift. Die langfristigen Schulden stiegen bei Nestlé zwischen 2016 und 2025 auf 45 von 11 Milliarden Franken, wie Daten von Bloomberg zeigen. In so einem Fall ist es dann irgendwann schwierig bis unmöglich, die Dividenden weiter massgeblich zu erhöhen. 

Insgesamt wissen die Schweizer Blue Chips aber zu überzeugen. Das von Capital Group abgedeckte Universum umfasst die SLI-Unternehmen ohne Amrize, aber inklusive BKW, Ems-ChemieSwiss Prime Site und Vaudoise. In dieser Gruppe war der freie Cashflow der Nicht-Finanzunternehmen zwischen 2019 und 2024 in US-Dollar um 22 Prozent gestiegen - und damit im Gleichschritt mit Dividenden und Aktienrückkäufen im gleichen Zeitraum. 

Die Deckung durch den freien Cashflow untermauert die Solidität der Schweizer Unternehmen. Dieser blieb mit dem Verhältnis zwischen freiem Cashflow und Ausschüttung von 1,28-mal stabil und liegt leicht über dem globalen Durchschnitt. Betrachtet man die Gewinne - inklusive Finanzsektor -, ergibt sich ein ähnliches Bild: Diese stiegen zwischen 2019 und 2024 um 30 Prozent, während Dividenden und Rückkäufe um 25 Prozent zunahmen, so Peterson von Capital Group.

Dieser Trend dürfte sich im letzten Geschäftsjahr fortgesetzt haben und weitere Dividendensteigerungen sind auch für 2026 zu erwarten, wie Daten von Bloomberg zeigen. Zu den Unternehmen mit den höchsten, erwarteten Dividendenrenditen für das laufende Jahr im Universum der Capital Group gehören Zurich Insurance (Dividendenrendite 5,5 Prozent), Partners Group (5,0 Prozent), Swiss Re (4,9 Prozent), Julius Bär (4,2 Prozent) und Swisscom (4,1 Prozent). Unterdurchschnittlich ist dagegen die Dividende der drei Schwergewichte: Nestlé bringt es auf 3,8 Prozent, Novartis auf 3,2 Prozent und Roche auf 3,1 Prozent.

Aus der Gruppe der Dividendenperlen fallen ABB (Dividendenrendite 1,2 Prozent) und Holcim (2,3 Prozent) weg. Die zwei Firmen konnten vor drei Jahren noch mit Renditen von 4 und mehr Prozent aufwarten. Nun werden diese Titel der Kategorie Wachstumsunternehmen zugeordnet. Holcim weist beim Wachstum des Gewinns pro Aktie im SLI über die letzten fünf Jahre das höchste Plus mit 54 Prozent aus, gefolgt von Straumann mit 31 Prozent, Helvetia Baloise mit 17 Prozent, Novartis mit 15 Prozent und Zurich Insurance mit 13 Prozent. 

Eine interessante Kenngrösse bleibt das Kurs-Gewinn-Verhältnis dividiert durch die Rendite auf dem investierten Kapital (Roic). Diese Kennzahl ist der ideale Gradmesser, um die Qualität eines Unternehmens im Verhältnis zu seinem Preis aufgrund der Kapitaleffizienz zu bewerten. Hier können Logitech (Verhältnis 0,6), Partners Group (0,6), Roche (0,7), Novartis (0,8) oder Zurich Insurance (1,0) als unterbewertet respektive attraktiv bewertet eingestuft werden. 

Den höchsten Eckwert bei dieser Kennzahl weisen Holcim (5,3) und Alcon (4,7) auf. Das heisst bei diesen zwei Firmen aber nicht unbedingt, dass sie überbewertet sind. Zwei Punkte müssen berücksichtigt werden. Erstens investieren Alcon und Holcim einen hohen Anteil der freien Mittel in neue Produkte oder Firmenübernahmen. Dies reduziert kurzfristig zwangsläufig den Ertrag auf dem investierten Kapital. 

Zweitens unterscheiden sich der Augenheilmittel- und der Baustoff-Konzern beim Erfolg in der Umsetzung. Holcim ist es in den vergangenen zehn Jahren gelungen, die Akquisitionsstrategie erfolgreich zu monetarisieren – sprich  die übernommenen Firmen wurden rasch und erfolgreich integriert. Bei Alcon setzt der Markt dagegen immer wieder Fragezeichen hinter die Ausführung der Wachstumsstrategie, zumal zwei angestrebte Übernahmen in den vergangenen Jahren scheiterten. 

Hohe Beliebtheit von Aktienrückkäufen in den USA

Während die Dividenden beim SLI in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 40 Prozent zur Gesamtperformance beigetragen haben, stehen Aktienrückkäufe bei US-Anlegern weiterhin höher im Kurs. Die Unternehmen in Übersee investierten sowohl absolut als auch relativ gesehen mit Abstand am meisten Kapital in Aktienrückkäufe und gaben 2025 die Rekordsumme von 1,04 Billionen Dollar aus.

Das entspricht 71 Prozent des weltweiten Gesamtvolumens und liegt weit über ihrem Anteil von 38 Prozent an den Dividendenzahlungen, wie Capital Group ermittelt hatte. Die Ausgaben im Jahr 2025 übertrafen den bisherigen Höchststand von 2022, als Unternehmen sich beeilten, der Einführung einer neuen Steuer auf Aktienrückkäufe zuvorzukommen.

Die USA sind das einzige grosse Land, in dem Aktienrückkäufe regelmässig höher ausfallen als Dividendenzahlungen - sprich 1,5-mal so hoch im Jahr 2025 und somit höher als in der Schweiz mit 1,28-mal. Zudem gaben in den letzten zehn Jahren US-Unternehmen 7,6 Billionen US-Dollar für den Rückkauf eigener Aktien aus, verglichen mit 5,3 Billionen US-Dollar für Dividenden.

Den grössten Anstieg in den USA verzeichnete Nvidia mit Aktienrückkäufen im Wert von 44 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025, gegenüber 29 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Alphabet reduzierte sein Aktienrückkaufprogramm erstmals deutlich, um die stark gestiegenen Investitionen in KI zu finanzieren – das Unternehmen gab im Vergleich zum Vorjahr fast 17 Milliarden US-Dollar weniger aus.

Thomas Daniel Marti
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