Neues Jahr, neues Glück? Für einige Schweizer Anleger war dies auf jeden Fall so, für andere gibt es durchaus noch Optimierungsbedarf. Die Monatsbilanzen der einzelnen Titel am hiesigen Markt präsentieren sich sehr divers: Während einige Aktien in den letzten 29 Tagen unaufhaltsame Kursanstiege verzeichneten, haben andere neue Tiefen erreicht.
Sicher ist: 2026 hat aus Börsensicht - und auch abseits der Kapitalmärkte - ähnlich turbulent weitergemacht, wie das alte Jahr geendet hat. Konflikte brodeln weiterhin auf verschiedenen Kontinenten, Donald Trump und seine Entscheide sorgen weiter für Gesprächsstoff, und das WEF lieferte auch nur bedingt einen Hoffnungsschimmer auf ruhigere Zeiten. Dazu kommt noch die angelaufene Bilanzsaison, welche Anleger vor Entscheidungen stellt.
Verlierer am SMI
Über alle Titel hinweg gesehen konnte sich der SMI bisher nicht mit dem Jahr anfreunden. Los ging es eigentlich positiv: Der SMI erklomm bis Mitte des Monats ein neues Allzeithoch bei 13'476 Punkten, nach 19 Handelstagen steht jedoch eine negative Performance mit 0,8 Prozent Verlust zu Buche. Vor allem der starke Franken stellt für den exportabhängigen Schweizer Markt ein Belastungsfaktor dar, da sinkende Fremdwährungskurse auf das Umsatzvolumen und die erwirtschafteten Gewinne drücken.
Besonders belastend wirkte das Schwergewicht Nestlé (-7,5 Prozent) auf die Kursperformance des SMI. Der Nahrungsmittelhersteller kämpft mit negativen Schlagzeilen rund um vergiftete Babynahrung, welche stark im Zusammenhang mit Produkten des Unternehmens stehen. Ein Beweis liegt bisher jedoch nicht vor, der finanzielle Schaden ist gering. Aber der Konzern aus Vevey strapaziert einmal mehr das Vertrauen der Anleger. Mit einem Preis von knapp über 70 Franken haben die Valoren von Nestlé innerhalb von 12 Monaten 20 Franken eingebüsst.
Unter der 12 Positionen langen Verliererliste befinden sich auch «Börsenlieblinge» wie die UBS (-0,1 Prozent) und die drei Versicherer Swiss Re (-7,7 Prozent), Swiss Life (-8 Prozent) und Zurich (-9 Prozent). Erstere hatte zwar in den letzten drei Monaten um 18 Prozent an Wert hinzugelegt, jedoch konnte die UBS nicht an diese Performance anschliessen. Die Grossbank kämpft weiterhin mit der Diskussion um die Kapitalanforderungen. Bei den Versicherern drückten Expertenmeinungen, welche den Höhepunkt des Zyklus sehen. Bei Swiss Life dürften es primär Gewinnmitnahmen sein nach der überdurchschnittlichen Kursperformance von 57 Prozent in den letzten drei Jahren.
Die schwierigsten Wochen haben denn auch Richemont (-14 Prozent) und Logitech (-16 Prozent) hinter sich. Bei ersterem startete der Monat mit Gewinnmitnahmen, darauf folgte das Wiederaufflammen des internationalen Zollstreits, enttäuschende Zahlen des Rivalen LVMH und zuletzt auch noch ein hoher Goldpreis, der das Umsatzwachstum bremsen dürfte.
Logitech fiel im Sog des allgemeinen Verkaufsdrucks innerhalb der Branche. Der Hersteller von Computer- und Gamingzubehör konnte die Anleger trotz starker Zahlen zum wichtigen Weihnachtsquartal scheinbar nicht überzeugen. Zudem war die Rede von fallenden PC-Stückzahlen im laufenden Jahr, was den Umsatz von Logitech belasten dürfte. Neu ist die Abwärtsbewegung jedoch nicht: Bereits seit Mitte Dezember zeigt der Kurs klar nach unten und mittlerweile stehen Verluste von rund 25 Prozent zu Buche.
Gewinner am SMI
Die Gewinnerliste im Januar ist nur sieben Positionen lang. Wenig überraschend finden sich darauf viele der sogenannten «defensiven» Werte wie Swisscom, Roche und Novartis. Weiterhin gefragt blieben die haussierenden ABB und Holcim, während Partners Group und Kühne+Nagel nach einem durchzogenen 2025 zur Aufholjagd ansetzten. Gerade die beiden Pharmaschwergewichte sind dafür verantwortlich, dass der SMI nicht einen grösseren Verlust einfahren musste.
Die beiden Basler Pharmakonzerne präsentierten positive Studienergebnisse, wobei sich besonders Roche (+5,3 Prozent) mit einem Wirkstoffkandidaten gegen starkes Übergewicht in eine spannende Ausgangslage im umkämpften Abnehmmarkt positioniert. Ein anhaltendes Gewinnwachstum sowie starke Forschungspipelines innerhalb der Branche sind auch für Analysten derzeit überzeugende Kritierien.
Am überzeugendsten präsentiert sich ABB. Der Grossteil des 14 prozentigen Gewinns sind auf den heutigen Tag zurückzuführen. Mit den präsentierten Jahreszahlen hat das Unternehmen die Erwartungen der Analysten bei allen Zahlen übertroffen, besonders deutlich beim Auftragseingang. Mit dem darauffolgenden Kurssprung überschreitet der Technologiekonzern erstmals überhaupt die 65-Franken-Marke.
Auch Swisscom und Partners Group überzeugen mit 9,9, respektive 8,2 Prozent Wertzuwachs. Der Telekomkonzern hat in den letzten Tagen gar ein 26-Jahre-Hoch erreicht. Signifikante Preiserhöhungen für seine Premium-Dienste stellen laut Analysten trotz des starken Wettbewerbs die Preissetzungsmacht unter Beweis. Die Valoren der Partners Group profitieren zum Auftakt des neues Jahres von einer Hochstufung und zogen das Interesse der Anleger dank Rekord-Kapitalzusagen im 2025 und einem positiven Ausblick auf sich.

Gewinner und Verlierer vom 1. Januar bis und mit 29. Januar 2026. (Kursbilanzen: Stand 29. Januar 2026, 15 Uhr)
Verlierer am SPI
Am breiten Markt sticht insbesondere der letztjährige Überflieger Idorsia ins Auge. Das Biotechunternehmen büsst im ersten Monat des neuen Jahres fast 14 Prozent ein. Zur Erinnerung: Letztes Jahr gewann die Aktie 417 Prozent an Wert. Damit kostet eine Aktie nun wieder unter 4 Franken, konkret 3,60 Franken. Die letztjährige Rallye hat offenbar manche Anleger zu Verkäufen und Gewinnmitnahmen animiert.
Auch Newron (-16 Prozent), Orior (-20,5 Prozent), BKW (-14 Prozent) und Autoneum (-25 Prozent) sind bekanntere Titel, welche auf der Verliererliste zu finden sind. Letzterer ist der Bilanzsaison zum Opfer gefallen. Mit den Zahlen wurden die Erwartungen des Marktes verfehlt, besonders beim organischen Wachstum hatten die Experten deutlich mehr erwartet.
Anders war die Lage bei Orior: Der Lebensmittelhersteller hatte mit seinem Zahlenkranz die Erwartungen übertroffen, die Aktie leidet seit Monaten jedoch unter schwierigen Geschäftsbedingungen, einer Restrukturierung und der hohen Verschuldung.
BKW hat seine Einbussen in der zweiten Januarhälfte eingefahren. Eine Wertberichtigung auf ein deutsches Kohlekraftwerk wird den operativen Gewinn 2025 mit 110 Millionen Franken belasten. Ausserdem hiess es aus Marktkreisen, dass die Aktie zwar über viele Jahre ein Favorit der Investoren gewesen, was nun aber wohl vorbei sein dürfte.
Positiver sieht es für Newron aus: Fortschritten des Schizophrenie-Medikaments Evenamide hatten die Aktie lange Zeit beflügelt, zusätzlichen Aufschub verlieh die Patent-Erteilung in Europa. Ein «Meilenstein für Newron» laut CEO Stefan Weber. Dennoch hat sich der Titel von 30 auf 20 Franken nach Gewinnmitnahmen verbilligt und kostet damit wieder gleich viel wie noch vor Weihnachten. Bei einem «kleineren Biotechtiteln» wie Newron sind hohe Kursschwankungen in beide Richtungen an der Tagesordnung.
Gewinner am SPI
Eine Aktie, die demselben Phänomen von Gewinnmitnahmen bald zum Opfer fallen könnte, ist Gurit. Die Valoren haben sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt (+96 Prozent). Kurstreiber war die verbesserte Guidance mit Verbesserung der operativen Marge. Die Profitabilität soll entgegen früheren Aussagen steigen. Das robuste Marine- und Transportgeschäft, Kostensenkungen sowie eine Stabilisierung des Windmarkts seit Sommer 2025 trage zur Trendwende bei. Es liegt nun am Unternehmen zu beweisen, dass der Turnaround gelingt.
Auch die Techbranche mit Ascom (+41 Prozent), VAT (+32 Prozent), Comet (+31 Prozent) und Inficon (+24 Prozent) reiht sich zu den Gewinnern ein. Der starke Jahresauftakt ist auf die anhaltenden Hoffnungen im Bereich KI zurückzuführen. Verstärkt wird der Trend derzeit von institutionellen Investoren. Erste Zahlen von Branchengrössen weltweit hatten den Optimismus zusätzlich beflügelt. Der Wind kann sich in dieser Branche jedoch ziemlich schnell drehen. An den letzten drei Handelstagen legen unter anderem mit Microsoft, Oracle, Apple, Amazon, Meta und Alphabet sechs Börsengiganten ihre Zahlen zum Schlussquartal 2025 vor. Sollten diese nicht so positiv ausfallen wie erwartet, sind starke Abfälle nicht unwahrscheinlich.
Weitere Gewinner sind Siegfried (+31 Prozent) und Bachem (+21 Prozent). Nachdem die Papiere von Siegfried 2025 rund einen Viertel an Wert verloren hatten, haben sie alleine am vergangenen Dienstag 10 Prozent an Wert gewonnen. Dank zugekaufter Standorte in den USA und Australien erhöht der Pharmazulieferer seine Produktionskapazitäten. Die Transaktion sei vor allem wegen der strategischen Bedeutung von Pharmawirkstoff-Produktionen in den USA sehr sinnvoll.
Bei Bachem hält der Aufwärtsdrang bereits etwas länger an, genauer seit Mitte November. In dieser Zeit hat sich die Aktie um 25 Franken verteuert. Die UBS nennt es die «Zeit der Ernte». Auch hier sind Kapazitäten ein wichtiger Treiber. Wie ein Analyst der Royal Bank of Canada schreibt, könnte das Hochfahren der Kapazitäten im Gebäude K am Standort Bubendorf BL zu einem Umsatzwachstum von 40 bis 50 Prozent beitragen.
Wie der Januar so das ganze Jahr?
Nach dem volatilen Jahresauftakt dürfte sich der Schweizer Aktienmarkt 2026 weiterhin in einem anspruchsvollen Umfeld bewegen, geprägt von geopolitischen Unsicherheiten, einem starken Schweizer Franken und einer selektiven Anlegerstimmung.
Besonders der Pharmasektor bleibt ein Stabilitätsanker: Positive Studiendaten, gut gefüllte Forschungspipelines und die strukturell wachsende Nachfrage nach Gesundheitslösungen sprechen über das laufende Jahr hinaus für eine solide Entwicklung bei Roche, Novartis und ausgewählten Zulieferern. Banken könnten im weiteren Jahresverlauf ebenfalls zu den Gewinnern zählen, sofern sich die Kapitalmarktaktivität stabilisiert und regulatorische Diskussionen an Schärfe verlieren. Versicherungen präsentieren sich zwar bereits ambitioniert bewertet, bleiben jedoch dank robuster Cashflows, attraktiver Dividendenrenditen und der anstehenden Dividendenzahlungen ein fester Bestandteil vieler Portfolios.
Zusätzlich bleiben geopolitische Konflikte, handelspolitische Spannungen sowie die schwer kalkulierbaren Entscheide der US-Politik ein Risikofaktor, der jederzeit zu erhöhter Volatilität führen kann. In diesem Umfeld dürfte der Schweizer Markt zwar immer wieder von seinem defensiven Charakter profitieren, kurzfristige Rückschläge sind jedoch möglich. Gerade diese Rückschläge können von risikofreudigeren Anlegern zum Einstieg genutzt werden.

