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Die mediale Bühne gehörte diese Woche ganz der UBS – wobei der grössten Schweizer Bank ausgerechnet am Tag der Ergebnisveröffentlichung nicht die volle Aufmerksamkeit der hiesigen Börsianer gehörte. Vielmehr musste sie sich diese am Mittwoch ausgerechnet mit der altehrwürdigen Federal Reserve Bank teilen.
Ich muss neidlos eingestehen: Der Zahlenkranz der UBS für das zweite Quartal lässt kaum Anlegerwünsche offen. Mit 3,59 Milliarden Dollar erzielte die Grossbank nicht nur einen um 64 Prozent höheren Vorsteuergewinn als in derselben Vorjahresperiode, nein, sie übertraf damit auch die kühnsten Analystenschätzungen. Diese lagen zwischen 2,81 und 3,49 Milliarden Dollar mit einem Schnitt von 3,12 Milliarden Dollar.
Bei genauerem Hinschauen fiel jedoch nur gerade der Gewinnbeitrag aus dem Investment Banking höher als gedacht aus. Anstatt den erwarteten 816 Millionen Dollar steuerte der besagte Geschäftszweig 1,15 Milliarden Dollar zum Gruppenergebnis bei. Mit 1,88 Milliarden Dollar beziehungsweise 857 Millionen Dollar schnitten das Global Wealth Management und das Personal & Corporate Banking hingegen bloss im Rahmen der Erwartungen ab. Im Asset Management wurden letztere mit 214 Millionen Dollar gar verfehlt.
Man braucht nicht wie ich einen Abschluss als Betriebsökonom mit Fachrichtung Banking & Finance in der Tasche zu haben, um erahnen zu können, dass sich den Universalbanken im Investment Banking momentan die beste aller Welten bietet. Und bekanntlich unterliegt kaum ein anderer Geschäftszweig auch nur annähernd so hohen Ertragsfluktuationen.
Mit einem Gewinn in Höhe von 1,15 Milliarden Dollar vor Steuern schnitt die UBS im zweiten Quartal im Investment Banking nur geringfügig schlechter ab als in den ersten drei Monaten, als 1,21 Milliarden Dollar nach Steuern hängen blieben. Dabei gilt das erste Quartal saisonal betrachtet doch als das mit Abstand ertragsreichste des ganzen Jahres. Lange Rede, kurzer Sinn: Ob sich die beiden Spartenergebnisse so wiederholen lassen, ist fraglich. Folglich erscheinen mir die Aktien der grössten Schweizer Bank zumindest kurzfristig etwas gar weit übers Ziel hinausgeschossen.
An dieser Stelle sei beiläufig erwähnt, dass die Grossbank seit Mittwoch beim Aktienrückkaufprogramm aufs Tempo drückt. Alleine gestern Donnerstag lachte sie sich über die zweite Handelslinie mehr als eine Million Titel im Gegenwert von rund 44 Millionen Franken an. Das ist mehr als das Vierfache des durchschnittlichen Tagesvolumens der vergangenen Wochen. Wenn sich die UBS da mit den üppigen Aktienrückkäufen beim Thema strengere Eigenmittelvorschriften mal bloss nicht selbst ein Bein stellt …
Die Aktien von DocMorris konnten in den letzten Wochen deutlich Boden gutmachen (Quelle: www.cash.ch)
Es war ein kurzes, aber lukratives Gastspiel: Ende März wurde bekannt, dass sich Nicolas Mathys mit gut drei Prozent bei DocMorris eingenistet hatte. Es dürfte kein Zufall sein, dass sich der Mitgründer von Zug Finance just in dem Moment als bedeutender Aktionär zu erkennen gab, als die Aktionärsgruppe um die polnische Pelion die Öffentlichkeit suchte, nachdem sie mit ihren Vorstössen beim Verwaltungsrat der Versandapotheke auf Ablehnung stiess.
Ich schrieb damals wie folgt:
Allerdings konnte die Aktionärsgruppe um Pelion nicht genügend Mitaktionäre für ihr Vorhaben gewinnen und erlitt an der darauffolgenden ausserordentlichen Generalversammlung eine herbe Niederlage.
Vier Monate später und mehr als sechs Kursfranken höher hat sich Mathys bei DocMorris nun wieder aus dem Grossaktionariat zurückgezogen. Ob er auf dem gesamten Aktienpaket oder nur auf Teilen davon Kasse gemacht hat, lässt sich nicht abschliessend sagen. Einen schönen Batzen dürfte ihm sein Gastspiel bei DocMorris alleweil eingebracht haben.
Nun bringt sich der Mitgründer von Zug Finance bei Medmix und damit beim nächsten Kleinunternehmen in Stellung. In den letzten Wochen hat er sich ein gut drei Prozent grosses Paket geschnürt, wie aus einer Offenlegungsmeldung an die SIX Swiss Exchange hervorgeht. Die Meldepflicht reicht übrigens auf den vorderen Donnerstag zurück. Damals wartete die einstige Sulzer-Tochter mit einem eher enttäuschenden Zahlenkranz für die erste Jahreshälfte auf.
Wie die Aktien von DocMorris im März dieses Jahres befinden sich momentan auch jene von Medmix in einem hartnäckigen Kurs- und Stimmungstief. Da frage ich mich doch, ob die Beteiligungsnahme beim kleinen Medizinaltechnikunternehmen unter einem ähnlich guten Stern steht wie einst das Gastspiel bei der Versandapotheke. Noch halten sich die Trittbrettfahrer vornehm zurück.
Die Rekordjagd am Schweizer Aktienmarkt treibt auch in Analystenkreisen immer merkwürdigere Blüten. In den vergangenen Tagen zogen zwei weitere Vertreter dieser Berufsgruppe bei langjährigen Verkaufsempfehlungen die Reissleine.
Einer von ihnen ist UBS-Chefanalyst Sebastian Vogel. In einer 26 Seiten starken Unternehmensstudie kassierte er seine Verkaufsempfehlung für die Aktien von Belimo und stufte diese von «Sell» auf «Neutral» herauf. Das Zwölf-Monats-Kursziel lautet neuerdings 827 (zuvor 575) Franken, obwohl Vogel seine diesjährigen Gewinnschätzungen unangetastet lässt und jene für die beiden Folgejahre «bloss» um bis zu 14 Prozent nach oben anpasst. Der Analyst erklärt sein Zurückrudern damit, dass er den Automationsspezialisten zusätzliche Marktanteile hinzugewinnen sieht.
Belimo gilt schon seit Jahren als Börsenüberflieger (Quelle: www.cash.ch)
Neugierig wie ich bin, habe ich mich mal kurz schlau gemacht und in meinen Unterlagen nachgeschaut: Soviel ich weiss, geht die Verkaufsempfehlung auf Mitte Oktober 2019 zurück, als Kurse um die 300 Franken bezahlt wurden. Gestern Donnerstag gingen die Aktien bei 825 Franken aus dem Handel.
Noch einen Schritt weiter geht der für Kepler Cheuvreux tätige Jon Cox. Er stuft die Inhaberaktien der Swatch Group von «Reduce» auf «Buy» herauf und veranschlagt neuerdings ein Kursziel von 225 (zuvor 180) Franken.
Cox hält die Wachstumsaussichten für unterschätzt, ebenso wie den Raum für künftige Gewinnverbesserungen. Darauf abgestützt erhöht er eigenen Angaben zufolge seine Gewinnschätzungen deutlich. Das mag zwar für die Schätzungen für die kommenden Jahre gelten, nicht aber für jene fürs laufende Jahr. Diese werden – das lässt sich zumindest der mir vorliegenden Studie entnehmen – um mehr als 12 Prozent zusammengestrichen.
Einen Seitenhieb in Richtung der Hayeks kann sich der Analyst nicht verkneifen. Er stehe der Haltung der kontrollierenden Eigentümer- und Managementfamilie zur Finanzdisziplin, wie sie bei börsennotierten Unternehmen üblich sei, insbesondere in den Bereichen Kostenkontrolle, Lagerhaltung und Kapitalallokation, kritisch gegenüber. So seine Botschaft.
Es war Mitte Dezember 2024, als Cox die Inhaberaktien des Uhrenherstellers aus Biel mit einem Kursziel von 140 (zuvor 160) Franken von «Hold» auf «Reduce» abstrafte. Damals wie heute kosteten die Papiere in etwa gleich viel.
Wie ich heute Freitag im morgendlichen Insider Briefing festhielt, haben gleich drei Banken noch immer Verkaufsempfehlungen für die Valoren der UBS ausstehend. Ich bin mit Blick auf die kommende Woche neugierig, ob nicht doch eine dieser Empfehlungen fällt. Falls ja, dann mehr dazu am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.
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