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Was Leerverkäufer so alles anrichten können, erleben die Partners Group und sämtliche ihrer Anspruchsgruppen in diesen Tagen schmerzhaft am eigenen Leib. Als der Risikokapitalspezialist letzten Mittwoch Medienberichte bestätigte, wonach die Rückzugsmöglichkeiten bei einem seiner Vorzeigefonds eingeschränkt werden mussten, trat man damit an der Börse einen Kursrutsch los.
Dass es überhaupt so weit kommen musste, dürfte nicht zuletzt auch an der Kampagne liegen, welche der gefürchtete Leerverkäufer Grizzly Research seit Ende April gegen das Unternehmen führt. Im Raum steht unter anderem der Vorwurf, dass die Bewertungen der Firmenbeteiligungen im Flaggschifffonds «Master Fund» und anderen Anlagegefässen zu hoch ausgewiesen würden. Das wiederum sorgt bei den Kundinnen und Kunden für Verunsicherung.
Und obwohl die Aktien der Partners Group seit Mittwoch etwas Boden gutmachen konnten, findet sich der Risikokapitalspezialist auch weiterhin in der undankbaren Rolle des diesjährigen SMI-Schlusslichts wieder.
Neuerdings werden in hiesigen Börsenkreisen Stimmen laut, wonach auch die Swiss Re ins Visier von Leerverkäufern geraten sein könnte. Diese Befürchtungen dürften dem mysteriösen Kursschwund der letzten Wochen und Monate geschuldet sein. Am vergangenen Mittwoch waren die Valoren des Rückversicherers aus Zürich mal eben für weniger als 115 Franken zu haben, was einem 18-Monate-Tief entspricht.
Mit einem Minus von knapp 13 Prozent seit Januar schneiden nur die Aktien von Geberit (-17,6 Prozent), Alcon (-17,7 Prozent) und eben jene der Partners Group (-27,5 Prozent) noch schlechter ab.
Die Aktien von Swiss Re haben seit Jahresbeginn deutlich an Kurswert verloren (Quelle: www.cash.ch)
Zumindest an der Börse in New York gibt es momentan keinerlei Anhaltspunkte für eine bevorstehende Leerverkaufs-Kampagne gegen die Swiss Re. Wie Statistiken der New York Stock Exchange (NYSE) zeigen, tendiert der sogenannte Short-Interest dort gegen Null. Das war vor wenigen Wochen noch ganz anders. Sprich: Die Leerverkäufer haben ihre Wetten in Übersee sogar zurückgefahren. Zu den in Zürich gehandelten Papieren liegen hingegen keine offiziellen Zahlen vor. Die SIX Swiss Exchange hält es bekanntlich nicht für notwendig, vergleichbare Statistiken zu führen. Hierzulande muss sich ein Leerverkäufer deshalb nur dann zu erkennen geben, wenn er mit drei Prozent oder mehr der ausstehenden Aktien auf rückläufige Kurse spekuliert. Aber nicht selten suchen gerade die gefürchtetsten Leerverkäufer ja sowieso gezielt die Öffentlichkeit.
Ich selber erkläre mir die mysteriöse Aktienkursschwäche bei der Swiss Re übrigens mit der Angst vor einer möglicherweise kostspieligen Wirbelsturmsaison im Golf von Mexiko. Erst vergangene Woche veranschlagte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung des Wetterphänomens «El Niño» im Zeitraum Juni bis August 2026 mit 80 Prozent und die Wahrscheinlichkeit für dessen Fortbestehen bis mindestens November mit 90 Prozent. Die meisten Klimamodelle deuten darauf hin, dass das Ereignis eine mittlere bis starke Intensität erreichen könnte, begünstigt durch deutlich überdurchschnittliche Temperaturen in der Tiefe des tropischen Pazifiks.
Nach mehreren ungewöhnlich schadenarmen Jahren in Folge könnte der Rückversicherungsindustrie nun erstmals wieder eine eher schwere Wirbelsturmsaison ins Haus stehen. Gleichzeitig lassen die Aussagen von Swiss Re und anderen Branchengrössen zur vergangenen Erneuerungsrunde vom April sowie zur anstehenden Erneuerungsrunde vom Juli auf rückläufige Prämienansätze im Neugeschäft schliessen – eine Kombination, welche an der Börse nicht gut ankommt.
Aktienkursentwicklung von Swiss Re im mehrjährigen Verlauf (Quelle: www.cash.ch)
Selbst Vontobel-Analyst Matteo Lindauer berichtet heute Montag in einem Kommentar von «nachlassenden Preistrends» im Nicht-Leben-Rückversicherungsgeschäft. Auf die grosszügige Dividendenpolitik und das mit 1,5 Milliarden Dollar dotierte Aktienrückkaufprogramm abgestützt, hält er sowohl an seiner Kaufempfehlung als auch am Kursziel von 140 Franken fest. Noch im Oktober veranschlagte man bei der Zürcher Bank sogar ein Kursziel von 172 Franken für die Aktien.
Andere Berufskollegen begegnen den Valoren des Rückversicherers aus Zürich momentan eher mit Zurückhaltung. Die Finanzwertespezialisten von Keefe, Bruyette & Woods etwa führen diese schon eine ganze Weile auf ihrer «Least Preferred Liste» für die europäischen Versicherungsunternehmen – und liegen damit bisher ziemlich gut.
An Swiss Re zeigt sich übrigens einmal mehr, dass selbst eine hohe Dividendenrendite und üppige Aktienrückkäufe nicht zwingend auch vor Kursverlusten schützen...

Performance-Vergleich für das Swiss Equities Portfolio (Quelle: Julius Bär)
Interessant erscheint mir, dass Pocinci beim Vergleichsindex für sein Musterportfolio mal eben schnell die Spielregeln änderte. Anstatt am SPI mass er sich mal eben am MSCI Europe Index – womit die langjährige Entwicklung seines «Swiss Equities Portfolio» plötzlich geradezu beeindruckend aussah. Ich stolperte eher zufällig über diese Umstellung. Seit letzter Woche misst sich der Autor nun aber wieder am SPI.
Ich werde die Schweizer Aktienfavoriten der Banken weiterhin im Auge behalten und am kommenden Mittwoch eine Zwischenbilanz bei meinen eigenen Jahresfavoriten ziehen.
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