Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.
+++
Es waren nicht zuletzt die beiden Schwergewichte Roche und Novartis, welche den Schweizer Aktienmarkt in der ersten Wochenhälfte wertvolle Punkte kosteten. Um mehr als 200 Punkte zogen sie den Swiss Market Index (SMI) zeitweise nach unten.
Es war vermutlich das diesjährige Treffen der American Society of Clinical Oncology, kurz ASCO, welche die Kurse ins Rutschen brachte. Denn nicht eben wenige Pharmaunternehmen nutzten den Branchenkongress, um über ihre Forschungserfolge in der Krebsbehandlung zu berichten. Und wenn sich in diesem Jahr etwas abschliessend sagen lässt, dann dass dieses lukrative Therapiegebiet hart umkämpft ist und die Konkurrenz nicht schläft.
Ausserdem ist aus hiesigen Börsenkreisen zu vernehmen, dass die beiden Schwergewichte Roche und Novartis erstmals wieder als Geldquelle für den Zukauf von Technologiewerten herhalten müssen. Es scheint, als wären wir mal wieder an einem Punkt angelangt, an dem Pharmaaktien den Anlegerinnen und Anlegern schlichtweg zu langweilig und unspektakulär sind.
Eine rabenschwarze Woche erwischten die Aktionärinnen und Aktionäre der Partners Group. Alleine am Mittwoch ging es für die Valoren des Risikokapitalspezialisten aus Baar um gut 16 Prozent nach unten. Auslöser für die Kurslawine war ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach das Unternehmen die Rücknahmemöglichkeiten bei einem seiner Flaggschiff-Fonds einschränken musste. Darüber hinaus war aus amerikanischen Bankenkreisen von Problemen des dortigen Anbieters Bridgewater mit einem Private-Credit-Vehikel zu hören.
Meldungen wie diese sind nicht gerade vertrauensbildend. Und obwohl beileibe kein firmenspezifisches Phänomen, gerieten die Aktien der Partners Group deutlich stärker unter die Räder als solche anderer Risikokapitalspezialisten wie EQT aus Schweden (-6,5 Prozent) oder Kohlberg Kravis Roberts aus den Vereinigten Staaten (-4 Prozent).
In einem Kommentar aus den Handelsräumen von Kepler Cheuvreux bringen die mir nicht namentlich bekannten Autoren nun sogar einen Rauswurf der Partners Group aus dem SMI ins Spiel. Wohl ganz zur Freude des Leerverkäufers Grizzly Research. Seit Ende April fahren die Amerikaner eine Kampagne gegen den Risikokapitalspezialisten. Im Raum steht der Vorwurf, dass die Bewertungen der Firmenbeteiligungen im Flaggschifffonds «Master Fund» und anderen Anlagegefässen zu hoch ausgewiesen würden.
Die Partners-Group-Aktien erlitten am Mittwoch einen empfindlichen Dämpfer (Quelle: www.cash.ch)
Grizzly Research stützt sich bei diesem Vorwurf auf nicht namentlich genannte Branchenkenner, frühere Mitarbeiter sowie auf Universitätsexperten ab. Einer dieser Experten habe sich sogar zur Aussage hinreissen lassen, dass die Situation «schlimmer als bei Wirecard sei». Mit Effekthascherei wird nicht gegeizt – wie das für einen Leerverkäufer halt so üblich ist.
Am 29. April schrieb ich folgendes zum Thema:
...und etwas später...
Umso mehr hätte ich eigentlich erwartet, dass die Partners Group den schwerwiegenden Anschuldigungen entschieden entgegentritt und die im Raum stehenden Vorwürfe Punkt-für-Punkt entkräftet. Doch das passierte nie. Für mich ist die am Mittwoch bekanntgewordenen Einschränkung der Rücknahmemöglichkeiten bei einem der Flaggschiff-Fonds deshalb nicht bloss auf branchenspezifische Gründe zurückzuführen, sondern eben auch eine Folge dieser «Unterlassungssünde» seitens der Finanzgesellschaft aus Baar. Wenn sich die Kurserholung der vergangenen Tage da mal bloss nicht als ein Strohfeuer entpuppt.
An dieser Stelle möchte ich nochmals kurz auf den nahenden Indexentscheid zurückkommen. Bekanntlich lässt die SIX Swiss Exchange die Katze jeweils in der ersten Juli-Hälfte aus dem Sack. Wie aus dem Kommentar von Kepler Cheuvreux weiter hervorgeht, könnte es neben der Partners Group (Börsenkapitalisierung 19,5 Milliarden Franken) auch für Geberit (Börsenkapitalisierung 17,2 Milliarden Franken) und Logitech (Börsenkapitalisierung 15,7 Milliarden Franken) eng werden. Im Gegenzug räumt man beim Broker möglichen Aufsteigern wie Galderma (38,5 Milliarden Franken), Sandoz (27,6 Milliarden Franken), Helvetia Baloise (19,4 Milliarden Franken) oder VAT Group (18,5 Milliarden Franken) gute Chancen auf eine Aufnahme in den Schweizer Leitindex ein.
Galderma gilt als heisser Favorit für eine Aufnahme in den SMI (Quelle: www.cash.ch)
Der Börsenwert ist nicht das einzige Kriterium für den Entscheid der Indexkommission, aber ein gewichtiger. Wichtig erscheint mir ausserdem die Erkenntnis aus früheren Jahren, dass ein Abstieg eines Unternehmens aus dem SMI in den SMI Midcap Index (SMIM) nicht zwingend auch mit Nettoverkäufen aus dem Lager indexorientierter Marktakteure und damit verbunden mit rückläufigen Kursen einhergehen muss.
Vor etwas weniger als einem Jahr schrieb ich – damals zum Thema Sonova – wie folgt:
Der Einzug in den SMI oder der Verbleib darin ist und bleibt vor allem eines: Eine Prestigefrage für das jeweilige Unternehmen. Einen finanziellen Vorteil für die Aktionärinnen und Aktionäre gibt es hingegen nicht. Ganz im Gegenteil, wie sich am Beispiel von Sonova eindrucksvoll belegen lässt.
Die Aktien von Lonza konnten zuletzt zwar wieder etwas Boden gutmachen. Gerade langjährige Aktionärinnen und Aktionäre des Pharmazulieferers dürften mit Blick auf die Kursentwicklung der letzten Jahre zusehends Frustration verspüren. Trotz deutlichen Fortschritten beim Umsatz und Gewinn stehen die Valoren nämlich in etwa wieder dort, wo sie vor gut sechs Jahren schon standen. Und für eine grosszügige Dividendenpolitik sind die Basler ja auch nicht gerade bekannt – wie es sich für ein Wachstumsunternehmen halt Gang und Gäbe ist.
Auch die Londoner Analysten von Goldman Sachs zeigen sich in einer 22 Seiten starken Branchenstudie etwas ratlos. Die Autoren erklären sich die Zurückhaltung der Börse mit fehlenden Kurstreibern. Gleichzeitig räumen sei ein, dass die Lonza-Aktien auch in der Vergangenheit nie über konkrete Kurstreiber verfügten und dank Fortschritten beim Umsatz und Gewinn dennoch gut abschnitten.
Die Analysten erhoffen sich nun sowohl von der Veröffentlichung des Halbjahresergebnisses vom 22. Juli als auch vom diesjährigen Investorentag später im Jahr frische Impulse für die Valoren. Folglich halten sie an ihrer Kaufempfehlung sowie am Zwölf-Monats-Kursziel von 670 Franken fest.
Lonza ist für mich das typische Beispiel dafür, dass die Aktien eines in Analystenkreisen sehr beliebten Unternehmens nicht zwangsläufig auch stark abschneiden müssen. Dennoch frage ich mich mit Blick auf die vielen Kaufempfehlungen und die teils hohen Kursziele von bis zu 762 Franken, wo bei Kursen von 500 Franken und weniger denn da die Käufer bleiben.
Nächste Woche gehört die mediale Bühne auch bei uns dem Börsengang von SpaceX. Folglich dürfte dem Schweizer Aktienmarkt und den hiesigen Unternehmen bestenfalls eine Statistenrolle zuteilwerden. Mehr zur grössten Publikumsöffnung in der Geschichte der Finanzmärkte am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

Performance-Vergleich für das Swiss Equities Portfolio (Quelle: Julius Bär)
Interessant erscheint mir, dass Pocinci beim Vergleichsindex für sein Musterportfolio mal eben schnell die Spielregeln änderte. Anstatt am SPI mass er sich mal eben am MSCI Europe Index – womit die langjährige Entwicklung seines «Swiss Equities Portfolio» plötzlich geradezu beeindruckend aussah. Ich stolperte eher zufällig über diese Umstellung. Seit letzter Woche misst sich der Autor nun aber wieder am SPI.
Ich werde die Schweizer Aktienfavoriten der Banken weiterhin im Auge behalten und am kommenden Mittwoch eine Zwischenbilanz bei meinen eigenen Jahresfavoriten ziehen.
| Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar. |
