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Lange mussten sich die hiesigen Anlegerinnen und Anleger in Geduld üben. Doch nun nimmt endlich auch der Schweizer Aktienmarkt etwas Fahrt auf. Heute Dienstag steigt der Swiss Market Index (SMI) in der Spitze bis auf 11'744 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit dem Frühsommer 2022. Seit Januar entspricht das immerhin einem Plus von gut acht Prozent.

Ohne den Dividendenabgang beim Schwergewicht Novartis – anders als beim Swiss Performance Index (SPI) kommen die Dividenden beim SMI in Abzug – wäre die bisherige Jahresbilanz sogar noch überzeugender.

Anders als die Gesamtmarktentwicklung vermuten liesse, zeigt sich das Börsengeschehen allerdings von einer ganz schön launischen Seite. Die Kluft zwischen den diesjährigen Gewinnern und Verlierern wächst und wächst.

Das verrät auch eine kurze Passage in einer täglich erscheinenden Publikation von Mirabaud Securities. Auf die jeweiligen Schlusskurse abgestützt berichteten die Autoren um Eugi Burgener zuletzt bei den Aktien von ABB, Alcon, Cosmo, Givaudan, Holcim, Kardex, Mikron, SGS, Straumann, Swiss Life, UBS, VAT Group und Ypsomed von neuen Jahreshochs. Bei nicht eben wenigen dieser Valoren dürfte es sich sogar um langjährige Höchstkurse handeln.

Die Mikron-Aktien waren in den letzten Tagen rege gefragt (Quelle: www.cash.ch)

Im Gegenzug schreiben die Aktien von Airesis, AMS Osram, Basellandschaftliche Kantonalbank, GAM, Glarner Kantonalbank, Hochdorf, Lem, Leonteq und Meyer Burger nahezu täglich neue Jahrestiefs. Die Valoren von Sorgenkindern wie Meyer Burger, AMS Osram oder GAM sind sogar so günstig zu haben wie noch nie zuvor in der jeweiligen Firmengeschichte.

Nicht nur an der New Yorker Börse, auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt fliessen die Anlagegelder momentan ziemlich konzentriert in einige wenige Einzelaktien. Das wiederum gräbt anderen Valoren das Wasser ab.

Mir fällt auf, dass die Banken und ihre Analysten diese Entwicklung noch befeuern. Ich denke da etwa an die späte Heraufstufung der Aktien des Vakuumventilherstellers VAT Group von "Neutral" auf "Buy" durch die Bank of America. Dass die Valoren des Vorzeigeunternehmens aus dem Rheintal seit Ende Oktober um mehr als 40 Prozent zugelegt haben und das verbleibende Aufwärtspotenzial zum neu 535 (zuvor 454) Franken lautenden Kursziel nicht mal mehr halb so gross ist, scheint den zuständigen Analysten Didier Scemama nicht umstimmen zu können. L'appétit vient en mangeant.

US-Bank kommt bei der VAT Group gar spät auf den Geschmack

Gestern Montag zündete Stifel-Analyst Christian Arnold beim diesjährigen Börsenüberflieger Mikron mit einer kräftigen Erhöhung seines Kursziels auf 27,50 (zuvor 22) Franken ein kleineres Kursfeuerwerk. Letzteres mag nicht zuletzt auch dem engen Markt bei den von ihm zum Kauf angepriesenen Aktien geschuldet sein. Interessant ist übrigens, dass Stifel die Valoren des Bieler Maschinenbauers in dessen Auftrag mitverfolgt und abdeckt.

Im Gegenzug unterbieten sich die Analysten bei Meyer Burger gegenseitig mit ihren Kurszielen. Erst kürzlich strich der für Research Partners tätige Analyst Eugen Perger das Kursziel auf 0,01 (zuvor 0,05) Franken zusammen. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass er die Aktien des Solarunternehmens mit "Verkaufen" einstuft.

Wie Perger schreibt, eilt die Stärkung der Eigenkapitalbasis. Obwohl er an den Erfolg der geplanten Kapitalerhöhung glaubt, geht er eigenen Angaben zufolge vorsichtshalber von einer sehr hohen Verwässerung aus. Deshalb wohl auch das geradezu erschreckend tiefe neue Kursziel.

Die Aktien von Meyer Burger im mehrjährigen Vergleich (Quelle: www.cash.ch)

Die Liste wohlwollender Analystenkommentare für Aktien, welche im bisherigen Jahresverlauf bereits sehr gut abschneiden, liesse sich genauso weiterführen, wie jene mit negativen Kommentaren für diesjährige Börsenschlusslichter.

In meinen gut drei Jahrzehnten an der Börse bin ich schon so manchen Kursübertreibungen nach oben oder unten begegnet. Und nur allzu oft, wenn sich die Banken und ihre Analysten mit ihren Kurszielen gegenseitig über- oder unterboten haben, war Vorsicht geboten.

Unvergessen bleibt mir etwa das Kursziel der Deutschen Bank für die Valoren von ABB von gerade mal 20 Rappen. Und die Aktien von Zur Rose – der heutigen DocMorris – sah man in Analystenkreisen einst auf unter 20 Franken tauchen.

Im Gegenzug traute die Credit Suisse den Valoren von Leonteq im Sommer 2015 einen Vorstoss auf 390 Franken zu, als diese um die 170 Franken kosteten. Die Grossbank war damals mit ihrer Kaufempfehlung in guter Gesellschaft. Auch die MainFirst Bank kannte damals kein Halten. Knapp sieben Jahre später sind die Papiere für weniger als 27 Franken zu haben.

Auch diese Liste liesse sich beliebig um weitere Beispiele erweitern...

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