Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.
+++
Die zweite Jahreshälfte ist zwar bereits drei Wochen alt. Das hält den Anlagestrategen Mensur Pocinci von der Bank Julius Bär allerdings nicht davon ab, in der neuesten Ausgabe der wöchentlich erscheinenden Publikation «Technical Investment Strategy» grundlegende Umstellungen bei seinem «Swiss Equities Portfolio» vorzunehmen.
Die Aktien von Kühne+Nagel, Ems-Chemie, Swiss Re und EFG International steigen neu ins Musterportfolio auf. Platz machen müssen neben Novartis ausgerechnet jene von Sandoz und Galderma. Beide steigen im September nämlich in den Swiss Market Index (SMI) auf und beerben dort die Valoren von Kühne+Nagel und Swisscom.
Wie die Londoner Strategen von J.P. Morgan vorrechnen, müssen sich indexorientierte Anleger aufgrund der SMI-Aufnahme zwar für umgerechnet 662 Millionen Franken Aktien von Galderma sowie für weitere 605 Millionen Franken solche von Sandoz «anlachen». Aufgrund des Ausscheidens aus dem SMIM sowie aus dem SPI Extra ist unter dem Strich allerdings sogar mit Verkäufen im Umfang von 250 Millionen Franken beziehungsweise 231 Millionen Franken zu rechnen.
Die Aktien von Galderma sind ein Börsenüberflieger vor dem Herrn (Quelle: www.cash.ch)
In den Handelsräumen der UBS kommt man übrigens auf Nettoverkäufe von 235 Millionen Franken respektive 218 Millionen Franken. Bei den Aktien von Kühne+Nagel und der Swisscom sollte es im Zuge der Indexumstellungen hingegen zu Nettokäufen im Umfang von 115 Millionen Franken beziehungsweise 156 Millionen Franken kommen.
Meine Erkenntnis damals:
Kommen wir an dieser Stelle aber noch einmal auf die taktischen Aktienempfehlungen Pocincis zurück. Sein «Swiss Equities Portfolio» setzt sich neuerdings aus den Valoren von ABB, Accelleron, BB Biotech, EFG International, Ems-Chemie, Kühne+Nagel, Richemont, SFS Group, Straumann, Swiss Life, Swiss Re, UBS, VAT Group, Vontobel und Zurich Insurance zusammen.
Bei seinen Aktienempfehlungen stützt sich der Leiter der technischen Analyse bekanntlich auf charttechnische Aspekte ab. Mir ist durchaus bewusst, dass nicht eben wenige meiner Leserinnen und Leser die Chartanalyse mit Kaffeesatz-Lesen vergleichen. Ich selber halte es mit fundamentaler Analyse und Chartanalyse wie folgt: Das eine tun – und das andere nicht seinlassen...
+++
Eigentlich lässt das Halbjahresergebnis bei Lonza aus Aktionärssicht keine Wünsche offen. Mit einem Umsatz von 3,37 Milliarden Franken wird der Pharmazulieferer den bei 3,4 Milliarden Franken liegenden Schätzungen der Analysten zwar nur knapp gerecht. Auch beim Wachstum in Lokalwährungen schrammen die Basler mit 16 Prozent knapp an den durchschnittlich erwarteten 16,5 Prozent vorbei.
Der operative Kerngewinn (EBITDA) legt im Jahresvergleich allerdings um 27 Prozent auf 1,18 Milliarden Franken zu und übertrifft damit selbst die kühnsten Analystenschätzungen klar. Für mich trägt die kräftige Verbesserung der operativen Kerngewinnmarge von mehr als vier Prozentpunkten gegenüber der ersten Hälfte vergangenen Jahres zweifelsohne die Handschrift von Firmenchef Wolfgang Wienand – genauso wie die für Analysten überraschende Erhöhung der diesjährigen Margenvorgaben.
Die Lonza-Aktien werden am Mittwoch mit Kursverlusten abgestraft (Quelle: www.cash.ch)
Dass die Aktien heute Mittwoch dennoch mit Kursverlusten von drei Prozent und mehr abgestraft werden, dürfte dem enttäuschenden Abschneiden bei Integrated Biologics geschuldet sein. Mit einem operativen Kerngewinn (EBITDA) von 674 Millionen Franken bei einem Umsatz von 1,87 Milliarden Franken bleibt ausgerechnet der umsatzstärkste Geschäftsbereich hinter den Erwartungen zurück.
Hinzu kommen Anhaltspunkte für Verzögerungen beim Verkaufsprozess für das Kapselgeschäft. Dadurch verzögert sich auch der Startschuss für das 500-Millionen-Franken-starke Aktienrückkaufprogramm. Ausserdem dürfte die Produktion in Stein erst ein Jahr später als geplant aufgenommen werden.
Meines Erachtens sucht die Börse bei Lonza beinahe schon krampfhaft nach Haaren in der (Zahlen-)Suppe. Wie Vontobel-Analystin Sibylle Bischofberger schreibt, sind die jüngsten Margenverbesserungen ziemlich beeindruckend und die Verzögerungen beim Verkauf des Kapselgeschäfts nur von geringer Bedeutung. Ich kann mich diesen Worten bloss anschliessen – genauso wie der Aussage, dass der Pharmazulieferer in guter Verfassung ist.
| Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar. |
