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Gleich drei Verkaufsempfehlungen aus London für die stärksten Schweizer Blue Chips in diesem Jahr

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Marktgeflüster

Gleich drei Verkaufsempfehlungen aus London für die stärksten Schweizer Blue Chips in diesem Jahr

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Neben ABB belegen die Analysten eines Londoner Wertpapierhauses zwei weitere Gewinneraktien aus dem Swiss Leaders Index mit Verkaufsempfehlungen. Weshalb sie die Zuversicht ihrer anderen Berufskollegen nicht teilen.

20.07.2026   11:55
Von cash Insider
Morten Wierod ist der CEO von ABB.

Morten Wierod ist der CEO von ABB. Auch die Aktien des Industriekonzerns werden von AlphaValue mit einer Verkaufsempfehlung belegt.

Quelle: zVg

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

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Schon ein scheuer Blick auf die diesjährige Gewinner- und Verliererliste für den viel beachteten Swiss Leaders Index (SLI) zeigt: Noch nie lagen Erfolg und Misserfolg bei den 30 darin enthaltenen Aktien so weit auseinander wie in den vergangenen sechseinhalb Monaten.

Während sich mit den drei stärksten Aktien seit Januar viel Geld verdienen liess, liegen die drei schwächsten Aktien teilweise deutlich im Minus. Ich denke da etwa an Spitzenreiter wie den Halbleiterausrüster VAT Group (+79 Prozent), das Industrie-Urgestein ABB (+32 Prozent) oder den Transporteur Kühne+Nagel (+23 Prozent). Der Risikokapitalspezialistin Partners Group (-31 Prozent), der Confiseriegruppe Lindt&Sprüngli (-17 Prozent) und dem Sanitärtechnikhersteller Geberit (-16 Prozent) werden bei den Aktien aus dem SLI hingegen die undankbare Rolle der diesjährigen Schlusslichter zuteil.

Interessant erscheint mir, dass die Londoner Analysten von AlphaValue sowohl für die Valoren des bisherigen SLI-Spitzenreiters VAT Group als auch für jene der Zweitplatzierten ABB eine Verkaufsempfehlung ausstehend haben – und das nicht erst seit gestern.

Am Freitag bekräftigte AlphaValue-Analyst Kulwinder Rajpal letztmals seine «Sell» lautende Verkaufsempfehlung für ABB. Eigenen Angaben zufolge will er seine Schätzungen nach dem erfreulich starken Zahlenkranz für das zweite Quartal zwar unter positiven Vorzeichen überdenken. Gut möglich, dass er bei dieser Gelegenheit auch gleich beim zumindest optisch tiefen Kursziel von 58,30 Franken zurückrudert. Rajpal will allerdings verstanden wissen, dass er angesichts der hohen absoluten wie auch relativen Bewertung bei seiner vorsichtigen Haltung für die Aktien bleibt.

Die Aktienkursentwicklung bei ABB beeindruckt schon seit Jahren (Quelle: www.cash.ch)

Sein Abteilungskollege Utsav Sinha hat sich seinerseits an den Aktien der VAT Group festgebissen. In einem mir zugespielten Kommentar erhöht er seine Gewinnschätzungen für den Vakuumventilehersteller aus dem Rheintal um bis zu 20 Prozent. Mit 639 (zuvor 505) liegt das überarbeitete Kursziel jedoch weiterhin etwas unter dem Schlussstand vom Freitagabend bei etwas mehr als 660 Franken. Aus Bewertungsgründen lautet das Anlageurteil wie bis anhin «Sell».

Und selbst bei den zuletzt ebenfalls festen Valoren von Richemont schwimmt man bei AlphaValue gegen den Strom. Kaum ein Analyst, welcher die Aktien der Cartier-Mutter nicht zum Kauf anpreisen würde. Ganz anders die Analystin Jie Zhang. Sie stuft die Valoren mit «Reduce» ein - also mit einer schwachen Verkaufsempfehlung sowie mit einem Kursziel von 170 Franken. Es ist die tiefste mir bekannte Kursprognose für die Aktien des Vorzeigeunternehmens.

Neugierig wie ich bin, habe ich mich schlau gemacht. Obwohl es sich nicht zuverlässig aus meinen Aufzeichnungen ableiten lässt, liegt mir ein Kommentar von Mitte Januar 2025 vor. Auch darin wurden die Valoren von Richemont mit «Reduce» eingestuft. In einem späteren Kommentar vom Mai desselben Jahres lautet das Anlageurteil dann sogar «Sell».

Der Kurs der Richemont-Aktien nahm vergangene Woche gleich nochmals einen Sprung nach oben (Quelle: www.cash.ch)

Für die Aktien der VAT Group liegt mir hingegen ein Kommentar vom Januar dieses Jahres vor. Darin räumte der Autor Utsav Sinha zwar ein, dass es sich beim Vakuumventilehersteller um ein seit Jahren erfolgreiches Vorzeigeunternehmen handle. Gleichzeitig stiess er sich jedoch am hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 45. Alleine schon deswegen riet er Anlegern von einem Einstieg ab – es sei denn, man sei auf der Suche nach einem durch die «fear of missing out» befeuerten Instrument, um auf die Halbleiter-Blase zu setzen.

Auch bei der Verkaufsempfehlung für die Valoren von ABB drehte sich schon im Oktober 2023 bei Kursen um die 33 Franken alles um die sowohl absolut als auch relativ betrachtet hohe Bewertung. Zu diesem Zeitpunkt lautete das Anlageurteil der Londoner Analysten noch «Reduce», ab Mitte Januar 2025 mehr als 15 Kursfranken höher dann sogar «Sell».

Nicht nur bei ABB, auch bei Richemont und der VAT Group weiss ich von keiner anderen Verkaufsempfehlung. Ganz im Gegenteil: Die meisten Banken preisen diese drei Börsenüberflieger selbst zu den jetzigen Kursen noch zum Kauf an – wobei die zweifelsfrei stolze Bewertung kein Hinderungsgrund zu sein scheint.

Und wenn wir schon beim Thema Verkaufsempfehlungen sind, dann möchte ich an dieser Stelle dem für die UBS tätigen Chefanalysten Sebastian Vogel ein Lob aussprechen. Als er im Februar 2021 bei Kursen von 420 Franken eine Verkaufsempfehlung für die Aktien von Zur Rose – der späteren DocMorris – aussprach, bedurfte das einer gehörigen Portion Mut. Denn soweit ich mich erinnern kann, wurden damals gerade in angelsächsischen Analystenkreisen Kursziele von bis zu 800 Franken herumgereicht. Dass Vogel seiner Einschätzung stets treu blieb und seine damalige Verkaufsempfehlung erst jetzt bei Kursen von 11 Franken schliesst und die Valoren der Versandapotheke von «Sell» auf «Neutral» heraufstuft, spricht für ihn. Ehre, wem Ehre gebührt...

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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