Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.
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Während man an der New Yorker Börse einem regelrechten Rekordrausch verfallen ist, kommt der Schweizer Aktienmarkt schlichtweg nicht vom Fleck. Am breit gefassten Swiss Performance Index (SPI) gemessen notiert letzterer nur unwesentlich über dem Stand von Mitte April. Vom bisherigen Rekordhoch von Ende Februar bei 19'310 Punkten trennen ihn noch immer gut drei Prozent. Daran ändert auch die um den Auffahrtstag verkürzte Handelswoche nichts.
Beim Thema Rekordjagd in New York sorgt in hiesigen Börsenkreisen ein Strategiepapier aus dem Global Wealth Management der UBS für Gesprächsstoff. Denn darin schreiben die Autoren um Chief Investment Officer Mark Haefele, dass die neuen Börsenrekorde in Übersee kein Grund zur Panik seien. Sie erklären sich den starken Anstieg der letzten Wochen einerseits mit einer Auflösung zuvor getätigter Absicherungsgeschäfte und andererseits mit einer steigenden Risikobereitschaft der Anleger.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die UBS-Strategen lassen sich selbst von den Rekorden in Übersee nicht davon abbringen, ihrer Anlagekundschaft den (Zu-)Kauf von Aktien schmackhaft zu machen. Bankeigenen Berechnungen zufolge erzielte der amerikanische Leitindex S&P 500 seit dem Jahr 1960 in den 12 Monaten nach einem neuen Rekordhoch durchschnittlich eine Rendite von knapp 12 Prozent und während der nächsten beiden Jahre sogar eine Rendite von fast 23 Prozent. Für Haefele und seine Mitautoren bleibt das Umfeld für Aktien geradezu ideal.
Ich halte es hingegen wie folgt: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Kommen wir nun aber auf das hiesige Börsengeschehen zu sprechen. Nach dem spekulationsgetriebenen Höhenflug finden die Inhaberaktien der Swatch Group langsam wieder auf den harten Boden der Realität zurück. Keine Frage: Mit Audemars Piguet spannen die Bieler erstmals mit einem Luxusuhrenhersteller ausserhalb des eigenen Firmenuniversums zusammen. Damit legen sie zweifelsohne den Grundstein für weitere lukrative Kollaborationen nach demselben Strickmuster.
Allerdings unterscheidet sich die jetzige Zusammenarbeit gleich in zwei grundlegenden Punkten von den kommerziellen Erfolgen früherer Jahre wie der MoonSwatch von 2022 oder der Scuba Fifty Fathoms von 2023. Denn zum einen dürften üppige Zahlungen in Richtung Audemars Piguet fliessen und zum anderen steht diesmal nicht ein Luxusuhrenhersteller aus dem eigenen Firmenuniversum im Zentrum der immensen medialen Aufmerksamkeit.
Der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst Gian Marco Werro schätzt den Umsatzbeitrag der MoonSwatch auf 250 Millionen Franken und jenen der Scuba Fifty Fathoms sogar auf 450 Millionen Franken. Mit einer konkreten Prognose zum neusten Marketing-Geniestreich der Bieler wartet er vorerst nicht auf. Seines Erachtens dürfte neben dem Design insbesondere auch der Preisrahmen über den Erfolg der Audemars-Piguet-Kollaboration entscheiden. Folglich stuft Werro die Inhaberpapiere wie bis anhin nur mit «Marktgewichten» ein.
Nach dem jüngsten Höhenflug gibt der Aktienkurs bei Swatch nun wieder nach (Quelle: www.cash.ch)
Selber vermute ich, dass sich der Umsatzbeitrag diesmal eher wieder in der Region von 250 Millionen Franken bewegen dürfte. Dass die Valoren seit Mittwoch unter Verkaufsdruck stehen, ist nicht zuletzt auch dem erneuten Scheitern der oppositionellen Inhaberaktionäre um den amerikanischen Vermögensverwalter Steven Wood geschuldet.
In den hiesigen Finanzmedien ist zwar von einem «Achtungserfolg» für den Amerikaner die Rede, was mit Blick auf sein Wahlergebnis unter den Inhaberaktionären als Kandidat für die Zuwahl in den Verwaltungsrat nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Allerdings ändert sich nichts daran, dass die Familienaktionäre fest im Sattel sitzen – und das nicht nur wenn es um die Zusammensetzung des Verwaltungsrat-Gremiums geht. Auch sämtliche anderen Anträge der oppositionellen Inhaberaktionäre wurden klar «gebodigt». Solange sich nichts am Machtgefüge im Aktionariat ändert, beissen Wood und seine Mitaktionäre mit ihren Forderungen weiterhin auf Granit.
Das scheinen nun auch viele Trittbrettfahrer begriffen zu haben, welche sich in Erwartung grundlegender Veränderungen hin zum Besseren beim Uhrenhersteller eingekauft hatten. Wie mir aus Börsenkreisen berichtet wird, werfen nun erste Trittbrettfahrer zähneknirschend ihr Handtuch.
Bereits am vergangenen Montag begegnete ich der Swatch-Hausse mit folgenden Worten:
Ich bleibe bei meiner Einschätzung. Bei Kursen von 200 Franken und mehr für die Inhaberaktien dürften selbst den Substanzinvestoren so langsam die Kaufargumente ausgehen.
Nicht weniger geladen war die Stimmung an der Generalversammlung von DocMorris. Doch obwohl die Machtverhältnisse im Aktionariat der Versandapotheke andere als bei der Swatch Group sind, scheiterte die oppositionelle Aktionärsgruppe um die polnische Pelion mit ihren Vorstössen am Widerstand ihrer Mitaktionäre. Allen Unkenrufen zum Trotz wurde Firmengründer Walter Oberhänsli wiedergewählt und an der Spitze des Verwaltungsrats bestätigt. Die drei von der Aktionärsgruppe aufgestellten Kandidaten schafften den Sprung ins Gremium hingegen nicht. Der frühere Celesio-Chef Fritz Oesterle erhielt sogar weniger als 29 Prozent der Stimmen.
Trotz oder gerade wegen dieser Niederlage steuern die Aktien von DocMorris auf einen weiteren Wochengewinn von vier Prozent zu. Eine mögliche Erklärung hierfür finde ich in einem Kommentar der Deutschen Bank zum Rivalen Redcare Pharmacy. Darin bezieht sich der Autor Jan Koch auf einen Bericht der «Pharmazeutischen Zeitung», wonach das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in Berlin eine schrittweise Erhöhung der Apothekenvergütung für verschreibungspflichtige Medikamente prüfe und seine Pläne für strengere Kontrollen des Versandhandels von Arzneimitteln aufgeben wolle. Der Analyst sieht davon positive Impulse für die Versandapotheke ausgehen und rechnet sogar mit deutlichen Margensteigerungen.
Die Leerverkäufer haben bei DocMorris nicht mehr ein ganz so leichtes Spiel wie auch schon. Und das ist auch gut so. Noch ist ein erneuter Kapitalhunger mit Blick aufs kommende Jahr nicht vom Tisch. Folglich wäre ich nicht überrascht, wenn die Versandapotheke an der Börse ein Spielball der Spekulanten bleiben würde.
Weit oben auf der Liste der SMI-Wochengewinner ist die UBS anzutreffen. Dies, nachdem die Bank of America ihrer Kaufempfehlung einmal mehr Nachdruck verleiht. Der Londoner Analyst Antonio Reale erhöht sein Aktienkursziel für die grösste Schweizer Bank auf 48 (zuvor 46) Franken und sieht in ihr die erklärte Branchenfavoritin.
Für die Jahre bis 2028 geht er neuerdings von einem jährlichen Gewinnwachstum von 20 Prozent aus, was verglichen mit anderen Rivalen rund um den Globus seinesgleichen sucht. Ausserdem glaubt Reale, dass die Grossbank alleine im laufenden Jahr für sechs Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen wird. Seine Berufskollegen bei anderen Banken gehen bis Ende Dezember hingegen «bloss» von Rückkäufen im Umfang von 3,5 Milliarden Dollar aus.
Auch was die künftig wohl strengeren Eigenmittelvorschriften anbetrifft, lässt sich der Analyst von der momentanen Diskussion nicht taubentänzig machen. Vielmehr rechnet er mit weiteren Zugeständnissen der Politik in Bern.
Die Aktien der UBS verspüren wieder Rückenwind (Quelle: www.cash.ch)
Zur Erinnerung: Die Bank of America führt die UBS-Aktien auf der Liste der «25 Stocks for 2026». Neuerdings setzt die amerikanische Investmentbank die Valoren nun auch noch auf die viel beachtete «Europe 1 List» - was das starke Abschneiden der letzten Tage erklären dürfte.
Das überarbeitete Kursziel von 48 Franken ist übrigens die zweithöchste mir bekannte Kursprognose eines Analysten. Nur Joseph Dickerson von Jefferies ist mit seinem Kursziel von 55 Franken noch zuversichtlicher. Dieses geht auf Ende Januar zurück. Allerdings hat sich der Jefferies-Analyst – zumindest meines Wissens – seit Februar nicht mehr zur UBS geäussert.
Die Aktien von Tecan reagieren heute Freitag eher unterkühlt auf die Nachricht, wonach der Industrielle Thomas Schmidheiny über sein Investment-Vehikel SEO das Aktienpaket von drei auf gut fünf Prozent ausgebaut hat.
Schmidheiny hatte sich erst im März mit drei Prozent beim Laborausrüster eingenistet. Der Aktienkurs schoss alleine am Tag des Bekanntwerdens um gut neun Prozent nach oben und zog in den darauffolgenden Wochen von 125 auf 143 Franken weiter. Mittlerweile sind die Valoren wieder zehn Kursfranken tiefer zu haben.
Dass die Börse die Tecan-Aktien nicht nochmals mit Kursgewinnen für die Beteiligungserhöhung durch den Industriellen versieht, dürfte nicht zuletzt auch damit zu tun haben, dass sich Schmidheiny beim Laborausrüster ans gewohnte Drehbuch hält. Schon bei U-blox stieg er mit drei Prozent ein und baute das Aktienpaket in den darauffolgenden Wochen rasch aus. Von daher kommt die jetzige Beteiligungsmeldung für Börsenbeobachter wie mich eigentlich nicht überraschend.
Ich bin neugierig, ob auch das Engagement Schmidheinys bei Tecan unter einem guten Stern steht. Der ermutigende Zwischenbericht des Unternehmens fürs erste Quartal lässt jedenfalls hoffen. Harren wir doch der Dinge...
An dieser Stelle verabschiede ich mich nun für zwei Wochen in die Ferien. Während meiner Abwesenheit erscheinen weder das Insider Briefing noch die Mittags-Kolumne. Die nächsten Texte aus meiner Feder erscheinen am Montag, den 1. Juni 2026, zur gewohnten Zeit.
Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern eine gute Zeit und immer das nötige Quäntchen Glück bei den Börsengeschäften.
Herzlichst, der cash Insider
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