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Auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt fühlt es sich für Anlegerinnen und Anleger schon seit Wochen wie eine wilde Achterbahnfahrt an. Anschnallen und festhalten ist gefragt, ändert sich die Nachrichtenlage zum Nahen Osten zumindest gefühlt doch im Minutentakt. Wer sich davon zu Kurzschlusshandlungen verleiten lässt, liegt nicht selten falsch.
So reichte von Dienstag auf Mittwoch alleine schon die Nachricht aus, wonach sich Washington und Teheran auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt hätten, um die Aktienkurse auch hierzulande kräftig nach oben schiessen zu lassen. Am Mittwoch lag der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) zeitweise knapp vier Prozent im Plus – wobei die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis einen noch beeindruckenderen Tagesgewinn zu vereiteln wussten. Sogar um jeweils acht Prozent höher gingen an besagtem Tag die Valoren von ABB, der VAT Group und Richemont aus dem Handel.
Neugierig wie ich bin, habe ich mich mal ein bisschen umgehört, was genau denn nun eigentlich zu diesem Kursfeuerwerk führte. Gerade bei den mächtigen Grossinvestoren sei man am Dienstag sträflich unterinvestiert gewesen und deshalb «contre pied» erwischt worden. In der Folge seien Absicherungstransaktionen rückgängig gemacht und grössere Kaufprogramme angestossen gegeben worden. Ab einem gewissen Punkt habe sich die Sache dann dank Zwangskäufen aus dem Lager der Risikoparitätsfonds so etwas wie verselbständigt, wie aus Börsenkreisen verlautet.
Auch der SPI verspürt viel Rückenwind (Quelle: www.cash.ch)
Zu diesen Grossinvestoren dürfte auch der norwegische Staatsfonds zählen. In den ersten Februar-Tagen wurde in hiesigen Börsenkreisen das Gerücht herumgereicht, wonach die Skandinavier ihre Aktienquote reduziert hätten. Im Zuge dessen seien auch bei uns in der Schweiz grössere Aktienpakete zum Verkauf gekommen, hiess es damals.
Ich begegnete diesen Gerüchten mit folgenden Worten:
Vermutlich dürfte auch der starke Franken dazu beigetragen haben, dass sich der norwegische Staatsfonds bei seinen Aktienanlagen im Zuge eines sogenannten «Rebalancing» von Schweizer Aktienbeständen trennen musste. Für gewöhnlich findet eine solche Neuausrichtung der Vermögenswerte nur rund um den grossen Derivatverfall jeweils kurz vor Quartalsende statt.
Dennoch erfolgte die Reduktion der hiesigen Firmenbeteiligungen rückblickend zu einem durchaus günstigen Zeitpunkt. Für die Aktien von Lonza etwa wurden Kurse von 530 Franken und mehr bezahlt und für jene der UBS gut 36 Franken und damit noch immer mehr als in den letzten Tagen. Auch die Valoren von Sika notierten damals mit 150 Franken deutlich höher als heute.
Ein Blick auf die Gewinner von dieser Woche lässt übrigens erahnen, dass auch einige namhafte Leerverkäufer gezwungen waren, ihre Wetten auf rückläufige Kurse zu überdenken. Mit AMS Osram (+ 20 Prozent) Orior (+ 7 Prozent) und DocMorris (+ 9 Prozent) stehen gleich drei Unternehmen weit oben auf der Gewinnerliste, welche im Visier dieser unheilbringenden Börsenspezies stehen.
Die Aktien von DocMorris waren in den letzten Tagen im Windschatten jener von Redcare Pharmacy gesucht. Mit 848 Millionen Euro setzte die Erzrivalin im ersten Quartal 18 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum und damit deutlich mehr als Analysten erwartet hatten. In Deutschland stieg der Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten sogar um 55 Prozent. Eine Erhöhung der diesjährigen Finanzziele gilt nun als wahrscheinlich.
Von solchen Zahlen kann man bei DocMorris bloss träumen. Die Versandapotheke tritt im Wettbewerb mit Redcare denn auch mit ungleich langen Spiessen an. Denn die Erzrivalin verfügt über eine deutlich solidere Bilanz und dadurch über eine überlegene Finanzkraft. Das wiederum erweist sich als ein entscheidender Vorteil, wenn man wie die beiden Versandapotheken mit üppigem Marketingbudget um Marktanteile buhlt.
Ein blosses Aufbäumen bei den DocMorris-Aktien oder steckt mehr dahinter? (Quelle: www.cash.ch)
Wie DocMorris im ersten Quartal abgeschnitten hat und ob das Unternehmen in Deutschland sogar Marktanteile an den ewigen Gegenspieler verloren hat, wissen wir spätestens am nächsten Donnerstag. Dann nämlich will das Unternehmen mit einem Zwischenbericht aufwarten. Wenn sich etwas schon heute mit grosser Wahrscheinlichkeit sagen lässt, dann dies, dass das Wachstum deutlich bescheidener als bei Redcare ausgefallen sein dürfte.
Seit dieser Woche wissen wir übrigens, dass der Sterling Strategic Value Fund die Pläne der polnischen Pelion nur teilweise teilt. Anders als der grösste Einzelaktionär will das frühere Investment-Vehikel des Tessiner Financiers Tito Tettamanti vorerst an Firmenmitgründer Walter Oberhänsli an der Spitze des Verwaltungsrats festhalten. Auch damit, dass Pelion gleich zwei eigene Kandidaten zur Wahl ins Verwaltungsratsgremium aufstellt, scheint man sichtlich Mühe zu haben.
Interessant ist die Erkenntnis, dass der Sterling Strategic Value Fund sein 3,2-Prozent-Paket seit Dezember nicht weiter ausgebaut zu haben scheint. Wie dem auch immer sein mag: Die Aktien bleiben weiterhin ein Spielball von Spekulanten unterschiedlichster Couleur.
Als Wochengewinner darf sich die R&S Group feiern lassen. Seit Mittwoch wissen wir, dass das vergangene Geschäftsjahr sogar noch etwas besser als gedacht ausgefallen ist. Allen Unkenrufen zum Trotz bestätigte der Trafohersteller bei dieser Gelegenheit ausserdem seine mittelfristigen Wachstumsambitionen. Nach der Gewinnwarnung vom vergangenen Spätherbst war man sich deren Erreichbarkeit in Börsenkreisen nicht mehr ganz so sicher.
Von der UBS und Octavian gab es denn auch viel Lob fürs Unternehmen. Der für Octavian tätige Analyst Alessandro Foletti errechnet neuerdings sogar ein Kursziel von 31,90 (zuvor 26,50) Franken für die mit «Buy» eingestuften Aktien. Nur sein Berufskollege Patrick Laager von der Berenberg Bank ist noch zuversichtlicher und preist die Valoren des Trafoherstellers mit einem Kursziel von 36 Franken zum Kauf an.
Mit der – auch für Beobachter wie mich - überraschenden Gewinnwarnung vom November wurde viel Porzellan zerschlagen. Folglich dürfte es dauern, bis Firmenchef Eduardo Terzi das Vertrauen der Anleger vollumfänglich zurückgewinnen kann. Erste Schritte in die richtige Richtung sind gemacht. Dass das Unternehmen dabei auf randvolle Auftragsbücher zurückgreifen kann, sollte helfen. Die Aktien der R&S Group bleiben jedenfalls Bestandteil meiner Jahresfavoriten.
Kommende Woche nimmt die Quartalsberichterstattung hierzulande langsam Fahrt auf. Nachdem die Zahlenkränze von Spezialitätenchemiehersteller Ems Chemie und Verbindungstechnikspezialist Bossard an der Börse zu gefallen wussten, gilt mein persönliches Interesse nun der Geschäftsentwicklung beim Sorgenkind Sika. Die Aktien des Bauchemieherstellers befinden sich noch immer in einem hartnäckigen Stimmungstief.
Analysten gehen bei Sika durchschnittlich von einem Umsatzrückgang um acht Prozent auf 2,46 Milliarden Franken aus, wobei ein beachtlicher Teil des Rückgangs dem starken Franken geschuldet sein dürfte. In den letzten Tagen schraubten gleich mehrere Analysten ihre Gewinnerwartungen nochmals nach unten. Das lässt für gewöhnlich nicht viel Gutes erahnen. Bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen wenigstens an den diesjährigen Finanzzielen festhalten wird.
Mehr zum Thema am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.
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