Es ist in den vergangenen Wochen immer wieder zu lesen gewesen: Unternehmen haben reihenweise ihre Dividenden erhöht. Dies führt dazu, dass die Ausschüttungen mitunter zu einer höheren Rendite führen. Diese Dividendenrendite errechnet sich, wenn der Aktienkurs mit der Dividende verglichen wird. Angegeben wird sie in Prozent.

Bei einem beträchtlichen Teil der in der Schweiz kotierten Unternehmen beläuft sich die Dividendenrendite auf über 3 Prozent, was als guter Wert gilt. Klar ist: Dividenden bringen deutlich mehr ein als Anleihen. Das ist ein wesentlicher Grund, weswegen Dividenden in der nunmehr langjährigen Tiefzinsphase so beliebt geworden sind.

Erkleckliche Summen

Dividenden werden bei der Auszahlung den Aktionärinnen und Aktionären als Barbeträge gutgeschrieben. Bestreitet eine Firma die Auszahlung per Kapitalreserve, handelt es sich dabei um den vollen Dividendenbetrag. Wenn Unternehmen die Dividende aus den Gewinnrücklagen auszahlen, wird die Verrechnungssteuer von 35 Prozent fällig. Diese ist aber rückforderbar.

Welche Dividendenaktien sich eigenen

Evergreens in einem Schweizer Dividendenportfolio sind Versicherer: Zurich und Swiss Re mit je 5,7 Prozent Dividendenrendite und einem in den vergangenen Monaten wenig schwankenden Börsenkurs sind Favoriten. Auch die Swisscom (4,5 Prozent Rendite) hat seit Jahren den Ruf eines "Obligationenersatzes". Am breiten Markt als Dividendenperle schlechthin gilt die Banque Cantonale Vaudoise (4,3 Prozent). 

Da ja die Dividendenrendite von Aktienkurs abhängig ist, müssen Anleger aufpassen. So ist die Industriegruppe OC Oerlikon derzeit mit einer Rendite von 7,7 Prozent ein Spitzenreiter in Sachen Dividende. Der Kurs hat allerdings innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 22 Prozent nachgegeben und steht als zyklischer Titel im Zuge einer einer Konjunkturverlangsamung im Gegenwind. Auch die UBS (5,7 Prozent) ist ein sehr guter Dividendenzahler, ist aber wegen ihres seit Jahren schwierigen und ungenügend ertragreichen globalen Bankgeschäfts als Investment umstritten. 

Lesen Sie dazu auch den cash-Beitrag: Jetzt die Dividenden-Aktien ins Portfolio holen?

Wer mit Beträgen über 10'000 Franken in Aktien investiert ist, sammelt bei guten Dividendenzahlern Jahr für Jahr erkleckliche Summen ein. Nur: Was soll man mit dem Geld anstellen?

Das Geld einfach zu beziehen und auf irgendeine Weise auszugeben, ist eine Möglichkeit. Es gibt durchaus Privatanleger, die mit Dividendeneinnahmen einen Teil ihres Lebensunterhalts bestreiten. Anlageexperten aber empfehlen häufig, die Dividenden gleich wieder zu reinvestieren. Dies geht sowohl bei Einzelaktien als auch bei Fonds, wobei es die so genannt thesaurierenden Fonds sind, die Dividenden automatisch wiederanlegen.

Erträge aus Erträgen

Wer die Dividenden beim selben Unternehmen Jahr für Jahr wieder anlegt, kommt in den Genuss eines Zinseszinseffektes. Man erzielt also Erträge aus Erträgen. Und dies hat es in sich.

Angenommen, die Gesamtrendite einer Aktie bringt über die Zeit jährlich im Schnitt 6 Prozent: Werden die Ausschüttungen systematisch reinvestiert, kann sich der Wert eines Aktienportfolios innerhalb von 20 Jahren zumindest in der Theorie verdreifachen. Ohne Wiederanlage der Dividenden gelingt im besten Fall eine Verdoppelung. Voraussetzung ist natürlich ein langfristig steigender Kurs und kontinuierlich ausbezahlte Dividenden. 

Die Renditeträchtigkeit von Dividenden lässt sich auch an unterschiedlichen Indizes darstellen: Der Kurszuwachs des SMI beträgt über die vergangenen 5 Jahre betrachtet netto 12 Prozent. Der SMIC hingegen, der auch die Dividenden berücksichtigt, hat seit April 2014 32 Prozent dazugewonnen. 

Der SMIC (grün) hat akutell einen Stand von 19'713 Punkten, der SMI 9516 (Darstellung über fünf Jahre, Grafik: cash.ch).

Um diese Wertsteigerungen zu erreichen, muss sehr diszipliniert angelegt werden und den Grundsatz der "Buy-and-Hold"-Strategie berücksichtigt werden. Kursschwankungen dürfen Anleger nicht vom Reinvestieren abhalten. Es muss die Ansicht vorherrschen, dass sich Aktienmärkte immer wieder erholen und langfristig ansteigen. Sprich: Wer vom Zinseszins der Dividenden konsequent profitieren will, darf nicht empfindlich sein gegen immer wieder einmal auftretende Kursverluste.

Eine allgemeingültige Regel, zu welchem Zeitpunkt mit der Dividende neue Aktien gekauft werden sollen, besteht indessen nicht. Überlegen sollte man sich, die Dividende noch am Tag der Auszahlung zu reinvestieren. Man macht sich damit den Ex-Dividendentag zunutze, an dem der Aktienkurs um die Höhe der Dividende gekürzt wird: Die Aktie ist günstiger und hat auf einen Schlag mehr Potenzial.

Aktien mit der höchsten Dividendendynamik

GesellschaftØ Dividendenwachstum
5 Jahre
Ø Rendite 5 Jahre
Partners Group24,9 Prozent3,1 Prozent
Emmi14,2 Prozent1,1 Prozent
Schindler12,7 Prozent1,8 Prozent
Sonova10,2 Prozent 1,8 Prozent
Lindt & Sprüngli10,1 Prozent1,4 Prozent
Geberit9,5 Prozent2,7 Prozent
BVZ8,1 Prozent2 Prozent
Walliser KB7,1 Prozent3,4 Prozent
Lonza6,7 Prozent1,7 Prozent
Jungfraubahn5,9 Prozent2,1 Prozent

Angaben bereinigt um Sonderausschüttungen / Quelle: www.dividendenadel.de / Stand: Januar 2019

Bei soliden Unternehmen und in einigermassen stabilen Marktsituationen wird der so genannte "Dividendenknick" in den Tagen und Wochen nach der Auszahlung wieder aufgeholt. Es ist durchaus auch vertretbar, mit dem Reinvestieren eine Zeit lang zu warten und einen späteren Zeitpunkt abzuwarten. Ein zwischenzeitlich ungerechtfertigt tiefer Börsenkurs lädt bei stabilen Unternehmen stets zum Einstieg ein. Eine alte Börsenweisheit sollte man sich dennoch in Erinnerung rufen: Den "richtigen" Zeitpunkt für Ein- und Ausstiege gibt es letztlich nicht.

Gründe, eine Dividende nicht zu reinvestieren, gibt es freilich auch. Massgeblich für die Dividendenqualität eines Unternehmens sind die Stärke der Bilanz, der freie Cashflow und die Ausschüttungsquote. Auch hoch verschuldete Unternehmen zahlen mitunter viel Dividende – dabei bestehen aber Fragen nach der Nachhaltigkeit. Und ein Unternehmen kann langfristig nur als überdurchschnittlich guter Dividendenzahler auftreten, wenn es durch einen starken Cashflow unterstützt ist.